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Schleswig-Holstein Im Norden wird wieder benotet
Nachrichten Schleswig-Holstein Im Norden wird wieder benotet
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08:00 17.08.2018
Foto: Auf die Ranzen, fertig, los! Am Montag beginnt in Schleswig-Holstein die Schule.
Auf die Ranzen, fertig, los! Am Montag beginnt in Schleswig-Holstein die Schule. Quelle: David Ebener/dpa (Archiv)
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Kiel

Es ist eine Rolle rückwärts. Die SPD-geführte Vorgängerregierung hatte an Grundschulen erst zum Schuljahr 2014/15 durchgängig Berichtszeugnisse eingeführt.

„Der Begriff Leistung hat auch in den Grundschulen Bedeutung“, sagte Bildungsministerin Karin Prien (CDU). „Viele Eltern wünschen sich Noten und wünschen sich klare Orientierung, Leistungsrückmeldung und Vergleichbarkeit.“ Dem trage man Rechnung. Notenzeugnisse liefern nach ihrer Ansicht Beurteilungen nach „klaren Kriterien, die den Lehrern durch die Fachanforderungen und die Bildungsstandards vorgegeben“ seien.

Die meisten Schulen wollen Noten

Prien wies darauf hin, dass sich einzelne Grundschulen per Schulkonferenz für den Beibehalt von Berichtszeugnissen aussprechen könnten. Wie Lehrer und Eltern auf die Anweisung aus Kiel reagierten? „Ich kann es nur so sagen: Als die Möglichkeit bestand, sich von Noten zu verabschieden, haben die meisten Schulen das nicht getan.“

Matheunterricht muss spannender gestaltet werden

Eine Reform des Unterrichts im Fach Mathematik, wo besonders viele Schüler Schwierigkeiten haben, schwebt dem renommierten Mathematiker und Autor zahlreicher Unterrichtsbücher, Martin Zacharias, vor. Im Interview mit dieser Zeitung plädiert Zacharias dafür, den Unterricht spannender zu gestalten. Zudem stellt er den Nutzen von Noten insgesamt in Frage.

„Ziel der Note im Abitur ist eine Selektion“, sagte er. Er halte Bewertungsraster für aussagekräftiger, in denen angegeben wird, über welche Kompetenzen ein Schüler verfügt. Würde das Abiturzeugnis lediglich darauf hinweisen, dass der Schüler bestanden hat, hielte er das für ausreichend.

"Noten helfen allen"

Auch in den Jahrgangsstufen fünf bis sieben sollen Noten ab dem neuen Schuljahr wieder zum Normalfall werden. Bisher erhalten Schüler dieser Klassen an Gemeinschaftsschulen grundsätzlich ein Berichtszeugnis. Bildungsministerin Prien wehrte sich gegen den Vorwurf, auf diese Weise würden Leistungsängste verstärkt und Lernfreude verringert. Es gebe regelmäßige Elterngespräche. „Noten helfen allen: den Leistungsstarken und auch den Leistungsschwachen.“

Unterdessen will die Regierung an den Schulen die Erziehung zur Demokratie ausbauen. Prien proklamierte das Schuljahr gestern zum „Jahr der politischen Bildung“. Im Fokus stehen insbesondere Gemeinschaftsschulen und der Deutschunterricht für Migranten.

Von Christian Hiersemenzel und Alev Doğan

Von kn online