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Schleswig-Holstein Wattenmeer: Erfolge und Knackpunkte
Nachrichten Schleswig-Holstein Wattenmeer: Erfolge und Knackpunkte
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19:16 18.05.2018
Foto: Das Wattenmeer ist schützenswert: Hierfür arbeiten seit 40 Jahren Deutschland, Dänemark und die Niederlande zusammen.
Das Wattenmeer (hier bei Westerhever) ist schützenswert: Hierfür arbeiten seit 40 Jahren Deutschland, Dänemark und die Niederlande zusammen. Quelle: Carsten Rehder
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Leeuwarden

Zum Schutz des sensiblen Weltnaturerbes Wattenmeer arbeiten seit 40 Jahren Deutschland, Dänemark und die Niederlande zusammen. Jetzt trafen sich Wattenmeer-Experten erneut im niederländischen Leeuwarden. Sie vereinbarten, den Schutz des Gebiets zu verstärken. Sie wollen unter anderem aus dem Wattenmeer ein Paradies für Brutvögel machen und die Folgen des Klimawandels untersuchen.

Was hat die trilaterale Kooperation zum Wattenmeer bisher gebracht?

Das Wattenmeer gilt als eines der größten Feuchtgebiete der Welt mit rund 10 000 Tier- und Pflanzenarten, jährlich rasten dort zehn bis zwölf Millionen Zugvögel. Naturschutz kann dort nicht an nationalen Grenzen enden - mit dieser Erkenntnis haben sich Politiker der drei Anrainerstaaten 1978 erstmals an einen Tisch gesetzt. Im Jahr 2009 nahm die Unesco das deutsch-niederländische Wattenmeer in die Liste „Welterbe der Menschheit“ auf, seit 2014 ist das gesamte Wattenmehr mit dem dänischen Teil Welterbe. Die grenzüberschreitende Kooperation wurde als vorbildlich gelobt.

Welchen Nutzen hat die Natur von der Zusammenarbeit?

1988 einigten sich die Länder auf ein Abkommen zum Schutz der damals gefährdeten Seehunde. Ihre Bestände schrumpften in den 90er Jahren durch verheerende Seuchen stark. Inzwischen gibt es mit rund 38000 Seehunden und 5500 Kegelrobben Rekordwerte seit Beginn der Zählungen. Daneben tummeln sich wieder mehr Schweinswale in den küstennahen Gebieten. Trotz wachsenden Lärms durch Schifffahrt und Windpark-Baustellen habe sich die Situation für Meeressäuger verbessert, glaubt der dänische Wattenmeerexperte Jens Enemark.

Für welche Tiere muss noch mehr getan werden?

Negative Trends gibt es bei Zählungen von Brut- und Zugvögeln. Die Bestände vieler bedrohter Arten gehen zurück. Ein Dauerthema ist zudem die Fischerei im Nationalpark, die nach Ansicht von Naturschützern noch zu wenig naturverträglich ausgerichtet ist. Als positives Beispiel gelten Verbesserungen bei der Krabbenfischerei zur Verringerung von Beifang und von Schäden am Meeresboden.

Wo liegen weitere Knackpunkte?

Unter Wasser werden zunehmend Pipelines und Kabeltrassen verlegt. Bei Ausbaggerungen und Verklappungen werden große Mengen von Sand und Schlick umgeschichtet. Das betrifft besonders die Flussmündungen von Ems, Elbe und Weser. Dort fordern Umweltverbände daher den Verzicht auf weitere Flussvertiefungen, ein länderübergreifendes Management soll Störungen des sensiblen Lebensraums in Grenzen halten.

Die Ausweisung der südlichen Nordsee als besonders empfindliches Meeresgebiet könnte zudem dazu beitragen, das Risiko von Schiffshavarien zu verringern.

Von dpa

18.05.2018
Alev Doğan 17.05.2018