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Schleswig-Holstein 1200 Einsatzkräfte durchsuchen Wohn- und Firmenräumen – zwei Festnahmen
Nachrichten Schleswig-Holstein 1200 Einsatzkräfte durchsuchen Wohn- und Firmenräumen – zwei Festnahmen
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17:09 27.08.2019
Von KN-online (Kieler Nachrichten)
Am Dienstagmorgen schlugen die Ermittler zu – auch in Neumünster. Quelle: danfoto
Kiel/Neumünster

Es war ein koordinierter Großeinsatz gegen mutmaßlich kriminelle Verantwortliche bei Bauunternehmen: Die Durchsuchungen liefen unter dem Schlagwort "Eisenflechter", so ist es einer Pressemitteilung der Staatsanwaltschaft Kiel zu entnehmen.

Das Amtsgericht in Kiel hatte zuvor Durchsuchungsbeschlüsse gegen etwa 50 Beschuldigte in rund 110 Wohn- und Firmenräumen erlassen – am Dienstagmorgen schlugen die Ermittler dann zu: Im Rahmen einer gemeinsamen Maßnahme der Staatsanwaltschaft Kiel, der Finanzkontrolle Schwarzarbeit des Hauptzollamts Kiel, der Steuerfahndung Kiel, der Bundespolizei in Rostock sowie der Landespolizei vollstreckten die 1200 Einsatzkräfte unter Beteiligung von 13 Staatsanwälten die Durchsuchungsbeschlüsse.

Schwerpunkte waren Bad Bramstadt und Neumünster

Schwerpunkte der Durchsuchungen waren Bad Bramstedt und Neumünster. Weitere Durchsuchungsobjekte liegen in Mecklenburg-Vorpommern (Bereiche Wismar und Parchim) und Hamburg. Die Maßnahmen waren seit Monaten vorbereitet.

Zeitgleich rückten am Dienstag um 4 Uhr die Einsatzkräfte an und sperrten Straßen, Firmenzufahrten und Häuser ab. In Neumünster wurden auch in der Innenstadt beim Bahnhof Straßen gesperrt, um die Durchsuchungsmaßnahme der Einsatzkräfte zu sichern. Mehrere Beschuldigte wohnen im Vicelinviertel "auf engem Raum", so Oberstaatsanwalt Henning Hadeler von der Kieler Staatsanwaltschaft. Aus diesem Grund wurden dort von der Landespolizei Straßen abgeschirmt.

"Dem Einsatz gingen umfangreiche Vorbereitungen voraus. Es wurde über Monate gegen die Beschuldigten ermittelt", so Hadeler weiter. Auf die Spur der Unternehmen waren die Fahnder auch beim Abgleich von Identitäten gekommen. "Es gibt hier den Verdacht, dass Arbeiter mit Schein-Identitäten von EU-Bürgern ausgestattet wurden", so Hadeler.

Bundesweit organisiertes Netzwerk von Scheinfirmen

Es steht der Verdacht des schweren Sozialversicherungsbetrugs, schwerer Steuerhinterziehung, des Einschleusens von Ausländern und der Passfälschungen im Raum. Die Ermittlungsverfahren richten sich gegen zahlreiche Firmeninhaber überwiegend ausländischer Herkunft, heißt es vonseiten der Staatsanwaltschaft.

Sie sollen über mehrere Jahre Arbeiter als "Eisenflechter" zur eigenen Gewinnmaximierung "schwarz" beschäftigt und zur Verschleierung dieser Schwarzarbeit ein bundesweit organisiertes Netzwerk von Scheinfirmen verwendet haben. Dabei sollen auch Arbeiter aus Drittstaaten, die über keine Aufenthaltstitel verfügten, eingesetzt und mit gefälschten Pässen, die sie als EU-Bürger auswiesen, ausgestattet worden sein. Die Maßnahme richte sich auch gegen die illegalen Arbeiter, so die Ermittler.

Arbeiter aus Südosteuropa in Schleswig-Holstein eingesetzt

Konkret sollen zum Beispiel Arbeiter aus den Nicht-EU-Staaten von Balkan auf Baustellen zur Tarnung als Bürger aus den EU-Staaten Bulgarien und Rumänien beschäftigt worden sein, hieß es. Dabei soll es sich zum Teil um illegal auch nach Deutschland geschleuste Arbeiter aus dem Kosovo, Albanien oder Mazedonien handeln. Deshalb war auch die Bundespolizei im Einsatz, die für die Bekämpfung der Schleuserkriminalität zuständig ist.

Hadeler zufolge werden gegen die Arbeiter nun Verstöße gegen das Aufenthaltsgesetz geprüft. Im Einzelfalle werde zu beurteilen sein, ob es auch möglicherweise zu Verhaftungen komme, um das Verfahren zu sichern. Im Falle beschleunigter Verfahren könne auch eine sehr schnelle Abschiebung folgen.

Ein Haftbefehl in Neumünster vollstreckt

Haftbefehle gegen zwei Verantwortliche der beteiligten Unternehmen seien vollstreckt worden, hieß es. "Das sind führende Verantwortliche, die die Arbeitnehmer in Firmen und auf Baustellen eingesetzt haben", so Hadeler. Eine der Festnahmen gab es in Neumünster. Der zweite Beschuldigte wurde in Westfalen aufgegriffen, habe seinen Wohnsitz aber ebenfalls im Bereich Neumünster/Bad Bramstedt. Beide werden jetzt Haftrichtern in Kiel vorgeführt.

Außerdem sei Vermögen mit einem Volumen von insgesamt 4,5 Millionen Euro beschlagnahmt worden, so Hadeler. Im Laufe des Vormittages waren die Durchsuchungen von Privatwohnungen abgeschlossen. Es wurden lediglich noch Firmen und Geschäftsräume durchkämmt.

Das sind "Eisenflechter"

Im Fokus der Ermittlungen stehen Firmen, die auch als Eisenflechter bekannt sind. Sie erstellen auf Baustellen zum Beispiel die Bewehrungen für Stahlbetonkonstruktionen. Diese Arbeiten sind körperlich sehr anstrengend, da die Stahlstrukturen zum Teil per Hand gebogen und verbunden werden. 

Von RND/pat/FB/wcz

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