Menü
Kieler Nachrichten | Ihre Zeitung aus Kiel
Anmelden
Schleswig-Holstein Zu wenig Kinder können schwimmen
Nachrichten Schleswig-Holstein Zu wenig Kinder können schwimmen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
15:03 15.02.2019
Von Frida Kammerer
Ertrinken ist für Kinder zwischen fünf und 14 Jahren die zweithäufigste Todesursache. Quelle: Emily Wabitsch/dpa (Archiv)
Anzeige
Kiel

Der Schwimmunterricht an Schleswig-Holsteins Schulen soll besser werden. Bildungsministerin Karin Prien (CDU) legte einen Bericht zum Schwimmunterricht vor und bekannte sich erneut zu dem Ziel, dass jedes Kind schwimmen lernen soll im Land zwischen den Meeren: "Ertrinken ist für Kinder zwischen fünf und 14 Jahren die zweithäufigste Todesursache. Das zeigt, wie groß der Handlungsbedarf ist."

Jedes fünfte Kind kann nicht (gut) schwimmen

Laut Bericht haben 81 Prozent der Kinder in Schulen mit Schwimmunterricht das Bronze-Abzeichen. 19 Prozent der im Schwimmen unterrichteten Kinder der fünften und sechsten Klasse - also etwa jedes fünfte Kind - haben das im vergangenen Schuljahr nicht geschafft. Allerdings wird nicht in allen (Grund-)Schulen Schwimmunterricht angeboten, man muss also insgesamt von einer höheren Zahl an Schülern ohne entsprechende Fähigkeiten ausgehen.

Anzeige

Gründe für zu viele Nichtschwimmer in Schleswig-Holstein

388 von 475 Grundschulen bieten Schwimmunterricht an. An 89 Schulen sehen die schulinternen Fachcurricula Schwimmunterricht erst in der siebten bis zehnten Klasse oder sogar erst in der Oberstufe vor. Stark betroffen sind, wie eine Kleine Anfrage der AfD ergab, Kreise wie Segeberg oder Stormarn, während in Städten wie Kiel oder Flensburg die Situation deutlich besser ist.

15,1 Prozent der Grundschulen und 9 Prozent der weiterführenden Schulen geben an, dass sie keinen Schwimmunterricht erteilen. Ein Viertel der Schulen meldete, dass sie keine Schwimmstätte in der Nähe hätten. 22 Prozent konnten den Weg zum Schwimmbad nicht bezahlen und 13 Prozent bekamen keine Hallenzeit vom örtlichen Schwimmbad. Außerdem gibt es laut Bericht zu wenig Lehrer für den Schwimmunterricht - knapp ein fünftel fällt aus, weil kein Sportlehrer mit entsprechender Qualifikation verfügbar ist.

Um das Personalangebot zu verbessern, werden laut Prien einerseits spezielle Fortbildungen angeboten und andererseits, wo vorhanden, Bademeister oder Schwimmtrainer zur Unterstützung eingesetzt. Außerdem gebe es seit September eine interministerielle Expertenrunde. Ziel sei, dass "möglichst jedes Kind in Schleswig-Holstein schwimmen lernt", sagte Prien. Mit zusätzlichen Geldern in Höhe von 50.000 Euro soll die Zusammenarbeit mit Vereinen gestärkt und weitere Projekte für frühes Schwimmen-Lernen realisieren werden.

Landtag Schleswig-Holstein befürchtet höhere Zahlen

In der Landtagsdebatte wurden die Zahlen als zu niedrig angezweifelt. In der Debatte hieß es, das Schwimmbadsterben müsse ein Ende haben. Außerdem wurden als Gründe für fehlenden Unterricht die oft zu weiten Wege zu Schwimmbädern oder Kosten und Organisation des Transports genannt.

Die SSW-Abgeordnete Jette Waldinger-Thierung verwies auf Schätzungen der DLRG, dass nicht einmal mehr jedes zweite Kind schwimmen könne. Grünen-Fraktionschefin Eka von Kalben sagte, nicht mehr als die Hälfte der Grundschüler könne sicher schwimmen.

Mit Material von dpa

Anne Holbach 14.02.2019
Frank Behling 14.02.2019