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Schleswig-Holstein Italien stoppt Kieler Kapitänin
Nachrichten Schleswig-Holstein Italien stoppt Kieler Kapitänin
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20:53 26.06.2019
Von Bastian Modrow
Sie bringt die Flüchtlinge an die Küste: Carola Rackete, Kapitänin der "Sea Watch 3". Quelle: Till M. Egen
Rom/Kiel

Die 31-jährige Carola Rackete aus Kiel will die Flüchtlinge um jeden Preis sicher an Land bringen und riskiert gemeinsam mit ihrer Crew, dass das Schiff festgesetzt und sie selbst festgenommen werden. 

„Ich habe beschlossen, in den Hafen von Lampedusa einzufahren. Ich weiß, was ich riskiere, aber die 42 Geretteten sind erschöpft. Ich bringe sie jetzt in Sicherheit“, kündigte die Kapitänin auf Twitter an. Wenige Meilen vor dem Hafen der sizilianischen Insel wurde das Schiff aber von der Finanzpolizei gestoppt.

Kapitänin sieht keinen anderen Ausweg

Carola Rackete hatte sich angesichts der verzweifelten Lage der vor zwei Wochen geretteten Menschen gezwungen gesehen, trotz Verbots gegen Mittag in italienische Hoheitsgewässer einzufahren. Für die Aktivistin gibt es keine Alternative: „Mein Leben war immer leicht: Ich konnte drei Universitäten besuchen. Ich bin weiß, Deutsche, bin in einem reichen Land geboren und im Besitz des richtigen Passes“, schrieb Rackete bei Twitter. „Ich fühlte eine Verpflichtung: Menschen zu helfen, die all diese Privilegien nicht hatten.“

Moralische Unterstützung bekommt die Kielerin vom Flüchtlingsbeauftragten des Landes, Stefan Schmidt. „Als ehemaliger Kapitän eines Rettungsschiffes weiß ich genau, was im Moment auf der ,Sea-Watch’ abgeht, wie sich die Besatzungsmitglieder unter der schleswig-holsteinischen Kapitänin um die geretteten Menschen bemühen, wie sie auch auf die Hilfe aller mitfühlenden Menschen an Land hoffen“, sagte Schmidt. Er sei voller Bewunderung für die junge Frau: „Unter den gegebenen Umständen die Nerven zu behalten und eine Stütze zu sein für Besatzung und die Geretteten, ist wahrlich nicht einfach“, sagte der ehemalige Kapitän der „Cap Anamur“. Er ruft zum Schulterschluss auf: „Wir alle, ob Privatleute, Politiker oder Kirchenleute, sollten laut unsere Solidarität bekunden und helfen, wo immer wir können.“ Unter dem Motto „Seenotrettung ist kein Verbrechen“ hatte die Seebrücke Kiel gestern zur Wasser-Demo auf der Innenförde eingeladen. Mit der Aktion wollten die Organisatoren auch der Kieler Kapitänin ihre Solidarität beweisen. 

Italien will nicht nachgeben

Die „Sea-Watch 3“ hatte am 12. Juni 53 Menschen in Seenot aus dem Mittelmeer gerettet. Einige wurden als medizinische Notfälle von Bord gebracht. Die anderen harrten in ungewisser Lage vor der Insel Lampedusa aus. Keine europäische Institution sei bereit, die Verantwortung zu übernehmen, beklagt die Hilfsorganisation. Nachdem ein Eilantrag von Sea-Watch vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) am Dienstagabend gescheitert sei, habe sich die Lage der Menschen schlimmer denn je dargestellt. „Wir hatten schon die ganze Zeit die Situation, dass Menschen über Bord springen wollten“, sagte Sprecher Ruben Neugebauer

„Wir entern italienisches Gewässer, weil wir keine anderen Optionen mehr haben, um die Sicherheit unserer Gäste zu gewährleisten, deren grundlegenden Rechte lange genug verletzt worden sind“, erklärte der Sea-Watch-Vorsitzende Johannes Bayer nach dem Gerichtsbeschluss. „Wir haben Menschen an Bord, die Gräuel in Libyen durchgemacht haben, die schwer gefoltert wurden, aber selbst wenn dies nicht der Fall wäre, muss jede aus See gerettete Person dem Gesetz zufolge an einen sicheren Ort gebracht werden.“

Der italienische Innenminister Matteo Salvini von der rechten Lega bekräftigte seine harte Haltung. „Ich werde niemandem die Erlaubnis geben, an Land zu gehen“, sagte Salvini in einem Live-Video auf Facebook. Italien werde keine Form von Kriminalität dulden. „Wer Fehler macht, wird zahlen“, betonte Salvini mit Blick auf die vor kurzem beschlossenen Strafen für die Besatzung von Schiffen mit Flüchtlingen, die Italien ohne Genehmigung anlaufen. Der Vize-Ministerpräsident forderte das Schiff auf, nach Tunesien zu fahren. Dort herrsche kein Krieg. Schiffe, die Migranten an Bord nähmen, müssten den nächstgelegenen Hafen ansteuern.

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