Menü
Kieler Nachrichten | Ihre Zeitung aus Kiel
Schleswig-Holstein Erste Hilfe für Bauern in seelischer Not
Nachrichten Schleswig-Holstein Erste Hilfe für Bauern in seelischer Not
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
19:18 03.01.2019
Von Ulrich Metschies
Milchpreiskrise 2016, Regenmassen 2017, Dürre 2018 (Foto) - Schleswig-Holsteins Bauern haben schwere Jahre hinter sich.  Quelle: Jan Woitas/ZB/dpa
Kiel

Das Fatale: Ausgerechnet diese Berufsgruppe hat es besonders schwer, Hilfe anzunehmen. Um sich nach außen keine Blöße zu geben, gaukeln viele Betriebsinhaber ihrem Umfeld Normalität vor oder ziehen sich völlig überfordert aus sozialen Kontakten zurück. Leidtragende sind nicht nur die Familien, sondern oft auch die Tiere auf den Höfen. Mit einem niedrigschwelligen Hilfsangebot „Landwirte in Not“ will ein von der Landesregierung koordiniertes Beratungsnetzwerk Betriebsinhabern Wege aus der Sackgasse ebnen.

Bilanz nach zwei Jahren: "Das Netzwerk funktioniert"

Zwei Jahre nach dem Start des Programms zogen die Initiatoren gestern Bilanz im Kieler Landwirtschaftsministerium. „Das Netzwerk funktioniert“, sagte Staatssekretärin Anke Erdmann (Grüne): „Die Leute sind nicht allein.“ Nicht selten seien zwar wirtschaftliche Probleme der Grund für die gefühlte Ausweglosigkeit. Doch gerade bei Landwirten komme eine ganze Reihe von Belastungsfaktoren hinzu – nicht zuletzt die Überschneidung von Wohnen und Arbeiten, das enge Zusammenleben mehrerer Generationen und die Verantwortung für einen nicht selten großen Tierbestand. Nach Angaben der Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau (SVLFG) waren in Deutschland im Jahr 2013 bei etwa jedem sechsten Landwirt Burnout, Depressionen und andere psychische Störungen die Ursache für Erwerbsminderungen.

Junge Landwirte nehmen eher Hilfe an

Wer daran leide, versuche es oft zu verbergen, „bis die Bauern sich öffnen, dazu gehört schon etwas“, sagte Klaus Dahmke vom Bauernverband. Gut ausgebildete jüngere Landwirte sind nach Einschätzung des SVLFG-Experten Jürgen Rosummek eher bereit, Hilfe zu suchen als „in Ehren ergraute“. Rund 11500 Betriebsinhaber gibt es nach Angaben des Ministeriums derzeit in Schleswig-Holstein, davon sind etwa 4500 über 55 Jahre alt. Hinzu kommen rund 7900 mitarbeitende Familienangehörige.

Zahl der Beratungen nimmt zu

Die Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein hat 2018 deutlich mehr in Not geratene Bauern beraten als im Jahr zuvor. Nach ihren Angaben stieg die Zahl der sozioökonomischen Beratungen von Betrieben von rund 200 auf etwa 250. Die Dürre von 2018 habe den Einen oder Anderen in Not gebracht, sagte Kammer-Abteilungsleiter Bernd Irps.

Das Land hat der Kammer zusätzliche Beraterstellen finanziert, die Gesamtkosten belaufen sich auf rund 225000 Euro im Jahr. Bei einem Sorgentelefon der Nordkirche baten im vergangenen Jahr rund 90 Landwirte um Hilfe.

Kontakt: 0431/55 779 450 (kirchliches Sorgentelefon) oder 0561/78510101 (Krisenhotline) sowie per E-Mail: eschallenberger@tierzucht.uni-kiel.de sowie buero@landfrauen-sh.de

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Das Wasser ist wieder weg, die Ostsee hat sich beruhigt. Die Küstenstädte in Schleswig-Holstein haben die erste schwere Sturmflut des Jahres gut überstanden. Von Stränden ist aber eine Menge Sand verschwunden. In Kiel blieb bis zum Nachmittag ein Abschnitt der Kiellinie gesperrt.

03.01.2019

Einen Tag nach dem Verlust von bis 270 Containern von Bord der "MSC Zoe" wird das Ausmaß der Havarie deutlich. Es ist die größte Zahl an Containern, die bislang in der Nordsee von Bord eines Schiffes fielen. Das Schiff hat inzwischen in Bremerhaven festgemacht.

Frank Behling 03.01.2019

Er gehört zu den intimsten Kennern des Vatikans. Der Journalist und Autor Andreas Englisch ist begeistert von Rom und erlebt den Papst in seinem Job immer wieder hautnah. Erst kürzlich hat er in Rendsburg sein neues Buch "Mein Rom" vorgestellt.

Kristiane Backheuer 08.01.2019