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Schleswig-Holstein Der Schützer der Hamburger Grenzsteine
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21:47 21.11.2019
Nicht meckern, machen! Wolf-Rüdiger Wendt ist pensionierter Vermessungsingenieur und beschäftigt sich mit den in Hamburg verlaufenden historischen Grenzen.  Quelle: Marcelo Hernandez
Hamburg

Man hat diese kleinen Extras früher unter die eigentlichen Grenzmarkierungen gelegt, um zu kennzeichnen, dass der Grenzstein korrekt gesetzt war. „Sonst kam Bauer Harms und hat ihn versetzt, weil ihm die Koppel des Nachbarn noch besser gefallen hat“, sagt Wendt. Aber da gab es ja die Zeugen, „und von denen wusste Bauer Harms nichts.“ Bauer Harms ist natürlich fiktiv, aber die Tendenz, Grenzen zugunsten der eigenen Ländereien zu versetzen, habe es immer schon gegeben, sagt Wendt. Und Grenzstreitigkeiten habe es sowieso immer und überall gegeben. Früher habe man Eichen gepflanzt oder Pfähle in die Erde getrieben, später folgten Steine.

Grenzsteine als Faible

Diese historischen Grenzsteine sind das Faible des pensionierten Vermessungsingenieurs. Seit etwa 30 Jahren beschäftigt sich der Hamburger mit den alten Grenzen in der Hansestadt. Denn Hamburg war ja nicht immer die ausgedehnte Großstadt, die sie heute ist. Und so geben die oftmals versteckten Grenzsteine Hinweise darauf, wie das Stadtgebiet früher aufgeteilt war.

Die "Steinläuse" leisten Gewichtiges

Der Hamburger hat sich im Obergeschoss seines Reihenhauses ein Büro eingerichtet, in dem er seine Erkenntnisse verwaltet und regelmäßig aktualisiert. Wendt hat eine Gruppe Gleichgesinnter um sich geschart. Sie nennen sich selber die „Steinläuse“. 450 Steine hat er zusammen mit seinen Mitstreitern schon erfasst, davon hat er etwa 200 selbst entdeckt. Sein Anliegen sei es, die Kenntnisse über die Grenzen und ihre Zeugnisse zu erhalten.

Beispielsweise am Campus des Universitätsklinikums Eppendorf (UKE), wo mitten durch das Klinikgelände die ehemalige dänische Grenze verläuft. Eppendorf gehörte zu Hamburg, Lokstedt zum Herzogtum Holstein und damit zu den dänischen Verwaltungsgebieten, später zu Preußen. Wendt hatte Kenntnis von einem Stein aus dem Jahr 1910, der in der Erde vergraben war. Bei Umbauarbeiten konnte er gesichert werden.

Das Amt ist dankbar

Die Idee, seine Arbeitsergebnisse der Allgemeinheit zugänglich zu machen, sei früh entstanden. „Ich bin an das Denkmalschutzamt herangetreten.“ Dort ist man froh, dass jemand die zeitaufwendige Arbeit ehrenamtlich macht: „Wolf-Rüdiger Wendt hat als ehemaliger städtischer Kollege im Amt für Kataster und Vermessung seinen Beruf zum Hobby gemacht. Er liefert heute wichtige Hinweise über Grenzsteine in der Stadt und arbeitet dabei ehrenamtlich eng und vertrauensvoll mit dem Denkmalschutzamt zusammen. Damit hilft er, unsere Geschichte besser zu verstehen und die Erinnerung an unsere Wurzeln wachzuhalten“, sagt Jana Schiedek, Staatsrätin für Kultur und Medien. Wendt sei ein außergewöhnlich gutes Beispiel für jemanden, der sich für das Gemeinwesen einsetzt. „Dafür danken wir ihm sehr.“

Seine Unterlagen hat Wendt digitalisiert, immer am 1. Dezember schickt er einen USB-Stick mit aktualisierten Daten an das Amt. „Wenn sich jetzt jemand damit befasst, muss er nicht bei Adam und Eva anfangen.“ Der älteste Grenzstein in Hamburg sei von 1596, der jüngste von 1910. Und alle seien sie denkmalgeschützt.

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