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Schleswig-Holstein Wie wird eine Top-Managerin zur Galeristin?
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19:15 17.10.2019
Von Kristiane Backheuer
Voller Einsatz privat und im Beruf: Die Managerin Simone Menne legt sich auch in Kiel voll ins Zeug. Mitten in der Innenstadt hat sie jetzt eine Galerie eröffnet. Quelle: Sven Janssen
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Kiel

Frau Menne, wie kommt eine Managerin dazu, eine Galerie zu eröffnen?

Simone Menne: So ganz offensichtlich ist das nicht – da haben Sie recht. Aber ich probiere gerne neue Dinge aus. Auch in 27 Jahren Lufthansa habe ich regelmäßig die Aufgabe und den Standort gewechselt. Das hält mich wach und erfrischt. Ich mag das Risiko – ungewöhnlich für jemanden der sich mit Finanzen beschäftigt, aber es geht ja darum, das Risiko in den Griff zu bekommen. Hesse sagt: „Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne“ – so fühle ich das auch!

Das klingt nach Abenteuer. Wie gut kennen Sie denn die norddeutsche Kunstszene?

Ja, es ist ein Abenteuer. Aber Kunst war schon immer meine Leidenschaft. Mein Vater war Dreher und Industriemeister. In seiner Freizeit hat er Skulpturen aus Stein und Holz gearbeitet. Als ich nach dem Abi Kunst und Design studieren wollte, riet er mir: „Mach erst mal was Vernünftiges. Malen kannst Du immer noch.“ Ich bin also Autodidaktin. Ich zeichne eher, als dass ich male. Und auch als Galeristin muss ich erst noch lernen. Es gibt Menschen, die mich davon abhalten wollten. Ein brotloses Geschäft sagen sie. Aber ich verstehe etwas von Finanzen, habe schon interessante Künstler für die Ausstellung und baue gerade ein Netzwerk in die Kunstszene auf. Ich möchte unbekannten Künstlern eine Bühne geben. Kunst kann Impulse für Wirtschaft und Gesellschaft setzen – das möchte ich verdeutlichen.

Sie haben in Frankfurt gelebt, in Westafrika, in Paris und London. Nun sind Sie wieder in Schleswig-Holstein. Wie kam’s?

Ich hatte immer einen Koffer in Kiel. Meine Mutter lebt ja noch in Hohenhude, wo ich aufgewachsen bin. Immer wenn ich hier war, hab’ ich mich über die tolle Luft in Kiel gefreut. Kiel hat genau die richtige Größe. Ich kenne hier noch viele Leute, der Großteil meiner Familie lebt hier und hier gibt es eine Kulturszene, die man der Stadt nicht zutraut. Außerdem bin ich in fünf Minuten an der Förde und kann ins Wasser springen. Kiel kam übrigens in einer weltweiten Befragung von jungen Forschern auf einen beachtlichen Platz, hier funktioniert die Balance zwischen anspruchsvoller Arbeit und tollen Freizeitmöglichkeiten.

„Frauen können mehr als Geburtstagskuchen“

Die Top-Managerin Simone Menne ist schon wieder voll und ganz in ihrer alten Heimat angekommen. Gerade hielt sie an der Kieler Fachhochschule am Institut für Wirtschaftsinformatik einen Vortrag über „Frauen können mehr als Geburtstagskuchen“. Kürzlich führte sie fürs Schleswig-Holstein-Magazin ein Politik-Interview. Nun eröffnete sie ihre erste eigene Kunstgalerie in der Alten Feuerwache 13 in Kiel. Nebenbei betreibt die 58-Jährige einen eigenen englischsprachigen Blog, spricht in Talkshows, sitzt in etlichen Aufsichtsräten unter anderem von BMW sowie der Deutschen Post und berät das Bundesfinanzministerium in Kapitalmarktfragen. Das Vernetzen und Anpacken liegt der gebürtigen Kielerin. Nach dem Abitur am Hans-Geiger-Gymnasium machte Simone Menne zunächst eine Ausbildung zur Fachgehilfin in steuer- und wirtschaftsberatenden Berufen, studierte anschließend Betriebswirtschaftslehre an der Uni Kiel. Danach folgten 27 Jahre bei der Lufthansa. Sie war für Europas größte Airline in Lagos in Westafrika, in Paris und London. 2012 wurde sie Finanzchefin und damit der erste weibliche Finanzvorstand eines Dax-30-Konzerns. Eine Karriere, wie sie im Buche steht.

Warum sind Sie überhaupt weg?

Nach dem Studium war mir Kiel zu klein. Ich wollte auch unbedingt ins Ausland. Daher wollte ich zu einem internationalen Unternehmen. Nach drei Jahren bei ITT, einem amerikanischen Konzern, wurde das die Lufthansa.

Und dort sind sie dann die erste Finanzchefin eines Dax-Konzerns geworden. Wie hat Sie das geprägt?

Das war ein ganz wesentlicher, einschneidender Schritt. Es hat mir Türen geöffnet, zu denen ich sonst keinen Zugang gehabt hätte. Zudem hat es mir Spaß gemacht, eine einflussreiche und auch machtvolle Position zu besetzen.

Macht Macht Spaß?

Macht kann etwas sehr Gutes sein, wenn man sie gut benutzt. Sie brauchen Macht, um Dinge zum Positiven zu verändern. Sie müssen nur aufpassen, dass Sie nicht von der Macht korrumpiert werden.

Wäre Ihnen das fast passiert?

Wenn ich zehn Jahre in einem Vorstand gewesen wäre, schließe ich das nicht aus. Man darf nicht zu lange in einer solchen Position sein. Das sehe ich so auch ganz klar in der Politik. Da würde ich mir eine begrenzte Verweildauer wünschen.

Ein Beispiel?

Wenn Politiker wiedergewählt werden wollen, sind sie nicht mutig genug. Sie laufen Gefahr, nur dem vermeintlichen Wählerwillen hinterherzulaufen. Das führt am Ende zu Opportunismus und Populismus. Ein Beispiel ist hier der bayerische Ministerpräsident Markus Söder. Er sprach erst von Asyltourismus und setzte Kreuze in Amtsstuben durch, heute lobt er die europäische Idee und macht eine Politik, die grüner ist als die der Grünen. Wenn ein Politiker wüsste, dass er nur begrenzte Zeit im Amt ist, muss er mit seinem Programm überzeugen und könnte es mutig umsetzen. Das könnte auch dazu führen, dass wir weniger Berufspolitiker und mehr Durchlässigkeit in den Parlamenten sehen.

Käme die Politik für Sie selbst infrage?

Ich bin derzeit schon besorgt und überlege mir, was ich tun könnte. Wenn man sich nicht engagiert, darf man sich auch nicht beschweren. Derzeit gibt es aber keine Partei, in der ich mich vollständig wiederfinde. Eigentlich müssten sich aber gerade Frauen stärker in der Politik einbringen. Im Bundestag ist der Anteil der Frauen rückläufig. Ich sehe immer wieder rein männlich dominierte Herrschaftsbereiche.

Sind sie eine Feministin?

Ja.

Ach.

Mir fällt mehr und mehr auf, dass Frauen manchmal bewusst, manchmal unbewusst durch die männlich geprägte Gesellschaft ausgegrenzt werden.

Da denke ich sofort an das Imagevideo für den Tag der Deutschen Einheit, wo so gut wie keine Frauen vorkommen.

Deshalb sind auch so wenig Frauen in Führungspostionen. Unbewusst denkt man stereotyp an Männer, wenn es um Handeln, Durchsetzen, Zielstrebigkeit geht. Frauen sind eher Schmuckwerk. Die Prägung passiert leider auch durch solche Imagefilme. Sogar bei Zeichentrickfilmen kommen auf eine weibliche Figur vier männliche.

Wie kommen wir da raus?

Wir müssen Frauen in die Politik, in Führung, in Filme bringen. Es muss eine kritische Masse geben, damit es Normalzustand wird und wir nicht mehr in Stereotypen denken. Aber da müssen wir Frauen uns auch an die eigene Nase fassen. Und zum Beispiel aufpassen, wie wir über andere Frauen reden. Und wir selbst müssen uns fragen, warum wir denn nicht mutige Schritte in Politik und Wirtschaft gehen und uns manchmal mit der Rolle im Hintergrund zufriedengeben.

Sie haben gut reden, Sie haben keine Kinder.

Das stimmt. War aber so nicht geplant. Wenn ich Kinder gehabt hätte, hätte ich diese Karriere sicher nicht gemacht. Aber es stimmt nicht, dass Kinder die Karriere behindern – dies zu behaupten ist auch unfair den Kindern gegenüber.

Haben Sie Visionen?

Vielleicht muss man ja nicht in eine Partei gehen, sondern kann auch wirken, wenn man sich in der Wirtschaft oder beim Thema Klima aktiv einbringt. Das habe ich vor. Kiel hat viel zu bieten, unter anderem durch Geomar und innovative Firmen. Die Stadt Ulm zeigt gerade wie eine Klima-Allianz funktioniert. Wir können auch viel von unserer dänischen Partnerstadt Aarhus lernen. Die Dänen sind mutiger in der Umweltpolitik.

Sie sind schon sehr heimatverbunden.

Absolut. Aber man kann auch von der Region bis nach Europa denken. Insbesondere beim Thema Klima. Bestimmte Sachen lassen sich lokal gut umsetzen, andere nur global. Auf der kommunalen Ebene kann Kiel einiges allein tun oder in Städtepartnerschaften. Wir haben alles dazu: Erneuerbare Energie, tolle Forschung, viele engagierte Bürger. Fügt man all diese Puzzleteile zusammen, kann man was ganz Tolles draus machen.

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