Menü
Kieler Nachrichten | Ihre Zeitung aus Kiel
Anmelden
Schleswig-Holstein Klima-Debatte auf glattem Eis
Nachrichten Schleswig-Holstein Klima-Debatte auf glattem Eis
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
21:07 16.08.2019
Von Bodo Stade
Künstliche Eisbahnen gehören inzwischen fest zum winterlichen Stadtbild - wie hier in Kiel. Quelle: Kai Joachim Kokott
Kiel

In Kiel, wo die Ratsversammlung im Mai immerhin den Klimanotstand ausgerufen hatte, lässt die Klima-Debatte die Schlittschuh-Fans relativ kalt. „Seit der Überdachung der Bahn ist die Eisqualität exzellent und der Stromverbrauch wurde signifikant gesenkt“, sagt Johannes Hesse vom Veranstalter Kiel-Marketing. Und: „In dieser hohen Qualität und großen Reichweite für die Bevölkerung gibt es in der zweimonatigen Betriebszeit im Winter keine Alternative.“ Das Stadtwerke Eisfestival sei seit 20 Jahren Kiels einzig planbare Wintersportaktivität für mehr als 60.000 Menschen. Kunststoffeisbahnen teste man seit zehn Jahren – aber weder Qualität noch Umweltverträglichkeit überzeugten. Schließlich entstehe ein hoher Abrieb von Mikroplastik.

Selbst die Kieler Grünen wollen kein Verbot

Selbst die Grünen-Ratsfraktion ist einverstanden: Von Verboten für Freizeitangebote sei wenig zu halten, wenn der Strom aus regenerativen Quellen komme, so der umweltpolitische Sprecher Arne Stenger. „Wie schon in diesem Jahr die Kieler Woche versorgen wir das Eisfestival aus regionaler Windkraft – also 100 Prozent Ökostrom“, erklärt Stadtwerke-Sprecher Sönke Schuster. 90.000 Kilowattstunden würden in zwei Monaten Eisfestival verbraucht.

Rendsburger Weihnachtsmarkt ohne Eisbahn "undenkbar"

In Rendsburg klingt es ähnlich. „Der Rendsburger Weihnachtsmarkt ohne Eisbahn ist undenkbar“, meint Kenneth Clausen, Leiter von Vertrieb und Marketing bei den Stadtwerken. Nach Clausens Angaben ist der Stromverbrauch seit 2011 von rund 60.000 auf gut 30.000 Kilowattstunden im vergangenen Jahr gesunken – das ist so viel wie zehn Einfamilienhäuser in zwölf Monaten verbrauchen. Ein Weihnachtsmarkt ohne Eisbahn „wäre schade“, findet Anke Samson, Geschäftsführerin von RD Marketing, dem Veranstalter des Weihnachtsmarktes. Denn: „Die Kinder lernen nur noch da Schlittschuh laufen. Die Seen frieren kaum noch zu angesichts von milden Temperaturen im Winter.“

In Eckernförde ist man dagegen skeptisch. Eine Eisbahn für den Weihnachtsmarkt war in den vergangenen Jahren zwar immer wieder im Gespräch, es fehlte jedoch ein geeigneter Standort. Laut Tourismusmanager Stefan Borgmann bleiben die Pläne weiter in der Schublade, nicht zuletzt wegen des hohen Energieverbrauchs.

Damp stimmte gegen die Eislaufbahn

Einige Kilometer weiter in Damp stimmten die Gemeindevertreter erst im Mai dagegen, zu Weihnachten erneut eine Eislauffläche zu installieren. Die Erfahrungen von 2017 und 2018 führten dazu, dass das Angebot aus Kostengründen abgeschafft wurde. Denn in beiden Jahren war ein Defizit von mehr als 130000 Euro aufgelaufen.

Lütjenburg rechnet mit neuer Klima-Debatte

Die Eisbahn auf dem Marktplatz in Lütjenburg war seit 2012 ein Anziehungspunkt in der Region. In diesem Winter fällt das Schittschuh-Vergnügen aus. Nach Kontroversen über die Öffnungszeiten beendete der Betreiber seine Zusammenarbeit mit der Stadt. Diskussionen über den großen Stromverbrauch der Anlage gab es hingegen nicht.

Bürgermeister Dirk Sohn rechnet angesichts der wachsenden Aufmerksamkeit für Klimaschutz allerdings damit, dass sich das ändern könnte. Wenn man es ernst meine mit dem Klimaschutz, müsse man auch im Kleinen anfangen. Das könnte heißen: Verzicht. Die Eisbahn in Lütjenburg war zuletzt die einzige im Kreis Plön. Ein Jahr lang gab es eine in Preetz, die aber fuhr Defizite ein.

In Neumünster wird unterdessen weiter über Kunststoff-Platten als Alternative diskutiert. Die Stadtverwaltung ist davon nicht begeistert. „Das Thema hat uns vor Jahren schon einmal beschäftigt. Wir haben uns solche Bahnen aus Kunststoff angesehen und davon Abstand genommen. In Neumünster wollen wir beim richtigen Eis bleiben“, sagt Thorben Pries, Büroleiter des Oberbürgermeisters. Für diesen Winter ist erstmals ein richtiges Dach über der Eisbahn geplant.

Der Profi sagt: Kunststoffbahnen sind kein Ersatz

Deutschlands Eisbahn-Fachmann Nummer 1, Thomas Hein, Geschäftsführer von Interevent aus Dorsten, sagt es so: „Auf diesen Kunststoffplatten können Sie alles machen, nur nicht Schlittschuh laufen.“ Seine Firma beliefert Städte in ganz Deutschland mit „richtigen“ Eisbahnen. Es sei extrem anstrengend, auf Kunststoff Schlittschuh zu laufen. „Und durch die kratzenden Kufen setzen die Bahnen Kunststoff-Partikel frei.“ Mikroplastik also. Auch ein Problem.

Für eine bessere Kindertagsbetreuung erhält Schleswig-Holstein bis 2022 etwa 191 Millionen Euro vom Bund. Darüber schlossen nun Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD), Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) und Familienminister Heiner Garg (FDP) in Kiel einen Vertrag zum neuen Kita-Gesetz.

Gunnar Müller 16.08.2019

Ein Amateurfunker aus Schleswig-Holstein hat ein spektakuläres Foto einer Sonnenfinsternis aus der Mondperspektive veröffentlicht, das von einem chinesischen Satelliten gemacht wurde.

16.08.2019

In einem Rechtsstreit um die Erhebung sogenannter wiederkehrender Beiträge für den Straßenausbau hat das Oberverwaltungsgericht klagenden Bürgern aus Oersdorf im Kreis Segeberg Recht gegeben.

16.08.2019