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Schleswig-Holstein So helfen Freiwillige in der Pandemie am UKSH Kiel
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So helfen Freiwillige in der Corona-Pandemie am UKSH Kiel helfen

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12:08 17.12.2021
Von Jördis Früchtenicht
Am UKSH in Kiel unterstützen Freiwillige das feste Personal in der Corona Pandemie, zu ihnen gehören die Medizinstudierenden (von links) Patricia Ettler, Tilman Stegner und Caroline Sommer.
Am UKSH in Kiel unterstützen Freiwillige das feste Personal in der Corona Pandemie, zu ihnen gehören die Medizinstudierenden (von links) Patricia Ettler, Tilman Stegner und Caroline Sommer. Quelle: Ulf Dahl
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Kiel

Wenn Patricia Ettler zu ihrem Einsatz ins Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH) kommt, dann behält sie die EKG-Werte von rund 40 Patientinnen und Patienten an vier Bildschirmen im Blick. Es ist eine Aufgabe, für die eigentlich eine Pflegekraft abgestellt wäre, die die 24-Jährige, die Medizin im zehnten Semester studiert, aber übernehmen kann. So bleibt den Pflegekräften mehr Zeit für die Arbeit direkt mit den Erkrankten. Ettler ist eine von mehreren hundert Freiwilligen, die in der Pandemie das feste UKSH-Personal unterstützen.

Wie die Krankenhäuser in Deutschland insgesamt ist die Uniklinik und vor allem sein Personal durch die Pandemie stark gefordert. Helfen sollen daher Freiwillige mit medizinischem Hintergrund. Das Uniklinikum hat unter www.uksh.de/helfen sogar eine Online-Plattform geschaffen, auf der sich mögliche Freiwillige registrieren könnten – auch jetzt noch. Laut UKSH waren im dritten Quartal dieses Jahres 2800 Menschen in der Datenbank registriert, von denen 591 Personen in Kiel und Lübeck im Einsatz waren.

140 Medizinstudierende helfen am UKSH in Kiel

Unter ihnen sind viele Medizinstudierende wie Etttler, die je nachdem, wie viel Zeit sie erübrigen können, einen Minijob haben oder auch in Teilzeit am UKSH arbeiten. Die Koordination von rund 140 Medizinstudierenden, die am UKSH in Kiel im Einsatz sind, wird von einem fünfköpfigen studentisches Team übernommen, wie Tilmann Stegner berichtet. Der 28-Jährige gehört dem Team selbst an.

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Neben geplanten Schichten auf den Stationen kämen viele kurzfristige Anfragen hinzu. „Da geht es dann zum Beispiel um unruhige Patienten, die mit einer Sitzwache begleitet werden müssen. Oder auf einer Station ist mehr Bedarf, weil isolationspflichtige Patienten hinzugekommen sind“, erklärt Stegner.

Ob sie mit Corona-Patienten arbeiten, entscheiden die Studierenden selbst

Ob die Studierenden auf einer Station mit Covid-Erkrankten arbeiten oder nicht, könnten sie selbst entscheiden. „Denn jeder bringt sein eigenes Risiko mit“, so Stegner.

Ettler, die die EKG-Werte für drei Stationen im Blick behält, tut dies von der Inneren Intensivstation aus, auf der auch Patientinnen und Patienten mit Covid-19 liegen. Zu diesen hat sie aber keinen Kontakt. Bei Bedarf ist sie auch abseits der Bildschirmüberwachung im Einsatz. „Wenn Not am Mann ist, dann helfe ich auch in der Pflege.“ Sie unterstütze dann etwa beim Lagern oder reiche Essen an.

Mit Menschen auf einer Intensivstation hat auch Caroline Sommer (29) zu tun – allerdings abseits von Corona. Auf der Station C112/113 liegen Patientinnen und Patienten mit besonders schweren Herzerkrankungen. Hier hilft Sommer den Pflegerinnen und Pflegern.

„Es ist kein Wunder, dass die Intensivpflege eine Extra-Ausbildung ist“, so Sommer. Die Pflegekräfte müssten noch mehr Verantwortung übernehmen, als der Beruf ohnehin mit sich bringe. Und Ettler ergänzt: „Vieles muss auf der Intensivstation sehr zügig geschehen. Das ist noch einmal eine andere Nummer.“

Einsatz am UKSH: Medizinstudierende froh über die Praxiserfahrung

Sommer, Ettler und auch Stegner, der vor seinem Einsatz im Organisationsteam selbst auf den Stationen geholfen hat, sind alle froh über die Praxiserfahrung, die sie im UKSH sammeln können. „Die Arbeit auf der Station ist wahnsinnig lehrreich, die Pflegekräfte können viel erzählen“, berichtet Sommer, die im neunten Semester Medizin studiert. Der Stationsalltag sei etwas völlig anderes als die Vorlesungen. Stegner ergänzt: „Praxiserfahrung zu sammeln ist in der Pandemie sonst schwierig geworden.“

Laut Stegner, der seit 2020 am UKSH arbeitet, hat der Bedarf an Unterstützung durch die Freiwilligen zugenommen. Das könne aber vielerlei Gründe haben. So sei vielleicht die Belastung auf den Stationen höher, vielleicht das Angebot am UKSH aber auch etablierter. Es kommen auf jeden Fall neue Unterstützung hinzu, berichtet Stegner: 15 weitere Studierende sollen kurzfristig an der Uniklinik anfangen.

KN-online (Kieler Nachrichten) 28.12.2021
Daniela Weichselgartner 17.12.2021