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Schleswig-Holstein Züge für 220 Mio.€ sind Risiko für viele
Nachrichten Schleswig-Holstein Züge für 220 Mio.€ sind Risiko für viele
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20:52 21.11.2019
Von Heike Stüben
Neue Züge für Schleswig-Holstein? Klingt gut. Doch wie behindertengerech sind die Wagen?  Quelle: Gregor Fischer
Kiel

Die DB Regio AG will für 220 Millionen Euro 18 neue Doppelstockzüge für den Regionalverkehr in Schleswig-Holstein anschaffen. Sie sollen unter anderem ab 2022 auf der Strecke LübeckHamburg eingesetzt werden. Über die Nachricht hatten sich auch viele Menschen mit Bewegungseinschränkungen gefreut. Denn mit der Barrierefreiheit bei Zügen und Bahnhöfen gibt es nach wie vor massive Probleme.

Die Hoffnung, dass das Thema mit den neuen Zügen ad acta gelegt werden kann, war groß. Doch beim Studium der Details trat Ernüchterung ein.

Der Einstieg kann zur Falle werden

Wo bei den neuen Zügen vom Modell KISS der Firma Stadler der Haken ist, erklärt Kay Macquarrie vom Sozialverband Schleswig-Holstein SoVD so: „Wer als Rollstuhlfahrer in den Zug hinein und dann weiter zu den Rolli-Plätzen will, muss drei Rampen überqueren. Alle mit einer Steigung von 15 Prozent.“

Das sei extrem steil und mache die ganze Sache "richtig gefährlich" - nicht nur für Rollstuhlfahrer, auch für Fahrgäste mit Rollator, blinde oder sehbehinderte Fahrgäste, Eltern mit Kinderwagen und Fahrgäste mit schwerem Gepäck. "Da kann der Einstiegsbereich zur Falle werden", warnt Heike Witsch vom Bundesverband Selbsthilfe Körperbehinderter e.V. (BSK).

Bei NAH.SH, für den Nahverkehr in Schleswig-Holstein verantwortlich, betont Sprecher Dennis Fiedel, Steigung und Gefälle der Rampen seien noch durch die EU-Norm gedeckt und erfülle damit die Vorgaben für Barrieriefreiheit. "Bei Doppelstöckigen Triebwagen gibt es immer das Problem, dass ein Teil des Zuges unterhalb und ein Teil oberhalb des Bahnsteigs liegt. Auf relativ kleiner Fläche müssen diese Höhenunterschiede überwindbar sein. Das geht nur mit solchen Rampen." 

Wendefläche zu klein

Doch nicht nur an den Rampen entzündet sich die Kritik. Zwischen den beiden Rampen ist eine Wendefläche mit einem Durchmesser von 117 Zentimetern vorgesehen. Das Gesetz fordert mindestens 150 Zentimeter. „Wer schon einmal selbst ausprobiert hat, mit einem größeren Rollstuhl zu wenden, sieht gleich: Das ist viel zu eng“, sagt Heike Witsch. Dennis Fiedel von NAH.SH erklärt, das der Hersteller der neuen Züge davon ausgeht, dass die 1,50 Meter-Vorgabe nicht für diese Fläche gelte. "Das wird jetzt aber noch einmal geprüft." Grundsätzlich liege NAH.SH daran, dass die Züge auch von Menschen mit Beeinträchtigungen nutzbar seien. "Wenn die neuen Triebwaren in den Augen dieser Nutzer die Anforderungen  nicht erfüllen, ist das sehr misslich."

Landesregierung soll Schildbürgerstreich beenden

Alfred Bornhalm aus dem geschäftsführenden Landesvorstand des SoVD Schleswig-Holstein reicht das nicht. „Schleswig-Holstein ist wie alle Bundesländer gesetzlich verpflichtet, den kompletten ÖPNV bis 2022 barrierefrei aufzustellen. Wie kann es sein, dass genau dann 18 neue Züge angeschafft werden, die nicht barrierefrei sind? Das ist doch ein Schildbürgerstreich.“

Der SoVD will die Sache deshalb nicht auf sich beruhen lassen. Bornhalm weiter: „Die Landesregierung muss hier eingreifen. Es kann nicht sein, dass zum jetzigen Zeitpunkt solch eine Investition getätigt wird, die derart gegen die UN-Behindertenrechtskonvention verstößt.“ Nach der muss der Öffentliche Personennahverkehr von Menschen mit Behinderung auch ohne fremde Hilfe genutzt werden können.

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