Spargelsaison in Schleswig-Holstein nimmt langsam Fahrt auf
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Spargelsaison in Schleswig-Holstein nimmt langsam Fahrt auf

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13:48 24.04.2021
Von Jördis Merle Früchtenicht
Auf dem Kieler Wochenmarkt auf dem Exerzierplatz wird der Spargel von Monika Reimers bereits nachgefragt.
Auf dem Kieler Wochenmarkt auf dem Exerzierplatz wird der Spargel von Monika Reimers bereits nachgefragt. Quelle: Frank Peter
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„Bei uns wird der Spargel an einem Tag gestochen und am nächsten auf dem Markt verkauft“, sagt Monika Reimers, deren Hof in Padenstedt bei Neumünster liegt. Auch wenn es die ersten Stangen Mitte April gab, sei es im Moment noch zu kalt. „Der Spargel braucht nachts zehn bis zwölf Grad. Es dauert also noch ein bisschen, bis es richtig losgeht.“ Dennoch sei der Preis bei ihnen schon von 16,90 Euro auf 14,90 Euro pro Kilo gesunken. Neben der erstklassigen Ware hat sie schief gewachsene Stangen ebenso dabei wie Spargelbruch und -spitzen. Das gehe nur in der Direktvermarktung, so Reimers.

Laut Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein startet ein Großteil der Betriebe in diesem Jahr Mitte bis Ende April in die Saison, auch wenn der erste heimische Spargel bereits Anfang des Monats geerntet wurde. Ab Mitte Mai laufe es dann richtig, erklärt Sprecherin Daniela Rixen. Die Kammer rechnet mit guter Erntequalität- „Durch den kräftigen Frost über einen längeren Zeitraum erhielt der Spargel einen besonderen Kältereiz.“

Für die Spargelernte in SH braucht es rund 1000 Erntekräfte

Das Gemüse wird in Schleswig-Holstein auf rund 400 Hektar angebaut. Dafür braucht es laut Landwirtschaftskammer etwa 1000 gelernte Erntekräfte – Sortieren, Logistik und Transport sowie Verkauf noch nicht mitgerechnet. Für diese gelten auch in diesem Jahr Corona-Reglen. Auf die Maßnahmen hätten sich die Betriebe inzwischen gut eingestellt, sagt Rixen. "Vor einem Jahr war die Situation dramatischer, als es für die Erntehelferinnen und -helfer zeitweise Einreiseverbote gab.“

Im Betrieb von Monika Reimers spielen die nötigen Maßnahmen bei der Kostenkalkulation durchaus eine Rolle: „Pro Zimmer dürfen nur zwei Leute untergebracht werden. Wir haben ein altes Bauernhaus mit teils 30 Quadratmeter großen Zimmern. Sonst sind da vier bis fünf Menschen untergebracht“, so Reimers. Auch hätten sie zusätzliche Waschcontainer aufstellen müssen, um die Hygieneregeln einzuhalten.

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Er habe keine Probleme mit der Unterkunft für die Erntekräfte, sagt hingegen Thore Carstens (33), der seinen Spargel vom Alps Hof im niedersächsischen Walsrode auch auf dem Kieler Wochenmarkt verkauft. „Wir haben bereits vernünftige Unterkünfte, ich will aber noch sogenannte Low-Cost-Häuser bauen. Der bürokratische Aufwand beim Bauen ist allerdings hoch.“ Carstens verkauft den dritten Sonnabend in Folge seinen Spargel auf dem Exerzierplatz. „Die Nachfrage ist definitiv da.“

Spargel gibt es auf dem Kieler Wochenmarkt bereits an einigen Ständen, vor allem bei solchen mit einem breiteren Obst- und Gemüseangebot. So etwa auch beim Stand von Thomas Menzel (56) aus Melsdorf, der das Gemüse aus der Lüneburger Heide bezieht. „Viele Kundinnen und Kunden sind aber noch zurückhaltend“, so der Händler.

Nachfrage nach Spargel wird unterschiedlich bewertet

Gemischt ist das Fazit nach den ersten Wochen mit deutschem Spargel auch in Supermärkten. Beim Schlemmer-Markt Freund kommt der Spargel aktuell aus Süddeutschland. Der Verkauf laufe sehr gut, sagt Inhaber Marten Freund. „Das Wetter lädt zum Spargelessen ein.“ Er rechnet damit, am Freitag und Sonnabend insgesamt rund 400 bis 500 Kilo des Gemüses zu verkaufen.

„Für uns startet die Spargelsaison gerade erst“, erklärt hingegen Bärbel Hammer vom Unternehmen Bartels-Langness, zu dem Famila und Markant gehören. Zwar habe es bereits vor Ostern den ersten deutschen Spargel in den Läden gegeben, aber bislang sei die Nachfrage noch verhalten. „Das wird sich aber schnell ändern, wenn der Spargel günstiger wird.“

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Auf dem Wochenmarkt freuen sich die Kundinnen und Kunden bereits über den Saisonbeginn. „Ich esse den Spargel in allen Varianten“, sagt etwa Yvonne Schubert (45). Mit Blick auf die momentan noch etwas höheren Preise erklärt sie: „Wir geben so viel Geld für irgendwelchen Blödsinn aus.“ Sie gebe stattdessen lieber etwas mehr Geld für ihr Essen aus. Ihre Begleiterin Martina Marlow (49) ergänzt: „Wenn der Spargel gut ist, ist er den Preis Wert.“ Auch Bernd Hipp (64) hat Verständnis für die Preise. Er hat bereits das zweite Mal bei dem Edelgemüse zugegriffen. „Es ist Frühling, da gehört der Spargel einfach dazu.“

24.04.2021
Oliver Stenzel 24.04.2021