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Schleswig-Holstein Frust und Freude in Deponie-Standorten
Nachrichten Schleswig-Holstein Frust und Freude in Deponie-Standorten
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19:30 09.09.2019
Von Ulf Billmayer-Christen
Laut Umweltminister Albrecht kommen noch vier der ursprünglich sieben Deponie-Standorte für die Ablagerung von freigemessenen AKW-Abfällen etwa aus Brunsbüttel (Foto) infrage, darunter Johannistal an der Ostsee. Quelle: Carsten Rehder/dpa
Kiel

Laut Umweltminister Albrecht kommen noch vier der ursprünglich sieben Deponie-Standorte für die Ablagerung von freigemessenen AKW-Abfällen infrage, darunter Johannistal an der Ostsee. „Oh Gott, eine Ablagerung auf der Deponie Johannistal wäre eine Katastrophe“, sagte Martin Gabbey, der nahe des Entsorgungsbetriebs einen Campingplatz betreibt. Er fürchtet Gästeschwund. Die Bürgerinitiative in Harrislee, hatte zwar damit gerechnet, dass die Deponie nahe der dänischen Grenze nicht aussortiert wird. Sprecherin Angela Wolff ist aber sauer, weil Albrecht „machbare Alternativen“ zu einer Deponierung nicht ordentlich geprüft habe.

Bis zu 50.000 Tonnen Abfälle

Die Eignung und die nötige Kapazität zur Aufnahme Abriss-Abfälle haben laut Albrecht auch die Deponien Niemark (Lübeck) und Wiershop (bei Geesthacht). Atomexperten gehen davon aus, dass Abfälle aus dem Rückbau des Meilers Krümmel vielleicht in Wiershop deponiert werden könnten. Der Deponie-Betreiber soll aber klar gestellt haben, dass er keine Abfälle aus den Reaktoren Brunsbüttel und Brokdorf aufnehmen werde. Beim Rückbau der drei Reaktoren dürften in den nächsten 20 Jahren bis zu 50.000 Tonnen Abfälle anfallen, die für ein Recycling zu stark und für eine Endlagerung zu schwach strahlen.

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Anders ist die Reaktion in Achterwehr (Deponie Schönwohld), das wie die Deponien Damsdorf und Großenaspe im Kreis Segeberg wegen Platzmangel nicht mehr infrage kommen. „Wir freuen uns natürlich“, sagte BI-Sprecher Jörg Stoeckicht. Die Bürgerinitiative werde aber solidarisch mit anderen BIs gegen die Deponierung von AKW-Müll streiten. In Schönwohld liegen bereits zahlreiche AKW-Abfälle aus den vergangenen Jahrzehnten. Das bestätigte Albrecht erstmals öffentlich. Inzwischen hat die Stadt Kiel die Ablagerung solchen Materials per Satzung ausgeschlossen.

Interaktive Karte: Hier liegen die Deponien

Bundes-Atomrecht ohne Abstriche 

Albrecht bekannte sich ohne Abstriche zum umstrittenen Bundes-Atomrecht. Demnach dürfen Abfallchargen deponiert werden, wenn die Strahlendosis für Anwohner den Wert von zehn Mikrosievert pro Jahr nicht übersteigt. „Die Grenzwerte sind weit von dem entfernt, was gesundheitsgefährdend ist.“ Wer Nüsse esse oder fliege, der bekäme auch Strahlung ab. Zum Vergleich: Ein Flug von Frankfurt nach New York und zurück bringt eine Durchschnittsdosis von 100 Mikrosievert.

Kritik kam vom BUND. Das Zehn-Mikrosievert-Konzept sei nicht mehr zeitgemäß, sagte Vorstandsmitglied Rainer Guschel. „Es muss oberste Priorität bei der Auswahl von Standorten sein, dass die Strahlenbelastung so gering wie möglich ist.“ Hier müsse Albrecht nachbessern.

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