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Schleswig-Holstein So blickt Ralf Stegner auf seine Zeit als Nord-SPD-Chef zurück
Nachrichten Schleswig-Holstein So blickt Ralf Stegner auf seine Zeit als Nord-SPD-Chef zurück
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10:33 28.02.2019
Ralf Stegner hört am 30. März 2019 als Chef der Nord-SPD auf. Quelle: Markus Scholz/dpa
Kiel

Neumünster, 24. März 2007: Ein notorischer Fliegenträger wird mit fast 90 Prozent SPD-Vorsitzender in Schleswig-Holstein. Norderstedt, 30. März 2019: Das war's für Ralf Stegner in diesem Amt. Auf die Fliege verzichtet der schneidige Polarisierer längst, nun gibt er auf, was ihm so ans Herz gewachsen ist. „Das fällt schon schwer, denn mit diesem Amt habe ich mich sehr, sehr identifiziert“, sagt Stegner vier Wochen vor dem Wechsel an der Landesparteispitze. „Im Kopf ist der Abschied verarbeitet, aber bin ja nicht nur Kopfmensch. Ich habe ein sehr emotionales Verhältnis zu meiner Partei.“ Er sei mit Herz und Leidenschaft dabei. „Insofern wird mir schon etwas schwummrig werden.“

Landtagsfraktionsvize Serpil Midyatli steht als Nachfolgerin bereit. „Natürlich wusste ich, dass sie kandidieren wird - ich habe sie auch dazu ermuntert“, sagt Stegner zu ihrer Bewerbungsankündigung vom August 2018. „Manche sagen, wir hätten das miteinander ausgekungelt, Andere sagen, sie habe mich reingelegt - beides ist falsch.“ Politisch stimme er mit Midyatli (43) fast zu 100 Prozent überein, und es sei überfällig, dass eine Frau Vorsitzende wird. Für sich habe er schon Monate vorher entschieden, nicht wieder anzutreten.

Ralf Stegner macht mit einer Werbung für einen Friseursalon Schlagzeilen. So veränderte sich sein Haarschnitt im Laufe der Jahre.

„Habe viele Freunde, aber auch viele Gegner“

„Ich konnte mir nie vorstellen, einer anderen Partei anzugehören“, sagt Stegner. Dass ihn dort nicht alle mögen, weiß er auch: „Ich habe viele gute Freunde, aber auch viele verlässliche Gegner.“ Nach zwölf Jahren sei ein Wechsel gut. Nur sein politischer Ziehvater Günther Jansen war in den vergangenen 100 Jahren so lange SPD-Landesvorsitzender.

Der multiaktive Stegner, ein umtriebiger Interview-Geber, eifriger Twitterer und Vielleser, kommt oft mit vier Stunden Schlaf über die Runden. Daran wird sich nicht viel ändern. Er will im Herbst wieder Fraktionschef in Kiel werden und Gerüchte sagen, er wolle in den Bundestag. Dazu kommt eine lange, vielleicht vielsagende Antwort.

Stegner blickt auf seine SPD-Zeit zurück

„Mein Amt als SPD-Bundesvize nehme ich mit großer Intensität wahr“, sagt Stegner. „Ich bin sehr viel unterwegs zwischen Bayern und Ostfriesland, dem Saarland und Sachsen.“ Bald werde er zur Labour Partei und nach Moskau fahren, Beziehungen in die USA pflege er auch. Mit Konzepten zu Steuerpolitik, Daseinsvorsorge, Friedenspolitik und Gerechtigkeitsfragen habe sich die Nord-SPD schon früher intensiv in die Bundespartei eingebracht - und das werde sie mit ihm auch weiter tun. Stegner gibt sich tatendurstig: „Ich bin 59 und fühle mich fit.“

„Es war ein Auf und Ab mit Erfolgen und Misserfolgen“, sagt er im Rückblick. Als er den SPD-Landesvorsitz übernahm, war Stegner als Innenminister im Kabinett von Peter Harry Carstensen (CDU) die Reizfigur der CDU. 2007 entzündete sich an ihm eine schwere Koalitionskrise. Der CDU-Forderung, aus dem Kabinett auszuscheiden, sperrte sich der kantige Sozialdemokrat vehement. Dann musste er sich doch beugen, um die Koalition zu retten. Schließlich bewegte er den sich anfangs sträubenden Fraktionschef Lothar Hay zum Ämtertausch.

Größter Schock: Heide Simonis scheitert

Den Koalitionsbruch 2009 und die folgende Niederlage bei der Landtagswahl überstand Stegner. Die Klatsche gegen den späteren Regierungschef Torsten Albig im Rennen um die Spitzenkandidatur für 2012 auch. Aber den Niederlagen zur Landtags- und Bundestagswahl 2017 sowie zur Kommunalwahl 2018 folgten erste Rückzugsforderungen Stegner-müder Genossen. Dann verkündete Midyatli ihre Bewerbung.

Den größten Schock hatte Stegner noch als Finanzminister erlebt: Die gescheiterte Wiederwahl von Heide Simonis 2005. „In der dann folgenden ungeliebten Koalition mit der CDU gab ich dann den Counterpart zu Herrn Carstensen in einer Form, dass die SPD nicht ihr Profil verlor. Dafür habe ich einen hohen Preis bezahlt.“ Dass die SPD nach der Neuwahl 2012 wieder ans Regierungsruder kam, hat für Stegner auch damit zu tun, dass sie ihr Profil bewahrt hatte. „Niederlagen prägen einen auch, aber ich habe versucht, Gutes daraus zu machen, nicht zu verzagen, sondern daraus zu lernen.“

„Bin freundlicher als manche glauben“

Parteiämter könne er besser als solche, in denen auch ein Stück Überparteilichkeit und öffentlich zelebrierte Liebenswürdigkeit erwartet wird, sagt der Mann, der im Fernsehen oft grimmig wirkt. Wenn er sich konzentriere, könne er nicht freundlich in die Kameras lächeln. Den Laden zusammenzuhalten und zu arbeiten, liege ihm weit mehr. „Ich glaube aber, ich bin freundlicher als manche glauben.“

Für Ministerpräsident Daniel Günther ist Stegner ein scharfzüngiger Mann, der ein klares Profil für seine Partei vertritt. „Er ist sehr standfest, scheut keine Debatte und keine Auseinandersetzung“, sagt der CDU-Politiker. „Mit diesen Eigenschaften steht er sich manchmal auch selbst im Weg.“ In vielen Punkten könne man sich auf Stegner verlassen. „Zwischen uns als Fraktions- und Landesvorsitzenden waren immer vertrauliche Gespräche möglich, aus denen nichts rausgegangen ist - das ist schon ein Wert an sich in der Politik.“

Mit seinen Niederlagen hadere er nicht, sagt Stegner, aber mit dem Simonis-Schock von 2005. „Es wäre alles anders gelaufen – mit ihr gab's die Verabredung, dass sie noch die Bundesratspräsidentschaft macht und ich danach ihre Nachfolge antrete.“ Und: Völlig zu Unrecht sei er als der entscheidende Abweichler verdächtigt worden.

dpa

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