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Schleswig-Holstein Rettungsschwimmern fehlt der Nachwuchs
Nachrichten Schleswig-Holstein Rettungsschwimmern fehlt der Nachwuchs
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08:33 22.07.2019
Von Niklas Wieczorek
Vom Falckensteiner Strand aus wird der ständige Rettungseinsatz an der Kieler Förde geleitet: Thomas Garske hat mit dem Feldstecher alles im Blick. Quelle: Frank Peter
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Kiel

Sie wachen, damit Strandbesucher ihre Zeit genießen können. 31 Retter sind für die Wasserwacht während der Saison täglich an fünf Stränden um Kiel im Einsatz. Sie versuchen, jeden Notfall zu vermeiden, bevor er überhaupt entsteht – und greifen schnell ein. Doch es fehlen immer mehr Freiwillige.

Jana-Elena Clausen (26) und Thomas Garske (27) haben die Lage auf dem Hauptturm am Falckensteiner Strand in Kiel-Friedrichsort im Griff. Zwei Ferngläser, Funkgeräte und ihre Aufmerksamkeit, das sind die Zutaten, mit denen sie für Sicherheit sorgen.

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Leben retten an der Kieler Förde

Wenn in dieser Woche die Temperaturen wieder ansteigen, werden allein an diesem Strand noch zwei Retter stetig am Motorboot bereit sein herauszufahren, und fünf bis sechs in der Station der Wasserwacht warten, die am Weg hinter dem Strand das Basislager für die Wasserwachtler darstellt.

Jeden Tag schwärmen sie an die fünf Strände der Kieler Förde (neben Falckenstein noch Schilksee, Strande, Laboe und Heikendorf) aus. Manche von ihnen bleiben wochenlang, andere einen Tag. Unter der Einsatzleitung der Wasserwacht des Deutschen Roten Kreuzes aus Friedrichsort greifen mittlerweile auch Schwimmer der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) ins Geschehen ein.

Ehrenamt erlebt einen Einbruch

Die beiden Organisationen konkurrieren vielleicht um Ausschreibungen der lokalen Strandaufsichten – "aber DLRG und Wasserwacht duellieren sich nicht", beschreibt Clausen. "Wir haben ja das gleiche Ziel." Und das heißt: Leben retten und Retter rekrutieren.

Der Falckensteiner Strand in Kiel-Friedrichsort ist die Basis der Wasserwacht-Rettungsschwimmer in Kiel.

Und damit haben sie – wie so viele freiwillige Retter – zu kämpfen: "Die Ehrenamtsschiene hat einen Einbruch", sagt Garske bedauernd. Auch dank der personell starken Kieler Wasserwacht seien selbstverständlich in der Saison alle Posten besetzt.

Auch Sanitäter sind an der Ostsee im Einsatz

Kein Badegast muss sich sorgen. Aber es werden Nachwuchskräfte und andere Freiwillige dringend gesucht: So sind bei den Landtruppen der Wasserwacht inzwischen auch vermehrt Sanitäter im Einsatz, die keine Rettungsschwimmer sind. "Früher war vieles ein Selbstläufer", sagt Garske, "wir erreichen noch immer unser Ziel. Aber es wird immer schwieriger."

"In der Hauptferienzeit müssen wir teils sogar Bewerbern absagen, weil keine passenden freien Stellen mehr besetzt werden können", bekräftigt auch DLRG-Landesgeschäftsführer Thies Wolfshagen.

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Außerhalb der Ferien und in der Vorsaison sei es dagegen schwieriger: Clausen und Garske von der Wasserwacht berichten von Absagen, weil Jugendlichen in der Pubertät oder Studenten die Lust oder Möglichkeit für den Einsatz verlieren. Auch Arbeitgeber begrüßten das Engagement nicht immer. Dabei sind die beiden ein exzellentes Beispiel, wie hoch die Motivation sein kann.

Die Retter kommen aus ganz Deutschland

Jana-Elena Clausen (26) und Thomas Garske (27) kommen aus Kiel, Clausen arbeitet mittlerweile aber als tiergestützte Pädagogin in Wentorf bei Hamburg – doch am Wochenende wacht sie am Falckensteiner Strand. Und Garske? Der ist Bundespolizist in Ausbildung und derzeit in Neu-Ulm. Aber seinen Jahresurlaub verbringt er hier.

Und sie schwärmen von ihrem Dienst: Aus ganz Deutschland kommen die Retter – 2019 viele aus Brandenburg, Thüringen oder Hessen. Die meisten schlafen sogar im Stationsgebäude am Strand oder im Awo-Haus darüber. Und bevor der Aufbau um 8 Uhr beginnt, wird stilecht mit "Baywatch"-Musik geweckt, sagt Garske schmunzelnd.

Rettungsschwimmer in Schleswig-Holstein

Diesen Aufwand betreiben Rettungsschwimmer in Schleswig-Holstein

An den Stränden in Schleswig-Holstein sorgen die Retter der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) und der Wasserwacht des Deutschen Roten Kreuzes für Sicherheit:

Die DLRG betreibt ein Netz aus etwa 50 Stationen an Nord- und Ostsee, die über den Zentralen Wasserrettungsdienst Küste koordiniert werden. Dort sind täglich insgesamt etwa 460 Retter im Einsatz – rund 3000 sind es über den gesamten Sommer verteilt, die aus den unterschiedlichsten Regionen Deutschlands in den Norden kommen, um hier als Rettungsschwimmer aktiv zu sein.

Die Wasserwacht betreut als Hauptstandorte die Strände in Kiel, Lübeck-Travemünde (Priwall) und auf Sylt. Sie stellen insgesamt 60 Retter täglich, über die gesamte Sommersaison sind es rund 950, die ebenfalls aus dem gesamten Bundesgebiet in den Norden reisen. Die Retter verrichten ihren Dienst ehrenamtlich, erhalten lediglich eine geringe Aufwandsentschädigung.

Besondere Herausforderungen sind teilweise abnehmende Schwimmfähigkeiten bei Kindern oder auch die Risikogruppe Flüchtlinge, heißt es von der DLRG.

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