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Schleswig-Holstein Sollen Patienten für Globuli zahlen?
Nachrichten Schleswig-Holstein Sollen Patienten für Globuli zahlen?
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09:00 21.10.2019
Von Christian Hiersemenzel
Umstrittene Medizin: Viele homöopathische Wirkstoffe werden in Form von Zuckerkügelchen verabreicht.
Kiel

Die Grüne Jugend will den Einsatz von Globuli nicht länger von der Allgemeinheit finanzieren lassen und hat für den Bielefelder Bundesparteitag Mitte November einen entsprechenden Antrag eingereicht. Zustimmung für den neuen Kurs gibt es auch in Schleswig-Holstein.

"Nicht mehr als ein Placebo-Effekt"

„Einer der Grundsätze unserer Politik ist es, wissenschaftliche Fakten wahrzunehmen und sie als Grundlage für politische Gestaltung zu nutzen“, heißt es in dem Papier. „Die Finanzierung von nachweislich nicht über den Placebo-Effekt hinaus wirksamen Behandlungsmethoden“ sei mit diesem Grundsatz „unvereinbar“. Der Antrag wird nicht nur von der Grünen Jugend Schleswig-Holstein unterstützt, sondern auch von Landeschef Steffen Regis und dem Flensburger Europaabgeordneten Rasmus Andresen.

"Intolerantes Denken"

Die Homöopathie-Befürworter bei den Grünen fühlen sich dagegen brüskiert. „Ich finde es erschreckend, dass Teile meiner Partei etwas in Bausch und Bogen verdammen, mit dem viele Menschen gute Erfahrungen gemacht haben“, sagt die Landtagsabgeordnete Ines Strehlau. Ein solch intolerantes Denken habe es bei den Grünen bisher nicht gegeben. Klar sei doch, dass Homöopathie eine ergänzende Therapie zur Schulmedizin sei. Sie selbst habe durch Globuli bei ihren Kindern diverse Mittelohrentzündungen heilen und den Einsatz von Antibiotika vermeiden können. Die Grünen-Kommunalpolitikerin Resy de Ruijsscher, Bio-Landwirtin im Kreis Pinneberg, setzt in ihrer Galloway-Zucht seit vielen Jahren homöopathische Tropfen ein. „Die Diskussion ist absurd“, sagt sie. „Sollen nur noch Privatpatienten Homöopathie nutzen dürfen?“ Auch der SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach hatte zuletzt gefordert, homöopathische Medikamente künftig nicht mehr von Krankenkassen bezahlen zu lassen. Dies sei nicht „im Sinne der Vernunft und der Aufklärung“. 

"Partei bis ins Mark erschüttert"

Auf einem Landesparteitag der Grünen am kommenden Wochenende in Büsum soll das Thema ausgespart bleiben – mangels Zeit, wie es heißt. Landeschef Regis räumt aber ein, dass die Debatte das Selbstverständnis der Partei bis ins Mark erschüttert. „Die Intensität finde ich fragwürdig – auf beiden Seiten.“ Der Bundesvorstand der Grünen würde das leidige Thema am liebsten in eine Fachtagung verlagern. Jasper Balke, Landeschef der Grünen Jugend, verteidigt das Anliegen der Nachwuchsorganisation. „Beitragszahler sollen für etwas bezahlen, dessen medizinischer Effekt sich nicht nachweisen lässt? Das muss die Basis diskutieren – und zwar auf dem Bundesparteitag und nirgendwo anders.“

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