Studie: Coronavirus befällt das Geruchssystem ganz direkt
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Studie: Coronavirus befällt das Geruchssystem ganz direkt

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19:45 27.09.2020
Von Heike Stüben
Kathrin Ohla vom Forschungszentrum Jülich ist Psychologin und gehört zur Lenkungsgruppe des Globalen Konsortiums für Chemosensorische Forschung (GCCR). In einer Studie beschäftigen sich die Forscher mit der Frage, wie sich das Coronavirus auf den Geruchssinn auswirkt.
Kathrin Ohla vom Forschungszentrum Jülich ist Psychologin und gehört zur Lenkungsgruppe des Globalen Konsortiums für Chemosensorische Forschung (GCCR). In einer Studie beschäftigen sich die Forscher mit der Frage, wie sich das Coronavirus auf den Geruchssinn auswirkt. Quelle: Boris Roessler/dpa / Forschungszentrum Jülich
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Jülich

Kathrin Ohla vom Forschungszentrum Jülich koordiniert die fortlaufende Befragung für die deutschsprachigen Länder. Überrascht hat die Forscher die Heftigkeit, mit der das Coronavirus auf den Geruchs- und Geschmackssinn schlägt, erklärt Koordinatorin Kathrin Ohla vom Forschungszentrum Jülich in einer Veröffentlichung der Helmholtz-Gemeinschaft.

So ergab eine erste Auswertung von Angaben von 4039 Erwachsenen mit einer Covid-19-Diagnose: Im Mittel war das Riechvermögen um rund 80 Prozent reduziert. Beim Geschmack lagen die Einbußen bei rund 70 Prozent. „Ein Großteil der Teilnehmer beklagte einen vollständigen Verlust von Geruchs- und Geschmackssinn.“

Coronavirus befällt das Geruchssystem direkt

In einer zweiten Studie wird nun untersucht, wie lange die Beeinträchtigungen andauern. „Wir sehen sehr viele Fälle, die auch nach drei Monaten immer noch nicht riechen können. Es ist wirklich langwierig und anders als bei anderen viralen Erkrankungen“, erklärt Kathrin Ohla. Denn beim Grippevirus und anderen Coronaviren lasse der Geruchssinn erst nach, wenn das Fieber abgeklungen ist.

Bei Sars-CoV-2 schwinde der Geruchssinn dagegen meist, bevor andere Symptome für Husten und Fieber auftreten. „Das ist sehr ungewöhnlich und zeigt, dass das Virus das Geruchssystem direkt befällt.“ Dabei werden offenbar die Sinneszellen – in diesem Fall Neuronen – zerstört.

Neuronen können sich erneuern

Allerdings ist es das einzige System, bei dem sich Neuronen selbst wieder erneuern können. Dieser Prozess kann sich aber über Monate hinziehen und ist meist von einem merkwürdigen Phänomen begleitet: Man riecht zunächst falsch – also zum Beispiel statt der realen, duftenden Rose den Geruch von Ammoniak. Mediziner nennen das Parosmie.

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„Fäkalgeruch, Abflussgeruch, Brandgeruch: Es gibt leider keine angenehmen Parosmien, es riecht nie nach Blume. Das ist sehr belastend für die Patienten, aber ein Zeichen dafür, dass sich das System heilt“, berichtet Kathrin Ohla. Die Wahrscheinlichkeit sei dann sehr hoch, dass ein Großteil des Geruchssinns wiederkehrt.

Geschmackssinn wird bei Corona weniger in Mitleidenschaft gezogen

Der Geschmackssinn wird nach bisherigen Erkenntnissen weniger stark durch Sars-CoV-2 in Mitleidenschaft gezogen. Das kann auch daran liegen, dass dieser Sinn über Hautzellen funktioniert, die hauptsächlich auf der Zunge liegen und sich alle 14 Tage erneuern.

Die Forscher suchen weitere positiv getestete Personen, die an der Online-Befragung teilnehmen. Außerdem wird im Internet ein Selbsttest für den Geschmacks- und Geruchssinn angeboten.

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Heike Stüben 27.09.2020
KN-online (Kieler Nachrichten) 27.09.2020