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Schleswig-Holstein Wer möchte 1200 Euro im Monat bekommen?
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Studie bedingungsloses Grundeinkommen: Jetzt bewerben für 1200 Euro/Monat

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09:53 19.08.2020
Von Heike Stüben
Jürgen Schupp (von links), vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) Berlin, Susann Fiedler, Leiterin Erforschung von Gemeinschaftsgütern am Max-Planck-Institut, Janine Busch und Michael Bohmeyer vom Verein "Mein Grundeinkommen", sind die Eltern der Langzeitstudie zum bedingungslosen Grundeinkommen. Quelle: Wolfgang Kumm/dpa
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Berlin

Die Studie wurde vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) und dem Verein Mein Grundeinkommen geplant. Begründung: Bisher fehlt eine fundierte Studie. 

Zwar sammelt eine Volksinitiative in Schleswig-Holstein Unterschriften für einen Feldversuch. Doch der Ausgang ist ungewiss. Und Projekte wie Mecklenburg-Vorpommern sind nicht auf Deutschland insgesamt übertragbar.

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Die Studie soll das ändern. "Wir wollen herausfinden, wie ein bedingungsloses Grundeinkommen Menschen und Gesellschaft verändert. Wir wollen wissen, was es mit Verhalten und Einstellungen macht und ob das Grundeinkommen helfen kann, mit den gegenwärtigen Herausforderungen unserer Gesellschaft umzugehen", sagt Michael Bohmeyer, Initiator des Vereins Mein Grundeinkommen.

Bedingungsloses Grundeinkommen: 1200 Euro und nur eine Auflage

Das Besondere: Möglich wird die Studie, weil 140.000 private Spender das Geld bereitstellen - zurzeit monatlich 607.000 Euro. 

Und so soll es laufen: Die Studie kann erst starten, wenn sich 1 Million Menschen um die Teilnahme beworben haben. Voraussetzung: ein Wohnsitz in Deutschland und ein Mindestalter von 18. Jahren. Man muss keine Bedürftigkeit nachweisen, darf auch weiter unbegrenzt Geld verdienen, wenn man will. Die 1200 Euro gibt es unter einer einzigen Auflage: Die Empfänger müssen in dem Studienzeitraum sechsmal einen Online-Fragebogen ausfüllen.

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Wie verändern 1200 Euro die Menschen?

Der Betrag von 1200 Euro wurde bewusst gewählt: Er liegt gerade über der Armutsgefährdungsgrenze. Es soll möglich sein, damit über die Runden zu kommen und noch am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen. Das Grundeinkommen soll ab Frühjahr 2021 ausgezahlt werden.

Aber nutzen das die Menschen, um ihren Arbeitsplatz aufzugeben und das zu tun, was sie schon lange machen wollten? Und wie fühlen sie sich mit dieser Grund-Absicherung? Verändern sich dadurch Verhalten und Entscheidungen? Das ist nur einige der Fragen, auf die sich die Forscher Antworten erhoffen.

Geld gibt es nur für wenige

Zur Bewerbung muss ein Online-Fragebogen mit Kontaktinformationen, Geschlecht, Anzahl der Kinder und der Personen im Haushalt sowie einigen Daten zur Lebenssituation wie Schulabschluss, Nettoeinkommen und eventuelle Sozialleistungen ausgefüllt werden. 

Unter den Bewerbern werden dann per Zufallsprinzip 1500 Teilnehmer ausgewählt. Allerdings erhalten nur 120 davon drei Jahre lang das bedingungslose Grundeinkommen.

Die restlichen 1380 Studienteilnehmer dienen als Vergleichsgruppe. Nur so können die Forscher sichergehen, dass die beobachteten Veränderungen tatsächlich auf das ausgezahlte Grundeinkommen zurückzuführen sind.

Studie als Riesenchance

Da menschliche Entscheidungsprozesse hochkomplex sind, wird die Studie zusätzlich von Wissenschaftlern des Max-Planck-Instituts zur Erforschung von Gemeinschaftsgütern und der Universität zu Köln unterstützt.

"Mit diesem lang angelegten Pilotprojekt für Deutschland betreten wir wissenschaftliches Neuland", sagt Jürgen Schupp, Senior Research Fellow des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP) am DIW, "diese Studie ist eine Riesenchance, um die uns seit Jahren begleitende theoretische Debatte über das bedingungslose Grundeinkommen in die soziale Wirklichkeit überführen zu können."

Wer sich für bedingungslose Grundeinkommen bewerben möchte, muss sich hier anmelden.

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