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Schleswig-Holstein Böen erreichten Orkanstärke
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18:12 08.01.2019
Sturmtief "Benjamin" wütet an den deutschen Küsten.  Quelle: Carmen Jaspersen/dpa
Helgoland/Sylt/Hamburg

Sturmtief "Benjamin" ist am Dienstag zum Teil mit Orkanböen über Norddeutschland gefegt. Größere Schäden blieben bis zum frühen Abend aber aus. In Hamburg wurden Teile des Fischmarkts überspült. In Travemünde drückte der Wind eine Fähre gegen den Anleger. Das Schiff wurde am Rumpf durchlöchert. Ansonsten kippten vereinzelt Bäume um. Verletzte oder größere Schäden wurden zunächst nicht gemeldet.

Hamburg erlebte am Dienstag die erste Sturmflut des Jahres. Die Elbe überflutete am späten Nachmittag Teile des St.-Pauli-Fischmarkts. Kurz nach 17.00 Uhr lag der Pegelstand nach Angaben des Bundesamts für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) bei 1,88 Meter über dem mittleren Hochwasser.

Das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) warnte im Elbegebiet vor einem Pegelstand von 1,5 bis 2 Metern über dem mittleren Hochwasser. An der nordfriesischen Küste sollten wegen des Sturmtiefs "Benjamin" etwa 1,5 Meter über dem mittleren Hochwasser erreicht werden.

Orkanböen von 119 km/h

Nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes überschritt das Sturmtief am Nachmittag seinen Höhepunkt. Spitzenreiter bei den Windgeschwindigkeiten war bis dahin die ostfriesische Insel Spiekeroog in Niedersachsen mit Orkanböen von 119 km/h (12 Beaufort). In Schleswig-Holstein wurden auf Helgoland und Sylt Sturmböen bis 93 km/h Windgeschwindigkeit gemessen (10 Beaufort), in Büsum sowie in der Ostsee am Leuchtturm Kiel 89 km/h (10 Beaufort).

Im Landesinneren gehörten Glücksburg (83 km/h = 9 Beaufort) und Rendsburg (76 km/h = 9 Beaufort) zu den besonders stürmischen Orten. In Hamburg war es mit Böen von 70 km/h am Flughafen (8 Beaufort) vergleichsweise ruhig.

Elbfähre stellt Verkehr ein

Die Elbfähre Glückstadt-Wischhafen stellte am Dienstagmittag den Fährbetrieb kurzzeitig ein. Die Schiffe sollten voraussichtlich am Abend gegen 18 Uhr den Pendelverkehr zwischen Schleswig-Holstein und Niedersachsen wieder aufnehmen, teilte die Reederei auf ihrer Homepage mit. Ungemütlich sollte es auch an anderen Orten entlang der Elbe werden. Etwa in Schulau, einem Ortsteil der Stadt Wedel, in Glückstadt und Brunsbüttel rechneten Experten mit einer Sturmflut.

Fähren blieben in den Häfen

Auf der Hochseeinsel Helgoland erreichte das Hochwasser seinen Scheitelpunkt gegen 13.30 Uhr mit 1,55 Meter über dem normalen Hochwasser, wie ein BSH-Sprecher sagte. Der Verkehr zwischen Cuxhaven und Helgoland wurde eingestellt. Die ost- und nordfriesischen Inseln sowie die Halligen waren den Tag über teilweise auf sich allein gestellt, da die Fähren in den Häfen blieben.

So teilte die Wyker Dampfschiff-Reederei auf ihrer Internetseite mit, dass der Fährverkehr zwischen Schlüttsiel (Kreis Nordfriesland) und den Halligen eingestellt sei. Die Fahrplanänderung galten für den gesamten Dienstag.

Es bleibt stürmisch

Auch der Sylt-Shuttle schränkte wegen des Wetters den Betrieb ein. Wohnwagengespanne, Autos und Lastwagen mit leeren Anhängern sowie Lkw mit Gefahrgut und Motorräder wurden nicht befördert, wie die Deutschen Bahn mitteilte. Größere Sturmschäden wurden jedoch zunächst nicht bekannt.

"Der Wind wird vor allem im Binnenland spürbar weniger", sagte der Hamburger Meteorologe Michael Knobelsdorf. An den Küsten von Nord und Ostsee bleibe es jedoch weiterhin stürmisch. Der Wind flaut nach Einschätzung des DWD in der Nacht auf Donnerstag kurzzeitig ab, bevor "am Wochenende wieder Sturm angesagt" ist.

Auf "Zeetje" folgte "Benjamin"

An der Ostsee hatte Sturmtief "Zeetje" bereits Anfang Januar in Heiligenhafen und anderen Orten schwere Überflutungen und erhebliche Schäden verursacht. Damals wurden Wasserstände von rund 1,60 Metern über dem mittleren Hochwasser erreicht. Diesmal rechnet Heiligenhafen in der Nacht zum Mittwoch mit Wasserständen von rund 1,10 Metern über dem mittleren Wasserstand, wie der Leiter des Bauamts der Stadt, Roland Pfündl, sagte.

"Wir schließen die Deichdurchlässe und die zur Ostsee offenen Regenwasserkanäle, die mobilen Hochwasserschutzwände im Hafenbereich werden geschlossen", sagte Pfündl. An der Ostsee gelten bereits Wasserstände ab einem Meter über dem mittleren Wasserstand als Sturmflut. Am Mittwoch gegen 12.00 Uhr würden Maximalwerte von bis zu 1,30 Meter über dem mittleren Wasserstand erwartet, warnte das BSH.

Von dpa

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