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Schleswig-Holstein Wurden Kinder zum Toilettengang gezwungen?
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19:15 08.11.2019
Von Niklas Wieczorek
Gegen eine Kita im Hamburger Umland liegen schwere Vorwürfe der Kindesmisshandlung vor. Quelle: Peter Kneffel/dpa (Symbol)
Lübeck

So hätten die Kinder lange Läufe absolvieren oder in der Winterkälte ohne warme Kleidung ausharren müssen. Oberstaatsanwältin Ulla Hingst bestätigte die Ermittlungen wegen des Verdachts der Misshandlung Schutzbefohlener.

"Inhaltlich geht es im Kern um den Vorwurf, die Kinder seien gegen ihren Willen zum Toilettengang gezwungen und auch in anderen Situationen unangemessen behandelt worden", sagte die Sprecherin der Behörde. Die Vorwürfe stammen allesamt vom Anfang des Jahres 2019, Schilderungen in Medienberichten reichen aber auch bis 2014 zurück.

Kita sei beliebt gewesen

"Es war der begehrteste Kindergarten im Ort. Ich wollte für mein Kind das Beste", sagte die Mutter eines betroffenen Kindes dem "Hamburger Abendblatt". Doch das vermeintliche Paradies für ihren Nachwuchs entwickelte sich im Verlauf der Jahre zur Hölle: "Ich musste erfahren, dass die Kinder teilweise von zwei Erziehern an Händen und Füßen festgehalten wurden und über 30 Minuten trotz Gegenwehr und Schreien auf dem Toilettensitz festgehalten wurden", schilderte die Mutter.

Ihr zufolge habe die Kita die Sauberkeitserziehung sehr ernst genommen, sogar damit geprahlt. Das Ergebnis: Ihr Sohn habe bis heute Angst vor öffentlichen Toiletten. Dieses Verhalten ergebe rückblickend Sinn.

Weitere Schilderungen von Müttern

Auch eine weitere Mutter schilderte im "Abendblatt", dass sie die Probleme ihrer Tochter zunächst nicht auf die Kita zurückführte. "Ich hätte alles in Betracht gezogen, nur die Situation im Kindergarten blendete ich lange Zeit aus." Selbst, dass ein Kind "den Flur entlang gezerrt“ wurde, und anschließend „draußen in der Winterkälte ohne Jacke" stand, habe sie zunächst nicht stutzig gemacht.

Ihr zufolge hätten mehrere Eltern Anzeigen erstattet, nachdem es einen "Elternabend auf Einladung des Vorstands in Anwesenheit eines Anwalts" gab. Dabei sei ihnen "Gleichgültigkeit und Ignoranz" entgegengeschlagen.

Bislang noch keine Äußerungen

Insgesamt sechs Kinder im Alter von zwei bis sechs Jahren seien betroffen, sagte Oberstaatsanwältin Hingst. Sie bestätigte, dass neben der Kita-Leiterin auch fünf Angestellte im Fokus der Behörde stehen: Sie ließen sich überwiegend anwaltlich vertreten. "Keiner der Beschuldigten hat sich bislang zu den Tatvorwürfen geäußert."

Die Verteidigung habe Akteneinsicht gefordert. Insofern sei abzuwarten, ob im Anschluss Erklärungen der Beschuldigten abgegeben würden. Daraus könnten sich weitere Ermittlungsansätze ergeben, denen Staatsanwaltschaft und Polizei nachgehen, erklärte die Oberstaatsanwältin. Die zuständige Aufsichtsbehörde der Kita sei informiert.

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