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Schleswig-Holstein Pendler blockieren Bahnstrecke
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19:29 25.10.2017
"Flashmob" am Bahnsteig: Zwei Züge wurden in Klanxbüll an der Weiterfahrt gehindert. Quelle: Thomas Eisenkrätzer (Archiv)
Sylt

„Die Idee schwirrte schon mehrere Wochen in unseren Köpfen“, sagt Achim Bonnichsen: Ein „Flashmob“, der auf die anhaltenden Probleme im Pendlerverkehr aufmerksam macht. Am Mittwochmorgen ist es soweit. Nach seinen Angaben treffen sich mehr als 300 Sylt-Pendler auf dem kleinen Bahnhof Klanxbüll zu der scheinbar spontanen Aktion, drängen in den Regionalexpress nach Westerland. Planmäßige Abfahrt: 7.12 Uhr. Doch der RE6 ist „leider“ zu kurz für die vielen Fahrgäste auf dem Bahnsteig.

Die Menschen stauen sich in den engen Gängen der Waggons, es geht weder vor noch zurück. „Die Zug-Türen konnten nicht geschlossen werden, und der Schaffner den Zug somit nicht freigeben“, erzählt Bonnichsen. Also habe der RE 6 nicht weiterfahren können. „Die Regio hatte die Idee, auf Gleis 2 einen Pendel Klanxbüll - Westerland einzurichten“, schreibt Martina Schulz auf der Facebook-Seite „NOB Pendler Husum-Westerland“. Auch dieser Zug wird blockiert, so dass sich Verspätungen in beide Fahrtrichtungen aufbauen.

Marsch-Bahn

Mit ihrer Aktion hätten die Pendler gegen aus ihrer Sicht anhaltend unbefriedigende Situation auf der Marschbahnstrecke aufmerksam machen wollen, sagte der Sprecher der Facebook-Pendler-Initiative, Achim Bonnichsen.

Auf der Strecke Hamburg - Sylt kommt es seit knapp einem Jahr wiederholt zu Verspätungen und Zugausfällen. Die Deutsche Bahn hatte im vergangenen Dezember den Betrieb der Strecke von der Nord-Ostsee-Bahn (NOB) übernommen, kämpfte aber bei veralteten Ersatzwaggons und defekten Lokomotiven mit technischen Problemen.

Die Polizei bleibt derweil im Hintergrund. „Solange sich niemand an die Gleise kettet, werden wir nicht eingreifen“, sagt ein Beamter dem Radiosender NDR 1 Welle Nord. Tatsächlich bleibt die Stimmung in Klanxbüll friedlich, obwohl es in vielen Pendlern mächtig brodelt - seit vielen Monaten. Man wolle ein Zeichen setzen, sagt einer. Ein anderer nennt die Probleme auf der Strecke eine „nervliche Belastung“ und Zeitverschwendung. Er könne Termine nicht wahrnehmen. Immer wieder würden er oder seine Frau sich verspäten, wenn sie zum Beispiel ihr Kind aus der Betreuung abholen.

Auf der Anzeigetafel im Bahnhof werden derweil Verspätungen von bis zu 120 Minuten eingeblendet. „Wir setzen zwar Busse als Schienenersatzverkehr ein, aber das ist natürlich ein Tropfen auf den heißen Stein“, so ein Bahnsprecher am Morgen. Die Busse pendeln zwischen Niebüll und Klanxbüll.


Mit dem heller werdenden Tag lichten sich die Reihen der Protestler langsam. Gegen 9.15 Uhr kann der zweite blockierte Zug wieder abfahren, eine Stunde später startet auch der zuerst besetzte Zug mit „normaler“ Auslastung. Die „Blockade“ endete nach den Angaben von Bonnichsen gegen 10.25 Uhr.

21 Züge waren von Flashmob betroffen

Ein Bahnsprecher sagt später, dass insgesamt 21 Züge von der Aktion betroffen waren. Der Sylt-Shuttle braucht bis zum Abend, um wieder in seinen fahrplanmäßigen Rhythmus zu kommen. Für die Pendler ist der „Flashmob“ ein voller Erfolg.

Die Deutsche Bahn hatte den Betrieb und die Fahrzeuge auf der rund 240 Kilometer langen Strecke im Dezember 2016 von der Nord-Ostsee-Bahn übernommen. Loks und Wagen gehörten dabei dem Land Schleswig-Holstein, standen jedoch wegen technischer Probleme nicht zur Verfügung. In der Folge organisierte die Deutsche Bahn dann Ersatz, teilweise mit in die Jahre gekommenen Waggons.

Probleme werden Mitte November behoben sein

Das Unternehmen entschuldigt sich am Mittwoch, man könne den Unmut der Fahrgäste verstehen. Eine Bahnsprecherin verweist auf die Probleme bei der Beschaffung: „So haben wir beispielsweise europaweit versucht, geeignete Loks zu bekommen und auch drei Zusatzloks im Einsatz. Dennoch stehen derzeit nicht alle 15 erforderlichen Loks zur Verfügung.“ Bei den aus mehreren Waggons bestehenden Wagenparks stehen den Angaben nach zwölf von 15 repariert zur Verfügung, „auch wenn die Wagen nicht dem neuesten Stand entsprechen“.

Ab Mitte November 2017 soll es dann genügend Loks geben, und alle 90 Waggons mit reparierten Kupplungen sollen wieder fahren. Das ist das Ergebnis eines Arbeitsgespräches am Dienstagabend in Niebüll, wie der Kreis Nordfriesland am Mittwoch mitteilt. Dann soll der Zugverkehr zwischen Hamburg und Westerland wieder normal rollen.

Von dpa

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