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Schleswig-Holstein Ein Rennen gegen die Angst
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11:00 12.11.2014
Johannes Yaknis (Mitte) im Interview mit den beiden Zisch-Reportern Eric Kreutz und Henri Frank.
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Kiel

Durch den Bürgerkrieg in Syrien, in dem ein Teil der Bürger sich gegen den Diktator Assad erhoben hat, wurde seine Heimatstadt Al-Hasakah von muslimischen Kämpfern erobert. Die Familie von Johannes gehört einer christlichen Minderheit in Syrien an, die zu den ältesten christlichen Gemeinden der Welt gehört. Die muslimischen Kämpfer bedrohten die christlichen Einwohner seiner Heimatstadt so sehr, dass Johannes und seine Familie aus Angst vor der Gewalt fliehen mussten.

 Johannes erzählt, dass sie zuerst mit einem Auto und ihren wenigen Habseligkeiten, die sie noch retten konnten, in ein Flüchtlingslager zur griechischen Grenze im Norden der Türkei geflüchtet seien. Nach einer mehrtägigen Rast wurde ein Führer für viel Geld gefunden, der ihn und seine kleine Schwester, seine Mutter, seinen Vater sowie seine Tante in einem gefährlichen, elfstündigen Fußmarsch über einen Gebirgspass nach Griechenland brachte. Dort angekommen organisierte dann sein Vater einen Flug nach Deutschland, da hier schon einige Verwandte von ihm leben. Inzwischen ist Johannes schon zwei Jahre in Deutschland und geht auf die Hans-Christian-Andersen-Grundschule in Kiel-Gaarden. Er sagt, dass ihm die Schule Spaß bringe und sich der Schulalltag hier kaum von dem in seiner alten Heimat unterscheide. Obwohl er schon sehr gut Deutsch sprechen kann, muss er dennoch teilweise bis in den späten Abend hinein an den Schulaufgaben sitzen, um alles zu verstehen. Das nervt ihn. Johannes sagt, dass er im Sportverein TUS Gaarden Fußball spiele und nebenbei auch noch chinesisch lernen wolle. Deutsche Freunde hat er leider noch nicht gefunden. Das liegt aber daran, dass in seiner Förderklasse nur Kindern sind, die auch mit ihren Eltern nach Deutschland flüchten mussten und sein Schicksal teilen.

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 Abschließend haben die beiden Zisch-Reporter ihn noch gefragt, was er sich für seine Zukunft wünsche: „Pilot oder Fußballprofi will ich werden“, antwortet er prompt.

 Und mit einem Seitenblick auf seinen Vater meint er, dass es doch toll wäre, wenn seine Verwandten, die noch in Syrien sind, bald nachkommen könnten.

 Von Eric Kreutz und Henri Frank, Klasse 8a, Ricarda-Huch-Schule Kiel