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Schleswig-Holstein Wie Tele-Mediziner bei Notfällen helfen
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09:50 08.07.2019
Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther (CDU, r) spricht bei einem Besuch der Telemedizin-Praxis auf der Hallig Langneeß mit Niels Renzig, Chef vom Institut für Notfall- und Rettungsmedizin an der Universitätsklinik Kiel.
Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther (CDU, r) spricht bei einem Besuch der Telemedizin-Praxis auf der Hallig Langneeß mit Niels Renzig, Chef vom Institut für Notfall- und Rettungsmedizin an der Universitätsklinik Kiel. Quelle: Carsten Rehder/dpa
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Hooge/Kiel

Wenn auf dem Festland ein Notarzt gebraucht wird, wählt man die 112. Auf den nordfriesischen Halligen im Wattenmeer funktioniert das nicht. Dort gibt es keinen Notarzt. Nur einen Rettungssanitäter.

Was das bedeutet, hat Hooges ehemaliger Bürgermeister am eigenen Leib erfahren. An einem Freitagmorgen im Oktober 2015 alarmierte er den Hallig-Sanitäter: Verdacht auf Herzinfarkt. Der Notruf ging gegen 9.30 Uhr raus.

Wegen dichten Nebels konnte der Rettungshubschrauber jedoch nicht starten. Deshalb wurde von der Insel Amrum ein Schiff geschickt, um den damals 60-Jährigen zum Festland zu bringen.

Durch Internet schnellere Hilfe 

Im Hafen von Dagebüll wartete schon die Feuerwehr, um den Patienten vom Schiff abzuseilen. Als Matthias Piepgras nach eigener Darstellung nach mehr als fünf Stunden in der Klinik ankam, zeigte das EKG, dass es kein Herzinfarkt gewesen sei, berichtete er damals dem „Flensburger Tageblatt“.

Zumindest auf den Halligen Hooge, Langeneß und Oland gibt es jetzt Verbesserungen. Bei Herzinfarkt oder anderen Notfällen soll schnellere ärztliche Hilfe möglich werden – dank des Internets.

Arzt beantwortet Fragen per Video

Seit dem 1. Juli ist die Telemedizin im Einsatz. In dem vom Kieler Gesundheitsministerium mit 750 000 Euro geförderten Projekt „HALLIGeMED“ wird der Sanitäter vor Ort bei seiner ersten Einschätzung und –versorgung durch Notfallmediziner in Kiel unterstützt und angeleitet, wie UKSH-Sprecher Oliver Grieve sagte.

Der Arzt kann den Patienten per Video befragen und anschauen und dem Sanitäter sagen, welche medizinischen Maßnahmen er durchführen und welche Medikamente er geben soll.

„Wenn künftig ein Patient mit Brustschmerz in die Krankenpflegestation auf Hooge kommt, kann der Krankenpfleger ein EKG machen, das er an die Uniklinik weiterleitet. Wenn es ein typisches Herzinfarkt-EKG ist, können wir das schnell erkennen und sofort vorbereitende Maßnahmen einleiten“, sagte Projektleiter Niels Renzing vom Kieler Institut für Rettungs- und Notfallmedizin (IRUN).

Leistungsstarke Netzabdeckung Grundvoraussetzung

Laut Grieve wurde in einer Testphase im Frühjahr bereits ein breites Spektrum an notfallmedizinischen Erkrankungen behandelt: unter anderem Verletzungen nach einem Fahrradsturz, Brustschmerzen, Herzinfarkte und Herzrhythmusstörungen.

Grundvoraussetzung für die Telemedizin ist eine flächendeckende und leistungsstarke Netzabdeckung. „Die vor Ort eingesetzten Systeme enthalten drei SIM-Karten zur Kompensation von Netzproblemen“, sagte der UKSH-Sprecher. Die dreijährige Testphase sei auf die drei Halligen beschränkt, weil auf den anderen kein medizinisches Fachpersonal dauerhaft tätig ist, ergänzte Grieve.

Von RND/dpa