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Schleswig-Holstein Tierschutzbeirat beklagt: Pferde leiden in Ställen und auf Turnieren
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18:01 08.02.2020
Von Heike Stüben
Der Norweger Atreju holt sich Streicheleinheiten von Sabine Petersen (56, links) und Kathrin Kofent (47) vom Tierschutzbeirat des Landes ab. Die Biologin und die Agraringenieurin halten mehr Aufklärung über artgerechte Pferdehaltung für notwendig. Die Unwissenheit der Halter würde Pferden immer noch viel Leid bescheren. Quelle: Ulf Dahl
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Kiel

„Wenn Pferde leiden und Schmerzen haben, hören wir das nicht. Sie haben keine Lautäußerung dafür. Sonst wäre es auf Turnieren und in Ställen oft sehr laut“, sagt die Biologin Sabine Petersen, Vorsitzende des Tierschutzbeirats des Landes und selbst Reiterin. So werde seit Jahrzehnten über zu enge Halfter diskutiert. „Doch es hat sich kaum etwas geändert. Laut einer Studie ist jede zweite Reithalfter bei Freizeit- und Turnierpferden zu eng. Die Tiere werden regelrecht geknebelt, sie bekommen kaum noch Luft.“

Dabei gebe es eine einfache Regel für alle Reithalfter, Kappzäume und gebisslose Zäumungen: Unter dem Nasenriemen und Kinnriemen müssen zwei Fingerbreit Luft sein. Das Pferd muss problemlos eine Möhre fressen können.

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Der Tierschutzbeirat will deshalb eine Diskussion anstoßen mit dem Ziel, dass bei Verstößen gegen solche Leitlinien Turnierreiter disqualifiziert werden können. Man sieht aber auch Eltern junger Reiter stärker in der Pflicht. Der Spruch „Sporen muss man sich erst verdienen“ sollte wörtlich genommen werden. Es sei besser, Kinder erst später zu Turnieren anzumelden, statt ihnen die Teilnahme mithilfe von Instrumenten zu ermöglichen, die für das Pferd Zwang, Schmerzen und die Beeinträchtigung der Atmung bedeuten.

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Reiter müssen Mimik des Pferdes lesen können

Doch dem Tierschutzbeirat geht es auch um die alltägliche Haltung der Pferde. „Zu oft stehen Pferde noch über Stunden in Boxen und müssen lange Fresspausen überstehen. Dafür sind die Mägen nicht gemacht, sie übersäuern. Auf Dauer ist das Risiko von Magengeschwüren hoch, die sehr schmerzhaft für die Tiere sind“, nennt Petersen nur ein typisches Beispiel. Um das Leid zu erkennen, müssten Reiter die sehr differenzierte Mimik eines Pferdes lesen lernen.

Usa steht in der Sonne auf dem Sandplatz. Ruhig, reglos, das glänzende Fell aufgestellt. Die Unterlippe hängt locker herunter. Die Norweger-Appaloosa-Stute befindet sich offenbar im Wohlfühl-Modus. Ein paar Meter weiter stehen Feivel, der Shetlandmix, und der Norweger Atreju ebenfalls völlig entspannt. Etwas später werden sie die Besucher neugierig und völlig angstfrei beschnuppern und dann im Offenstall zum Fressen verschwinden. Die drei Ponys haben es sichtlich gut. Sie leben zusammen, haben viel Freilauf auf unterschiedlichen Böden, können jederzeit vom geöffneten Stall nach draußen wechseln, haben ständig Zugang zu Heu und Beschäftigungsmöglichkeiten.

Seminar zur artgerechten Pferdehaltung

Die artgerechte Haltung und wie man erkennen kann, wie gut es einem Pferd geht – das ist Thema des Vortrags von Dr. Margit Zeitler-Feicht vom Wissenschaftszentrum Weihenstephan an der TU München am Donnerstag, 13. Februar, um 19 Uhr in der Uni Kiel (Emil-Lang-Hörsaal in der Hermann-Rodewald-Straße 4). Der Eintritt ist frei, eine Anmeldung nicht erforderlich. Am selben Ort findet am Freitag, 14. Februar, von 10 bis 16 Uhr ein Tagesseminar zum Thema mit der Wissenschaftlerin statt. Kosten: 35 Euro. Eine Anmeldung ist erforderlich unter Pferdevortrag-Februar-2020@gmx.de. Veranstalter ist der Tierschutzbeirat Schleswig-Holstein in Kooperation mit dem Deutschen Tierschutzbund, dem Tierschutz-Vertrauensmann Prof. Edgar Schallenberger und dem Institut für Tierzucht und Tierhaltung der Kieler Universität.

Ihre Besitzerin Kathrin Kofent, ebenfalls im Tierschutzbeirat, hat sich ausführlich mit der Geschichte der Pferde befasst. Pferde gibt es schon seit 60 Millionen Jahren, domestiziert seien sie erst seit rund 7000 Jahren. Trotzdem habe sich nichts Wesentliches an ihrem Verhalten und ihren Bedürfnissen geändert. „Es sind immer noch Herdentiere, Bewegungstiere, Fluchttiere und Dauerfuttersucher. Ist nur eines dieser Bedürfnisse nicht gedeckt, geht es dem Pferd nicht gut, und es hat ein Krankheitsrisiko. Nicht ohne Grund sterben Pferde heute oft schon mit acht Jahren. Sie können aber 30, 35 Jahre alt werden.“

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Artgerechte Pferdehaltung: Das ist dabei wichtig

Wie aber sieht eine artgerechte Haltung aus? Essenziell sind der direkte Kontakt zu anderen Pferden und freie Bewegung in der Gruppe. „Ein Pferd bewegt sich 16 Stunden am Tag im Schritt, schnellere Gangarten setzt es nur kurzzeitig ein. Es muss zwölf bis 18 Stunden am Tag mit maximal vierstündigen Pausen ballaststoffreiche Nahrung finden. Es braucht gute Stallhygiene und permanent frische Luft“, sagt die Agraringenieurin Kofent. Viele Halter wollten ihren Tieren solche Bedingungen bieten. „In der Region Kiel sind deshalb Offenställe sehr gesucht“, sagt Sabine Petersen. „Doch es gibt zu wenig davon, auch weil eine gute Offenstallhaltung anspruchsvoll ist. Deshalb ist ein Platz dort teurer als im Boxenstall.“

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