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Schleswig-Holstein Tödlicher Badeunfall: Jetzt kommen die Betreuer vor Gericht
Nachrichten Schleswig-Holstein Tödlicher Badeunfall: Jetzt kommen die Betreuer vor Gericht
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10:05 08.01.2020
Von Thomas Geyer
Die "Roland Oase" ist ein beliebtes Freibad in Bad Bramstedt. Im Sommer 2016 kam dort ein Sechsjähriger, der unbeaufsichtigt ins Nichtschwimmerbecken ging, ums Leben. Quelle: Bernhard-Michael Domberg
Neumünster

Laut Vorwurf der Kieler Staatsanwaltschaft gehörte das Opfer zu einer Gruppe von 15 Kindern, die am 23. Juni 2016 von drei Betreuerinnen in das Warmwasserfreibad „Roland Oase“ in Bad Bramstedt begleitet wurden. Neben diesen Aufsichtspersonen stehen zwei Bademeister vor Gericht, die dort ebenfalls ihre Sorgfaltspflicht verletzt haben sollen.

Der Junge konnte wiederbelebt werden, starb aber im UKE

Zwei Jugendliche entdeckten damals gegen 13 Uhr den Sechsjährigen leblos im Wasser treibend und alarmierten sofort die Badeaufsicht. Die Retter konnten den Jungen offenbar zunächst wiederbeleben. Er wurde mit dem Rettungswagen ins Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) gebracht, wo er laut Anklage am Folgetag verstarb.

Sechsjähriger verließ seine Gruppe unbemerkt

Vor dem tödlichen Badeunfall sollen die verantwortlichen Kindergärtnerinnen zweimal mit ihren drei- bis sechsjährigen Schützlingen ins Wasser gegangen sein. Beide Badegänge verliefen unter lückenloser Aufsicht, hieß es. Der später verstorbene Junge soll danach jedoch unbemerkt die Gruppe verlassen und allein zum Nichtschwimmerbecken gelaufen sein. Die „Roland Oase“ wurde nach dem Unglück für den Rest des Tages geschlossen.

Prozess in Bayern

In Bayern wurde eine Betreuerin wegen fahrlässiger Tötung verurteilt

Ein ertrunkenes Kind bei einem Ausflug - das ist der Albtraum für jede Aufsichtsperson. Erst im Dezember 2019 ist eine Betreuerin im bayerischen Himmelkron (Oberfranken) wegen fahrlässiger Tötung zu einer Geldstrafe von 90 Tagessätzen verurteilt worden, ausgesetzt auf zwei Jahre zur Bewährung. Außerdem muss sie eine vierstellige Summe an den Kinderschutzbund zahlen.

Sie hatte eine Turngruppe in ein Freibad begleitet und ein achtjähriges Mädchen aus den Augen verloren, das minutenlang bewusstlos im Wasser trieb, und eine Woche später im Krankenhaus starb. Das Gericht urteilte, die Betreuerin habe ihre Aufsichtspflicht verletzt und sich nicht ausreichend bei den Eltern erkundigt, ob das Kind wirklich schwimmen könne. Die Deutsche Lebens-Rettungsgesellschaft (DLRG) in Bayern riet daraufhin Jugendbetreuern laut „Münchner Merkur“, nur Kinder in Schwimmbäder mitzunehmen, die mindestens ihren Freischwimmer (bronzenes Schwimmabzeichen) gemacht haben.

2018 ertranken in Deutschland mehr als 500 Menschen

Im Jahr 2018 sind in Deutschland nach DLRG-Angaben mindestens 504 Menschen ertrunken. Das sind rund 25 Prozent mehr als 2017. Die DLRG führt die gestiegenen Zahlen vor allem auf das extrem heiße Sommerwetter zurück, bei dem viele Menschen auf der Suche nach Abkühlung zu sorglos ins Wasser gingen.

Allein in den Monaten Juni und Juli 2018 kamen 212 Menschen im Wasser ums Leben. Für das gerade abgelaufene Jahr 2019 liegen bislang nur die Zahlen bis September vor. Demnach ertranken in Schleswig-Holstein in diesem Zeitraum 14 Menschen, zwölf von ihnen in der offiziellen Badesaison zwischen Mai und September. Das ist sogar noch ein Ertrunkener mehr als im „Jahrhundertsommer“ 2018.

Immer weniger Grundschulkinder lernen schwimmen

Die DLRG weist seit Jahren darauf hin, dass immer weniger Grundschulen in der Lage seien, Kinder mit ausreichendem Schwimmunterricht gegen die Gefahr des Ertrinkens zu wappnen. Das liege auch an der Schließung zahlreicher kommunaler Bäder. Nach den Zahlen der DLRG waren mehr als drei Viertel der Ertrunkenen männlich. Nicht statistisch erfasst seien jährlich bis zu 100 Verunglückte, die - wie im Fall Bad Bramstedt - zunächst wiederbelebt werden können, später jedoch an den Folgen des Badeunfalls sterben. Für den Prozess hat das Amtsgericht drei Verhandlungstage angesetzt.

Amtsgericht Ahrensburg sprach eine Erzieherin frei

Ein ähnlicher Prozess gegen eine 33 Jahre alte Erzieherin war im Juli vergangenen Jahres vom Amtsgericht Ahrensburg mit Zustimmung aller Beteiligten eingestellt worden. Der Erzieherin wurde fahrlässige Tötung vorgeworfen, nachdem ein zweijähriger Junge bei einem Kita-Ausflug im Juli 2016 in einem unbeobachteten Moment in einen mit Entengrütze bedeckten Teich in Hoisdorf im Kreis Stormarn gestürzt und ertrunken war.

Die aus 20 Kindern bestehende Gruppe war während des Ausflugs von der Erzieherin und sieben Betreuern begleitet worden. In der Hauptverhandlung sei klar geworden, dass die 33-Jährige nicht die alleinige Verantwortliche für den Tod des Kindes gewesen sei, so die Richterin.

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