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Schleswig-Holstein Zog ein Tornado über Schleswig-Holstein?
Nachrichten Schleswig-Holstein Zog ein Tornado über Schleswig-Holstein?
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17:00 29.09.2019
Von Tanja Köhler
Windhose bei Dagebüll: Auf der Plattform „Tornadoliste“ meldeten Beobachter das Wetterphänomen über Schleswig-Holstein. Quelle: Screenshot https://www.facebook.com/Tornadoliste/
Dagebüll/Kiel

Zog am Sonnabend ein Tornado über Nordfriesland? Ein Video auf der Facebookseite "Tornadoliste Deutschland" lässt darauf schließen.

"Ganz schön riesig. [...] Da siehst du richtig, wie er nach oben saugt!" So kommentiert Lisa die Windhose, die sie bei Dagebüll (Kreis Nordfriesland) gefilmt hat. Das Video stellte sie Antenne Sylt zur Verfügung - und so gelang es letztlich auf die Facebookseite "Tornadoliste Deutschland".

Ein seltenes Naturschauspiel. Heute gab es bei Dagebüll direkt am Deich einen „Tornado“. Verletzt wurde niemand. Danke Lisa für das Video und weiterhin gute Fahrt mit Antenne Sylt. www.antenne-sylt.de

Gepostet von Antenne Sylt am Samstag, 28. September 2019

Die Betreiber der Facebookseite schrieben dazu, dass das Video "einen von mehreren Fällen am Samstag (28.09.2019) in Norddeutschland" zeigt. Und weiter: "Über Schäden ist bisher nichts bekannt. Zu weiteren Fällen wird derzeit recherchiert, weitere Hinweise sind willkommen."

Ob es tatsächlich ein Tornado war? Das ist schwierig zu verifizieren, da es bislang keine Schäden gibt. Tornados werden auf der Tornadoliste bestätigt, wenn sie von mehreren unabhängigen Augenzeugen beobachtet und fotografiert/gefilmt wurden oder eindeutige Schäden vorliegen.

Wird das Wetterphänomen nur von einem Augenzeugen gesichtet, ist ein Tornado schwer mit Sicherheit zu bestätigen, da die zufälligen Beobachter in der Regel über kein Fachwissen verfügen.

Tornados in Schleswig-Holstein 2019

Die Trichterwolke aus dem Video ist nicht die erste Sichtung in diesem Jahr in Schleswig-Holstein. Auf der Webseite Tornadoliste.de werden weitere aus dem Jahr 2019 aufgelistet. Manche davon gelten als bestätigt, andere werden als Verdacht geführt. Ein Tornado über Seeth gilt als bestätigt, ein weiterer wird als plausibel eingestuft. Ein Überblick:

  • 9. September 2019 (Verdacht):Bredstedt, Zeitpunkt: gegen 18:30 Uhr MESZ. Beobachtung von zwei Trichterwolken. Verdacht.
  • 8. September 2019 (Bestätigt):Seeth, Zeitpunkt: gegen 18:00 Uhr MESZ. Beobachtung eines Tornados von Rantrum aus in Richtung Südosten, von Seeth aus in Richtung Schwabstedt und von Süderstapel aus in Richtung Seeth. Der Bodenwirbel wurde bei Seeth beobachtet.
  • 8. September 2019 (Verdacht): Haselund, Zeitpunkt: gegen 17:45 Uhr MESZ. Genauer Ort nicht bekannt. Beobachtung einer Trichterwolke zwischen Flensburg und Husum.
  • 8. September 2019 (Verdacht): Schashagen, Zeitpunkt: gegen 13:27 Uhr MESZ. Beobachtung einer Trichterwolke von Schönwalde am Bungsberg aus in Richtung Südosten.
  • 7. September 2019 (Verdacht): Sankt Peter-Ording, Zeitpunkt: gegen 15:30 Uhr MESZ. Beobachtung einer Trichterwolke. Und: Vogelinsel Trischen. Zeitpunkt: zwischen 15:12 und 15:16 Uhr MESZ. Beobachtung einer Trichterwolke von Cuxhaven aus in Richtung Norden, möglicherweise Zusammenhang zum Fall St. Peter-Ording.
  • 7. September 2019 (Verdacht): Lunden, Zeitpunkt: gegen 15:00 Uhr MESZ. Beobachtung einer Trichterwolke im Bereich 25774 Lunden/Lehe.
  • 7. September 2019 (Verdacht): Kiel-Mettenhof, Zeitpunkt: gegen 14:00 Uhr MESZ. Beobachtung einer Trichterwolke von Kiel-Hasseldieksdamm in Richtung Mettenhof (Westen).
  • 7. September 2019 (Plausibel): Schobüll bei Husum, Zeitpunkt: gegen 13:25 bis 13:35 Uhr MESZ. Beobachtung einer ausgeprägten und weit hinab reichenden Trichterwolke im Bereich westlich bis nordwestlich von Husum. Ein Tornado ist plausibel, auch wenn keine Auswirkungen in dem freien Gelände bekannt sind.

Weitere Verdachtsfälle aus Schleswig-Holstein finden Sie auf der Tornadoliste für Deutschland.

Begriffserklärung

Hintergrund: Tornado / Windhose / Trichterwolke / Wirbelsturm

Wirbelsturm, Trichterwolke, Tornado, Windhose - sind dies nur verschiedene Bezeichnungen für ein und dasselbe? Oder haben wir in Schleswig-Holstein wirklich Tornados? Eine Begriffserklärung.

Was ist ein Wirbelsturm

Laut Deutschem Wetterdienst (DWD) ist "Wirbelsturm" ein Überbegriff für verschiedene Formen von Luftwirbeln mit vertikaler Drehachse. Wirbelstürme können sich stark unterscheiden, etwa in Größe und Intensität. Je nachdem, wie der Wirbelsturm beschaffen ist oder wo er auftaucht, hat er unterschiedliche Bezeichnungen: tropischer Wirbelsturm (Hurrikan, Taifun, Zyklon, Bagyo), Tiefdruckgebiet (Sturmtief)
Trombe (Großtrombe: Tornado).

Was ist eine Trichterwolke?

Eine Trichterwolke (international Funnel oder Funnel Cloud) ist der durch Kondensation, also Wolkenbildung sichtbare Teil des Wirbels. Hat der Wirbel Bodenkontakt, dann ist es ein Tornado, der aber nicht durchgehend sichtbar sein muss. Trichterwolken stehen direkt in Verbindung mit einer Schauer- oder Gewitterwolke. Eine Großtrombe (von französisch trombe für Trompete) ist dasselbe wie ein Tornado.

Was ist ein Tornado? Und wann spricht man von Windhose?

Ein Tornado ist eine um sich selbst schnell rotierende Luftsäule, die, wenn sie den Boden berührt, schwere Schäden anrichten kann.

Tornado und Windhose bezeichnen das gleiche Phänomen, die Bezeichnung Tornado ist jedoch der heute gängige, international gebräuchliche Begriff, Windhose ist die deutsche Bezeichnung. Eine Wasserhose ist eine Windhose über dem Meer.

Tornados entstehen durch Windscherung, entweder weil der aufsteigende Wind mit der Höhe zunehme oder wenn er die Richtung ändere. Sie entstehen etwa bei vertikalen Temperaturgegensätzen. Der rotierende Luftschlauch kann einen Durchmesser von bis zu einem Kilometer und Geschwindigkeiten von mehreren Hundert Stundenkilometern erreichen.

Tornados hinterlassen oft eine bis zu mehrere Hundert Meter breite Schneise der Verwüstung. Die Stärke eines Tornados wird anhand des Schadenbildes mit der sogenannten Fujita-Skala festgemacht. Windgeschwindigkeiten eines Tornados lassen sich meistens nur schätzen, weil der Wirbel selten über ein Messgerät hinwegfegt.

Was war der heftigste Tornado in Deutschland?

Den bisher heftigsten Tornado gab es am 10. Juli 1968 in Pforzheim, wie Diplom-Meteorologe Dominik Jung berichtet. Es war wohl ein F4-Tornado, mit einer geschätzten Geschwindigkeit zwischen 333 und 418 km/h. Es gab damals zwei Tote, über 200 Verletzte und 1750 Häuser wurden beschädigt.

Wie häufig kommen Tornados in Deutschland vor?

Tornados sind in Deutschland nichts Ungewöhnliches: 50 Tornados pro Jahr zählen Experten durchschnittlich.

Wie verhält man sich richtig bei einem Tornado?

Bei einem Tornado gelten nicht dieselben Regeln wie bei einem Gewitter: Schutz im Auto zu suchen kann eine tödliche Entscheidung sein, da ein Tornado ein Auto locker dutzende Meter in die Höhe heben kann. Um nicht von herum wirbelnden Trümmern getroffen zu werden, empfiehlt es sich Kellerräume und  Steinhäuser aufzusuchen, sowie sich von Fenstern und Türen fernzuhalten. 

Im Freien sollte man stets versuchen einem Tornado auszuweichen, da die meisten nicht breiter als 100 Meter sind. Ein Abstand von einem Kilometer reicht aus.

Wenn man von einem Tornado überrascht wird, hilft es, sich zur Not flach auf den Boden zu legen, denn schwächere Tornados ziehen dann vielleicht über einen hinweg und die Gefahr ist so am geringsten, von umherfliegenden Gegenständen getroffen zu werden.

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