Menü
Kieler Nachrichten | Ihre Zeitung aus Kiel
Anmelden
Schleswig-Holstein Der Tourismus an der Ostsee boomt
Nachrichten Schleswig-Holstein Der Tourismus an der Ostsee boomt
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
19:46 27.08.2019
Von Anne Holbach
Die Strände ziehen die Urlauber an: 45 Prozent des Tourismusgeschäfts im Land entfallen auf die Ostsee und 35 Prozent auf die Nordsee. Quelle: Kerstin v. Schmidt-Phiseldeck
Kiel

„Das Binnenland ist nicht in derselben Weise gewachsen wie die Hotspots an der Nord- und Ostsee. Da müssen wir noch eine Schippe drauf legen“, sagte Tourismusminister Bernd Buchholz (FDP) am Dienstag in Kiel.

Minus in der Holsteinischen Schweiz

Während die Küstendestinationen starke Wachstumstreiber sind, verlor die Holsteinische Schweiz an Gästen. Knackte die Region zuletzt die Marke von 400.000 Gästen, so übernachteten nun nur noch 385.806 Urlauber dort – ein Minus von 3,6 Prozent.

Ein Grund für den Rückgang ist laut Tourismusagentur Schleswig-Holstein (Tash) die gesunkene Bettenzahl in der Holsteinischen Schweiz. Dort mussten demnach einige Betriebe aufgrund fehlender Nachfolge schließen.

Interaktive Karte: Entwicklung der Übernachtungszahlen

Minister will Strategie auf das Binnenland richten

„80 Prozent des Tourismusgeschäfts entfallen auf Orte an der Nord- und Ostsee, nur 20 Prozent auf das Binnenland“, sagte Tash-Geschäftsführerin Bettina Bunge. Das Land müsse das Binnenland bei seiner Tourismusstrategie stärker in den Fokus nehmen, gab der Minister zu.

Zugleich nahm er die Akteure vor Ort in die Pflicht. Der Tourismus im Binnenland sei noch „sehr tradiert unterwegs“, es fehle vielerorts an modernen Entwicklungskonzepten. Ortsbilder spielten eine große Rolle, ein Modernisierungsschub würde vielen Gemeinden guttun. „In den 50er-Jahren war Bad Malente einer der Hotspots im Tourismus, da würde ich den Ort gerne wieder sehen“, so Buchholz.

Interaktive Karte: Beliebte Tourismusziele in Schleswig-Holstein

Sylt ist der Spitzenreiter unter den Destinationen

Beliebtestes Ziel im Land war die Insel Sylt mit über 1,3 Millionen Übernachtungen, vor Lübeck (842386) und Sankt Peter-Ording (629110). Der Ort an der Westküste legte wie Büsum mit einem Wachstum von über 12 Prozent am stärksten zu. Kiel schaffte es auf den achten Platz.

An den Küsten hätten öffentliche Investitionen, beispielsweise in Strandpromenaden, hohe private Investitionen nach sich gezogen. Dort habe sich die Qualität der Übernachtungsangebote stark verbessert und sich auf neue Zielgruppen ausgerichtet. Als Beispiele nennt der Minister neben Sankt Peter-Ording auch Burgtiefe auf Fehmarn. In Plön zeige sich mit dem Umbau der „Fegetasche“ in das „Lake House“ neue Dynamik.

Schleswig-Holstein bei Übernachtungen bundesweit auf siebtem Platz

Geschwächelt hat Schleswig-Holstein im ersten Halbjahr in den Monaten März und Mai. Grund waren die Osterfeiertage, die dieses Jahr in den April fielen, und ein kühler Mai.

„Insgesamt sind wir aber stärker gewachsen als der Bundesdurchschnitt“, betonte Buchholz. In Deutschland wurden im ersten Halbjahr 222,4 Millionen Übernachtungen verzeichnet, laut Statistikamt war das ein Plus von 3,8 Prozent. Im Ländervergleich liegt Schleswig-Holstein auf Platz sieben, direkt vor Mecklenburg-Vorpommern.

Keine Angst vor Konkurrenz aus Mecklenburg-Vorpommern

Dort wuchs das Volumen der Übernachtungen allerdings mit 14,5 Prozent deutlich kräftiger als hier. Angst, dass das Nachbarland überholen könnte, hat Bunge dennoch nicht. Der hohe Zuwachs in Mecklenburg-Vorpommern erkläre sich durch eine Berichtskreiserweiterung, wegen der nun deutlich mehr Betriebe als zuvor in der Statistik auftauchten. Real liege das Wachstum dort zwischen drei und vier Prozent.

Gemeinsam an der Spitze liegen die Ostseeländer bei der Aufenthaltsdauer: 3,7 Tage bleiben Urlauber im Schnitt im Norden und damit deutlich länger als überall sonst.

Gäste kommen vor allem aus dem Inland

Die meisten Gäste sind Deutsche, nur 6,6 Prozent reisen aus dem Ausland an. Am beliebtesten ist das Land unter den Nordrhein-Westfalen, die ein Fünftel der Übernachtungsgäste ausmachen. Dahinter kommen Niedersachsen und Schleswig-Holsteiner.

Beim internationalen Publikum überwiegen Dänen, Schweden und Schweizer. „Hier liegt noch viel Potenzial“, sagt Bunge. Auch bei Tagungsgästen und in der Nebensaison lasse sich noch einiges herausholen. Für das Gesamtjahr sagt sie ein Wachstum von bis zu fünf Prozent voraus. Buchholz zeigte sich verhaltener, weil Juli und August nicht so warm waren wie im Vorjahr.

"Overkill" droht laut Minister nicht

Kurz vor einem Tourismus-„Overkill“ sieht der Minister Schleswig-Holstein nicht. Zwar könne es an heißen Tagen an den Stränden schon eng werden, das sei aber kein Normalzustand.

Zudem habe sich die Zahl der Übernachtungsangebote nicht gesteigert, deren Auslastung und Qualität habe sich lediglich verändert. Insgesamt rund 4000 Betriebe mit knapp 230.770 Betten gibt es im Land Schleswig-Holstein.

Mehr Nachrichten aus der Wirtschaft lesen Sie hier.

Die Regierung hat zur Einheitsfeier in Kiel ein besonderes Lockangebot entwickelt. Besucher des Volksfestes am 3. Oktober sollen aus ganz Schleswig-Holstein gratis mit der Bahn in die Landeshauptstadt fahren können. Der Vertrag mit den Bahnunternehmen steht kurz vor dem Abschluss.

Ulf Billmayer-Christen 27.08.2019

Unter Schleswig-Holsteins Grünen gilt sie als aufgehender Stern. Aminata Touré hat es geschafft, binnen kürzester Zeit auch in den überregionalen Medien eine Aufmerksamkeit zu erregen. An diesem Mittwoch soll die Frauen- und Migrationspolitikerin zur neuen Vize-Parlamentspräsidentin gewählt werden.

Christian Hiersemenzel 27.08.2019

Die Kieler Bucht wurde im Zweiten Weltkrieg mit tausenden Minen verseucht. Viele dieser Minen sind auch fast 74 Jahre nach Kriegsende noch unentdeckt in der Ostsee. Seit Montag hilft deshalb die Nato den deutschen Behörden bei der Suche nach Altlasten vor Kiel.

Frank Behling 27.08.2019