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Schleswig-Holstein Auch jetzt noch günstiger als ein Neubau
Nachrichten Schleswig-Holstein Auch jetzt noch günstiger als ein Neubau
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18:29 27.03.2018
Von Stephan Ures
Die "Gorch Fock" wurde in Elsfleth im Januar 2016 entmastet. Quelle: Behling, Frank
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Kiel

„Der Zustand der ,Gorch Fock' war einfach schlechter als erwartet“, sagte der Sprecher im Verteidigungsministerium für Angelegenheiten der Marine. Sein Kollege von der Marine selbst bestätigt die scheibchenweise Feststellung immer neuer Schäden am Schiff. Schließlich habe es - offenbar anders als bei früheren Reparaturaufenthalten - eine „hundertprozentige“ schiffbauliche Untersuchung gegeben. „Dabei wurde wirklich alles angeguckt, und das braucht seine Zeit“ - eben auch an Stellen, die im üblichen Betrieb nicht sichtbar oder zugänglich sind.

Der Reparaturbetrieb selbst, die Elsflether Werft AG, äußert sich prinzipiell nicht zu den Millionenauftrag und verweist ihrerseits auf die Bundeswehr. Das Unternehmen kennt sich mit der „Gorch Fock“ durchaus aus. Nach Angaben des Betriebs war das Schiff seit 2000 achtmal in der Werft.

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Der Marinesprecher zählt zahlreiche Kostentreiber für die jetzt finanziell aus dem Ruder gelaufene Schiffsüberholung auf: 80 Prozent der Schiffsaußenhaut werden erneuert, ebenso das Teak-Oberdeck und das Zwischendeck, die Takelage. Dazu kommen die Liegekosten im Dock, nach Informationen dieser Zeitung ist von 100000 Euro pro Woche die Rede. Allein das macht bis zur geplanten Fertigstellung im Frühjahr 2019 einen zweistelligen Millionenbetrag aus.

Außerdem wird nach den Worten des Marinesprechers die mittlerweile rund zweijährige Schiffsliegezeit genutzt, um nun Arbeiten auszuführen, die eigentlich erst in späteren Jahren fällig gewesen wären - auch das macht die Angelegenheit kostspieliger als anfangs berechnet. So werden Dieselantrieb und Radaranlage überholt.

Zum jetzigen Zeitpunkt brächte ein Abbruch der Arbeiten am Schiff ohnehin keinen finanziellen Vorteil mehr. Die bereits erledigten Reparaturen einschließlich eines Abwrackens der „Gorch Fock“ würden laut Bundeswehr rund 60 Millionen Euro kosten, dazu käme ein voraussichtlich dreistelliger Millionenbetrag für einen Neubau. Der „Point of no return“ sei also erreicht, erklärte der Marine-Sprecher.

Uwe Straehler-Pohl 27.03.2018
Imke Schröder 27.03.2018