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Schleswig-Holstein Die Jäger der verlorenen Handys
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07:00 15.10.2017
Von Niklas Wieczorek
Teures Smartphone verschwunden? Apps können helfen, die Geräte wiederzufinden. Quelle: Ulf Dahl, Montage: Lina Schlapkohl
Schönberg

Kann eine App die Unschuldsvermutung beiseite wischen? Darf die Polizei die Staatsanwaltschaft ankündigen, nur weil die Suchfunktion eines Smartphones darauf hindeutet, dass sich ein vermisstes Gerät im Haus befindet? Ein ebenso überraschender wie unangenehmer Besuch an der Tür in Schönberg wirft Fragen auf. Die Suche nach Antworten ist gar nicht so einfach.Es ist 19.30 Uhr, als es an der Haustür in Schönberg klingelt. Die Bewohnerin ahnt nichts Böses, als sie öffnet. Vor ihr stehen eine Frau und deren Tochter, halten ihr ein Smartphone mit einer blinkenden Ortsnadel im Display vor die Nase und verlangen die Herausgabe eines verlorenen iPhones. Es gehöre ihrer Tochter, sei verschwunden, müsse sich aber in diesem Haus befinden – so zeige es die Such-App des anderen Geräts an. Und das könne sich ja wohl nicht irren. Ein wenig Jagdfieber schwingt da mit, wie die Bewohnerin meint.

Um es gleich zu verraten: Das gesuchte iPhone befand sich nicht in diesem Haus. Die Tochter war zuvor in einem Discounter gewesen und hatte es dort offenbar schlicht verloren. Doch das wusste zu diesem Zeitpunkt niemand. Wie auch? Gar nicht so leicht, die ungeladenen Gäste zum Gehen zu bewegen. Die gaben sich auch nicht geschlagen, sondern versuchten es im Nachbarhaus – wo eine über 80-Jährige wohnte.

Damit nicht genug: Gegen 22 Uhr klingelt es erneut an der Tür in Schönberg. Diesmal stehen zwei Polizeibeamte aus Lütjenburg davor. Man müsse miteinander reden, heißt es vorwurfsvoll. Die Ermittler werden hereingelassen – und zeigen sofort kriminalistischen Spürsinn. Es stehen ja Namen von Kindern am Klingelschild. Die könnten doch ohne Wissen der Eltern das Gerät haben. Doch die Spur ist kalt. Der Nachwuchs ist längst ausgezogen. „Wir haben uns überzeugt: Sie sind vernünftige Leute“, sagt einer der Polizisten kurz vor dem Abgang, weist dann allerdings noch einmal darauf hin, dass nun die Staatsanwaltschaft ermitteln werde.

Dann löst sich die Geschichte auf. Das Handy eines der Beamten klingelt: Das verlorene Smartphone ist im Discounter gefunden worden. Na dann. „Entschuldigung und schönen Abend noch.“ Der Frau aus Schönberg wird später auf Nachfrage gesagt, sie müsse Verständnis haben – Smartphones seien heute so wichtig. Da könne doch jemand mal in der Tür stehen. Doch ganz so einfach ist es nicht.

„Wir müssen hier sorgfältig abwägen“, sagt Dennis Schneider vom Landespolizeiamt. „Die Standortinformation einer solchen App kann im Einzelfall hilfreich sein.“ Praxis sei aber, „dass den Kern der Ermittlungen andere, konkrete Erkenntnisse bilden. Zum Beispiel eine Personenbeschreibung“. In zwei vergleichbaren Fällen aus Kiel reagiert die Polizei denn auch ganz anders als in Schönberg. Einmal heißt es von der Polizei, dass man sich mit der Verwertbarkeit solcher technischer Informationen nicht auskenne. Im zweiten Fall wollen die Beamten nicht alle Menschen in den vier infrage kommenden Häusern nachts aus dem Bett klingeln.

Denn auch das bestätigt Schneider: „Die Erfahrung zeigt eine Ungenauigkeit, zum Beispiel in dicht bebauten Gebieten.“ Rechtlich sei die Sachlage ohnehin eindeutig: Es ergebe sich durch das Anzeigen einer App kein Betretungsrecht für eine Wohnung. Die Unschuldsvermutung steht also offensichtlich nicht zur Debatte: In jedem Fall ist der Hinweis auf die Verhaltensweisen sinnvoll, die der iPhone-Hersteller Apple selbst auf seiner Homepage vorschlägt: „Melden Sie den Verlust oder Diebstahl des Geräts bei der örtlichen Polizeidienststelle.“

Dumm nur, dass sich offenbar Apple selbst nicht immer daran hält: Aus dem Jahr 2011 gibt es Berichte, wonach sich der firmeneigene Sicherheitsdienst nach dem Verlust eines Prototyps in Begleitung von zwei Polizisten zu einer Privatwohnung aufgemacht haben soll, um diese zu durchsuchen. Später konnte die Polizei kaum aufklären, wer die Wohnung wirklich betreten hatte.

Bei einem schweren Unfall in Kaaks (Kreis Steinburg) ist am Freitagabend ein 44 Jahre alter Mann gestorben. Der Mann war mit seinem Transporter auf einer Landstraße unterwegs, als er aus noch ungeklärter Ursache auf einen Traktor mit Anhänger auffuhr, wie die Polizei am Sonnabend mitteilte.

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