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Schleswig-Holstein Viele Klinikärzte wollen Arbeit aufgeben
Nachrichten Schleswig-Holstein Viele Klinikärzte wollen Arbeit aufgeben
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19:00 28.08.2019
Von Heike Stüben
Immer mehr Ärzte fühlen sich durch die Arbeitsverdichtung in Kliniken überlastet. Das zeigt die aktuelle Umfrage des Marburger Bundes in Schleswig-Holstein. Quelle: Sven Hoppe
Kiel

Die Umfrage richtete sich an die rund 8000 angestellten Ärztinnen und Ärzte in schleswig-holsteinischen Kliniken. 89 Prozent der Teilnehmer gaben an, sich überlastet zu fühlen. Vier von zehn Ärzten spielen mit dem Gedanken, ihre Arbeit in der Klinik aufzugeben.

Als Gründe wurden vor allem Personalmangel und eine hohe Arbeitsverdichtung genannt. Aber auch Organisationsmängel und eine schlechte Vereinbarkeit des Berufes mit der Familie werden für die Überlastungssituation mitverantwortlich gemacht.

Klinikärzte greifen zu Wachmachern

Das Ergebnis der Umfrage sei ein Alarmzeichen, das zum Handeln zwinge, erklärte der schleswig-holsteinische Vorsitzende des Marburger Bundes, Michael Wessendorf, vor der 70-Jahrfeier der Ärztegewerkschaft am Mittwoch in Kiel.  Eine Abwanderung von Ärzten aus Kliniken müsse unbedingt verhindert werden, um die Patienten künftig noch gut behandeln zu können.

Schon heute, so berichtete ein Arzt vor der Veranstaltung könne das Arbeitspensum manchmal nur noch mit Medikamenten geschafft werden. „Wenn man immer wieder Stunden über die Schicht hinaus arbeitet, weil noch Patienten auf dem Flur auf Behandlung warten, dann braucht man schon mal mehr als Kaffee, um wach und konzentriert zu bleiben.“ Er spüre, wie das Arbeitspensum auf Dauer auf seine Gesundheit gehe und ihn unzufrieden machen.

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Hochrisiko für Burn-Out bei jungen Ärzten

Dass dies kein Einzelfall ist, zeigt eine bundesweite Umfrage der Marburger Bundes (MB). Weil die Arbeitsbelastung zu hoch ist, sind inzwischen 70 Prozent der jungen Krankenhausärzte gefährdet, ein Burnout zu entwickeln. Mehr als jeder fünfte Klinikarzt greift mindestens einmal monatlich zu Medikamenten, um mit der Arbeitsbelastung zurechtzukommen.

„Das System funktioniert im Moment noch, weil die Ärzte und Pflegekräfte in den Kliniken geben, was sie können, weil sie nicht Dienst nach Vorschrift machen“, sagte Wessendorf.  Allein in Schleswig-Holstein arbeiteten 38 Prozent der befragten Krankenhausärzte 49 bis 59 Stunden pro Woche.

Verbindliche Personalvorgaben für Kliniken in Schleswig-Holstein

„Ohne zusätzliches Personal im ärztlichen Bereich wird sich an der Überlastungssituation nichts ändern. Wir brauchen dringend verbindliche Personalvorgaben in den Kliniken“, forderte der MB-Landesvorsitzende.  

Eine Ursache für die Misere sieht die Ärztegewerkschaft aber auch in den mangelnden Investitionen der öffentlichen Hand.

Mehr Investitionen von Bund und Land

„Bund und Land müssen ihrer Pflicht nachkommen, in Krankenhäuser zu investieren.“ Zurzeit müssten vielen Krankenhäuser fehlende Investitionsmittel selbst erwirtschaften. Das gehe oft nur noch über Personaleinsparung - auf Kosten der Mitarbeiter und zu Lasten einer optimalen Patientenversorgung.

Auch andere Ärzte berichten von Doppelschichten, Unterbesetzungen, zu vielen Diensten am Stück und abgesagten Urlaubsreisen. Da überlege man schon, in die Pharma-, Chemie- oder Lebensmittelbranche zu wechseln. Auch sie glauben: Nur mit gesetzlichen Personalvorgaben und attraktiven Arbeitsbedingungen können Krankenhäuser künftig noch genug Personal finden und vor allem halten.

Ein Drittel der Mediziner steigt nach dem Studium gleich aus

Von den fast 20000 jungen Leuten, die pro Jahr ihr Medizinstudium beenden, gehen laut Ärztegewerkschaft nur noch rund zwei Drittel in die Medizin. Und von diesen Ärztinnen und Ärzten wünschen sich in den ersten zwei Berufsjahren zwei Drittel der Frauen und bis zur Hälfte der Männer eine Verringerung ihrer Arbeitszeit.

„Es ist bedrückend zu sehen, wie schnell das jetzige System hoch motivierten Menschen einen Traumberuf verleidet“, sagte Wessendorf. Sein Fazit: „Bevor wir also für die Aufstockung der Medizinstudienplätze kämpfen, müssen die Arbeitsbedingungen an den Kliniken verbessert werden.“

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