Umfrage zur Maskenpflicht - Hauptsache, kein neuer Lockdown
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Schleswig-Holstein Einzelhändler und Gastronomen: Hauptsache kein neuer Lockdown
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Umfrage zur Maskenpflicht - Hauptsache, kein neuer Lockdown

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21:06 23.10.2020
Für Silke Aumann vom Schuhgeschäft Aumann in der Holtenauer Straße ändert sich nichts: Sie trägt schon lange Maske im Geschäft - aus Solidarität mit den Kunden.
Für Silke Aumann vom Schuhgeschäft Aumann in der Holtenauer Straße ändert sich nichts: Sie trägt schon lange Maske im Geschäft - aus Solidarität mit den Kunden. Quelle: eis - Thomas Eisenkrätzer
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Kiel

Bei Einzelhändlern und Gastronomen in Kiel herrscht prinzipiell Einigkeit, dass die Maskenpflicht für das Personal dazu beitragen kann, einen erneuten Lockdown zu verhindern. Glücklich über das Tragen eines Gesichtsschutzes ist dennoch nicht jeder.

Edeka-Mitarbeiter waren genervt, aber verständnisvoll

Im Edeka-Markt am Asmus-Bremer-Platz in der Kieler Holstenstraße hätten die Mitarbeiter „genervt, aber mit Verständnis“ auf die Maskenpflicht reagiert, berichtet Marktleiterin Simone Höppner. „Die Kollegen werden weniger Sauerstoff bekommen und abends sicherlich noch müder sein.“

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In dem Supermarkt müssen ab heute auch die Mitarbeiter an der Kasse einen Gesichtsschutz tragen. Zwar sieht die Landesverordnung vor, dass das Personal von der Maskenpflicht ausgenommen ist, wenn es hinter einer Plexiglasscheibe arbeitet, die es von drei Seiten umgibt. Im Edeka in der Holstenstraße gibt es aber nur eine Trennwand an der Kasse.

Im Schuhladen Aumann wird schon lange Maske getragen

Schon lange dagegen setzt Silke Aumann eine Maske auf. „Ich trage sie von Anfang an, aus Solidarität den Kunden gegenüber und weil es mir Sicherheit gibt“, sagt die Inhaberin vom Schuhladen Aumann Authentics. „Ich finde es auch nicht anstrengend.“

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Gleichzeitig sagt Aumann, dass sie sich in einer „privilegierten Lage“ befinde. Da ihr Geschäft an der Holtenauer Straße liegt und nicht in einem Einkaufszentrum, kann sie besser lüften und in einer ruhigen Minute vor den Laden treten, um die Maske im Freien abzusetzen.

Im Restaurant ist kaum Zeit durchzuatmen

Diese Möglichkeit haben Dilek Tarhanaci-Schulte und ihre Mitarbeiter im Restaurant Goldwasser eher seltener. „Bei uns ist es oft hektisch, da haben wir wenig Zeit für Pausen, um die Masken abzunehmen.“

Bislang trägt das Personal im Goldwasser keinen Gesichtsschutz. Die Inhaberin geht davon aus, dass ihre Angestellten eine körperliche Belastung spüren werden. Dennoch kann Tarhanaci-Schulte den Beschluss grundsätzlich nachvollziehen. „Die Infektionszahlen steigen, und wir wollen nicht wieder schließen müssen.“

Gastronomin hat Angst vor der Angst

Die Gastronomin spricht aber auch von einer Gratwanderung. „Die Politik muss vorsichtig sein, nicht zu viel Angst zu schüren, und gleichzeitig dafür sorgen, dass die Wirtschaft nicht lahmgelegt wird.“ Tarhanaci-Schulte befürchtet, dass durch die verschärfte Maskenpflicht Restaurant-Besucher abgeschreckt werden zu kommen. Denn auch für die Gäste gilt ab Sonnabend in der Gastronomie nun überall eine Maskenpflicht, solange sie nicht am Tisch sitzen.

Lehrer dürfen weiter Faceshields tragen

Ein Faceshield dürfen sie dabei allerdings nicht mehr tragen, denn ein Gesichtsschild ist auf Empfehlung des Robert-Koch-Instituts verboten worden. Ausnahmen gibt es allerdings: So können Lehrer weiterhin ein Kunststoffvisier benutzen, damit die Schüler die Mimik erkennen. Auch können Menschen, die durch ein Attest von der Maskenpflicht befreit sind, weiterhin Gesichtsschilder verwenden.

Beim Friseur bleibt alles beim Alten

Keine Auswirkung hat die neue Verordnung dagegen auf Dienstleister, die berufsbedingt nah am Gesicht von Kunden arbeiten. Denn dort müssen bereits Masken getragen werden. Das gilt sowohl für das Personal - etwa bei Friseuren und Kosmetikerinnen - als auch für die Kunden. „Sie dürfen diese nur dann absetzen, wenn es darum geht, Augenbrauen oder Wimpern zu färben oder den Bart zu rasieren“, sagt Hartmut Klotz, Obermeister der Friseur- und Kosmetik-Innung Kiel.

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Man befolge weiter die Vorgaben der Berufsgenossenschaft: Die Kollegen seien verpflichtet, eine Alltagsmaske aufzusetzen, wenn sie seitlich oder hinter den Kunden stehen. „Sobald es um das Gesicht geht und die Kunden ihre Maske absetzen, müssen Friseure eine FFP2-Maske plus Faceshield tragen.“ Ja, das sei anstrengend. „Und wir hören von Kunden, dass sich einige Kollegen nicht an die Vorgaben halten. Das geht gar nicht. Ein erneuter Lockdown wäre für unsere Branche eine Katastrophe.“

Physiotherapeuten werden Masken empfohlen

In physiotherapeutischen Praxen sollen Therapeuten und Patienten laut Berufsgenossenschaft für Gesundheit und Wohlfahrtspflege (BGW) Mund-Nasen-Schutzmasken tragen, wenn ein Mindestabstand von 1,5 Metern nicht eingehalten werden kann. Finden Behandlungen im Kopfbereich statt, empfiehlt die BGW mindestens eine FFP2-Maske plus ein Gesichtsschild oder eine Schutzbrille.

Für Zahnärzte gelten unabhängig von der Landesordnung - und von Corona - eigene Hygiene- und Arbeitsschutzstandards. „Bei der Behandlung von Patienten ist der Mund-Nasen-Schutz für Ärzte und Helferinnen obligatorisch“, sagte Michael Fischer, Sprecher der Landes-Zahnärztekammer.

von Steffen Müller und Christian Hiersemenzel

Heike Stüben 23.10.2020
KN-online (Kieler Nachrichten) 23.10.2020
Tanja Köhler 23.10.2020