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Schleswig-Holstein Unfallkommission: Leerer Trailer könnte Unglück ausgelöst haben
Nachrichten Schleswig-Holstein Unfallkommission: Leerer Trailer könnte Unglück ausgelöst haben
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17:37 02.01.2019
Ein Polizist steht vor dem beschädigten Güterzug, nahe der Brücke über den Großen Belt bei Nyborg. Quelle: Michael Bager/Ritzau Scanpix/dpa
Kiel/Kopenhagen

Bei dem schweren Zugunglück in Dänemark sind am Mittwochmorgen mindestens sechs Menschen gestorben. Die Polizei bestätigte am Mittag entsprechende Angaben der Dänischen Staatsbahn (DSB). Die Rettungskräfte sind im Großeinsatz. Mindestens 16 Menschen sind laut Polizei schwer verletzt worden. Der DSB zufolge waren 131 Passagiere und drei Besatzungsmitglieder an Bord.

Zu dem Unglück kam es am Mittwochmorgen gegen 7.30 Uhr auf einer Zufahrtsbrücke zur eigentlichen Brücke über den Großen Belt (Storebælt). Der Personenzug war auf dem Weg von Fyn nach Sjælland/Kopenhagen. Auf der Brücke soll der Zug "hart gebremst haben", wie Medien in Dänemark berichten.

Deutscher Güterzug an Unglück beteiligt

Bo Haaning von der zuständigen Unfallkommission sagte nach Angaben der dänischen Nachrichtenagentur Ritzau, ein leerer Trailer sei am Mittwochmorgen vermutlich umgekippt oder von dem Güterzug heruntergeweht worden. Er habe den entgegenkommenden Personenzug entweder frontal oder seitlich gerammt. Eine andere Variante, die im Raum steht, geht von herabstürzenden Bierkisten aus. Wie sich der Unfall genau zugetragen hat, ist derzeit noch unklar. 

Bei dem Güterzug handelt es sich laut Deutscher Bahn um einen Zug ihrer Tochter DB Cargo. Die Deutsche Bahn will die Behörden vor Ort bei den Untersuchungen des Zugunglücks unterstützen. Das sagte ein Konzernsprecher am Mittwoch in Berlin. "Wir sind sehr betroffen über das tragische Zugunglück", fügte er hinzu. "Unsere Gedanken sind bei den Opfern und den Angehörigen."

Augenzeugen berichten in dänischen Medien

Reisende, die mit dem Zug unterwegs waren, schildern ihre Wahrnehmung des Unglücks unterdessen gegenüber dänischen Medien als Augenzeugen. Der Sender TV2 beispielsweise hat mit Li Peng gesprochen, die plötzlich ein lautes und ungewöhnliches Geräusch gehört hatte. "Das Geräusch wurde lauter und lauter und auf einmal waren drei Fenster kaputt", sagt sie. "Ich weiß nicht, was das war, aber der Zug fuhr noch. Es war schwer für mich, die Lage zu beurteilen. Etwa zwei Minuten lang wusste ich überhaupt nicht, was passierte." Sie habe sich sofort unter dem Sitz vor ihr verkrochen und dann abgewartet.

Die Zeitung „Politiken“ sprach mit dem Augenzeugen Simon Voldsgaard Tøndering, der sagte: „Plötzlich begann der Zug zu wackeln. Ich habe aus dem Fenster geschaut und Funken an den Seiten des Zuges schlagen gesehen. Glasscherben sind auf uns zugeflogen, die Deckenplatten lösten sich. Und dann wurde alles schwarz.“

Schlimmstes Zugunglück Dänemarks seit 1988

Nach Angaben der dänischen Nachrichtenagentur Ritzau handelte es sich um das schlimmste Zugunglück in Dänemark seit 1988. Nach Angaben der dänischen Nachrichtenagentur Ritzau handelte es sich um das schlimmste Zugunglück in Dänemark seit 1988. Damals waren in Sorø acht Menschen ums Leben gekommen sowie 72 verletzt worden.

Die Polizei der Region Fünen (Fyn) hatte um 12 Uhr eine Pressekonferenz eingeladen. Dabei riefen die Behörden die Allgemeinheit dazu auf, die Rettungsarbeiten nicht als Gaffer zu behindern. Denn die Brücke wurde zur Mittagszeit wieder für den Autoverkehr in beiden Richtungen freigegeben. Die Höchstgeschwindigkeit wurde herunter gesetzt. Die Zugstrecke wird hingegen noch den ganzen Tag über gesperrt bleiben.

Der Bahn- und Straßenverkehr zwischen den Inseln Seeland und Fünen war nach dem Unfall komplett unterbrochen. Das gab es so noch nie in der Geschichte des Landes.

Einer der wichtigsten Verkehrswege in Dänemark

Die 18 Kilometer lange Brücke über den Großen Belt wurde zuvor - wie auch die Öresundbrücke zwischen Dänemark und Schweden - wegen heftigen Windes für den Autoverkehr gesperrt. Die Große-Belt-Brücke ist eine reine Autobahn-Brücke. Der Zugverkehr geht auf Sprogö in einen Tunnel unter den Belt. Das Unglück ereignete sich auf einer Brücke, die der eigentlichen Belt-Brücke im Westen vorgelagert ist.

Die Brücke über den Storebælt verbindet die dänischen Inseln Fünen und Seeland (Sjælland) und ist damit einer der wichtigsten Verkehrswege in Dänemark. Auf Seeland liegt auch die Hauptstadt Kopenhagen. Viele Reisende aus Deutschland nutzen die Brücke, wenn sie mit dem Auto in die dänische Hauptstadt oder in Richtung Schweden fahren.

Zur Mittagszeit wurde an einem Ersatzverkehr mit Bussen gearbeitet, wie die DSB auf Twitter mitteilte. Züge werden frühestens ab Donnerstag wieder fahren, hieß es.

Königshaus und Ministerpräsident betroffen 

Die dänische Königin Margrethe II. hat mit großer Betroffenheit auf das schwere Zugunglück reagiert. Das Unglück berühre sie zutiefst, erklärte sie am Mittwoch auf der Webseite des Königshauses. „Meine Gedanken und mein tiefstes Mitgefühl gehen sowohl an die Hinterbliebenen und ihre Familien als auch an die Verletzten.“

Dänemarks Ministerpräsident Lars Løkke Rasmussen reagiert betroffen auf das Unglück auf dem Großen Belt: „Ganz gewöhnliche Dänen, auf dem Weg zur Arbeit oder auf der Heimreise von den Weihnachtsferien, haben ihr Leben verloren. Es ist zutiefst unglücklich.“

Auch EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker richtet Familien und Freunden der Opfer sein Beileid aus.

Am Mittwochmorgen hat es unweit der Brücke über den Großen Belt in Dänemark ein Zugunglück gegeben.

Sturm hatte Skandinavien hart getroffen

In der Nacht zu Mittwoch hatte heftiger Wind bereits in weiten Teilen Skandinaviens zu Stromausfällen und Verkehrsbehinderungen geführt. In Schweden waren am Mittwochmorgen wegen umgestürzter Bäume mehr als 100.000 Haushalte ohne Strom.

Flug-Passagiere können Tickets umbuchen

Fluggesellschaften wie SAS oder British Airways haben Reisenden unterdessen angeboten, ihre Flüge kostenlos umzubuchen, so sie wegen der Sperrungen in Dänemark nicht rechtzeitig zum Flughafen in Kopenhagen kommen.

Von Thomas Paterjey/Frank Behling/RND/dpa

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