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Schleswig-Holstein Patientin kritisiert Personalmangel
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09:15 31.07.2019
Von Heike Stüben
Stephanie Westphal aus Neumünster hat in der Notaufnahme des UKSH in Kiel stundenlang auf einen Gips warten müssen. „Da war einfach zu wenig Personal.“
Kiel/Neumünster

Der Fall zeigt für das UKSH, dass eine Entlastung der Notaufnahmen wie sie Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) plant, notwendig ist.

UKSH in Kiel: Keine Lebensgefahr

Natürlich, betont Stephanie Westphal, sei sie auf eine gewisse Wartezeit eingestellt gewesen – zumal an einem Mittwochnachmittag, wenn die Arztpraxen geschlossen sind. „Aber ich hatte erwartet, schnell etwas gegen meine Schmerzen zu bekommen.“ Stattdessen sei sie nach der Aufnahme in ein Zimmer geschoben worden. „Mir wurde gesagt, es sei nur ein Unfallchirurg da, das würde dauern.“

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Nach Angaben des UKSH wurde die Patientin um 15.41 Uhr aufgenommen und erhielt die vierte von fünf Dringlichkeitsstufen. Stufe 1 bedeutet: akute Gefahr – sofort behandeln. „Bei dieser Patientin bestand keine Lebensgefahr, ein Arztkontakt soll dann üblicherweise innerhalb von 90 Minuten erfolgen. An diesem Nachmittag und Abend musste das Team allerdings außergewöhnlich viele Notfälle mit einer höheren Priorisierung versorgen“, sagt UKSH-Sprecher Oliver Grieve.

Stephanie Westphal: "Irgendwann habe ich Rabatz gemacht"

Nach gut zwei Stunden sei der Arzt gekommen und habe das Röntgen angeordnet, erinnert sich Stephanie Westphal. „Dann habe ich wieder gewartet, bis ich endlich ein Schmerzmittel bekam.“ Nach der Dokumentation des Klinikums wurde sie um 18.23 Uhr geröntgt, ein Außen- und Innenbänderriss am Sprunggelenk festgestellt und ein Spaltgips verordnet. „Jetzt ging das Warten aber erst richtig los. Ich habe irgendwann Rabatz gemacht, weil ich ja nicht mal etwas zu trinken hatte. Auch ein Lkw-Fahrer mit einem Arbeitsunfall war stinksauer“, berichtet die 39-Jährige. Eine alte demente Dame jammerte so stark, dass ich dann zu ihr gehumpelt bin und etwas zu trinken gebracht habe. Auf das Klingeln hatte ja niemand reagiert.“

Neues Gesetz soll Notaufnahmen entlasten

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) will die Situation in Notaufnahmen entschärfen, Wartezeiten verkürzen und das Personal entlasten. „Derzeit sind die Notaufnahmen der Krankenhäuser zu häufig überlaufen, weil unter den Patienten auch solche sind, denen andernorts besser geholfen werden könnte“, begründet Spahn seinen Vorstoß. Zentraler Punkt seines Gesetzentwurfs ist die vorgeschaltete Trennung von Patienten – in echte Notfälle und solche, die in einer angeschlossenen Praxis oder später beim Haus- oder Facharzt behandelt werden können. Ein Gutachten des Göttinger Aqua-Instituts für angewandte Qualitätsförderung und Forschung im Gesundheitswesen hatte festgestellt, dass jeder dritte Patient nicht in eine Notaufnahme gehört. Für Stephanie Westphal galt das allerdings nicht.

UKSH-Sprecher Grieve sagt dagegen, dass auf Klingelrufe routinemäßig zeitnah reagiert wird. „Wir bedauern daher die Erfahrung der Patientin und wollen solche Situationen selbstverständlich im gesamten Team vermeiden.“ Es gebe aber eine zentrale Stelle, wo sich Patienten Wasser holen können, bei Bedarf werde es auch zu den Patienten gebracht. „Viele Patienten müssen allerdings nüchtern bleiben, weil eine Intervention oder OP ansteht.“

UKSH in Kiel weist auf die bundesweit angespannte Situation hin

Unstrittig ist, dass Stephanie Westphal irgendwann genervt die Notfallaufnahme verlassen hat, weil sie immer noch keinen Gips hatte. Das UKSH sagt, das sei um 24 Uhr gewesen. Stephanie Westphal sagt, es sei bereits gegen halb zwei Uhr nachts gewesen. „Ich konnte einfach nicht mehr. Ich finde, mit so einer personellen Ausstattung kann die Zentrale Notaufnahme eines Maximalversorgers nicht funktionieren.“

Im UKSH weist man auf die bundesweit angespannte Situation in Notaufnahmen hin. Oft seien Ärzte und Pflegekräfte im Schockraum oder Eingriffsraum mit Patienten in lebensbedrohlichem Zustand beschäftigt – das könnten die Patienten in den Zimmern natürlich nicht sehen. „Dennoch nehmen wir die Beschwerde sehr ernst.“

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