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Schleswig-Holstein Unwetterschäden: Häuser einsturzgefährdet
Nachrichten Schleswig-Holstein Unwetterschäden: Häuser einsturzgefährdet
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15:26 11.05.2018
Feuerwehrleute pumpen in Hamburg-Lohbrügge nach einem Unwetter mit starkem Regen Wasser ab. Quelle: Daniel Bockwoldt/dpa
Hamburg

Die Kraft der Wassermassen hat furchtbare Spuren hinterlassen: Der Parkplatz eines Hauses im Hamburger Stadtteil Lohbrügge ist weggerissen, zurück bleibt ein riesiges Erdloch. Darin liegt ein umgekipptes Auto. Das angrenzende weiße Mehrfamilienhaus einer Genossenschaft ist nicht mehr bewohnbar, denn die Seite ist aufgerissen. "Man steht so unter Schock", sagt Anwohnerin Julia Knobloch, ihre Augen füllen sich mit Tränen. In ihre Wohnung kann sie erst einmal nicht zurück: Einsturzgefahr.

Das starke Unwetter in Teilen Hamburgs und Schleswig-Holsteins hat am Vatertag große Schäden angerichtet. Die Feuerwehr war im Dauereinsatz, auch am Freitag liefen die Arbeiten mancherorts noch weiter. „Zur Zeit ist noch Action“, sagte am Mittag Feuerwehrsprecher Christian Höft in Oststeinbek (Kreis Stormarn) östlich von Hamburg. Rund 200 Einsätze wurden allein in der 9000-Seelen-Gemeinde gezählt, verletzt wurde aber niemand. „Es wurde durchgepumpt, es gab keine Pause heute Nacht.“

Schwerpunkte des Unwetters bei Quickborn

Dabei hatte der Donnerstag so sonnig begonnen, doch am Nachmittag krachte es heftig. Aber nur sehr lokal, im Westen von Hamburg etwa war kaum etwas zu spüren. Nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes (DWD) gab es zwei Schwerpunkte: Im Hamburger Osten und bei Quickborn. „Der Hotspot in Hamburg-Billstedt hatte maximale Niederschlagsmengen von bis zu 80 Liter pro Quadratmeter innerhalb von zwei Stunden“, sagte DWD-Meterologe Karsten Kürbis. „Das ist ein sehr seltenes Ereignis, dass es so extreme Mengen gibt in kurzer Zeit.“ Hagel mit einem Durchmesser von etwa drei bis vier Zentimetern sei heruntergekommen. „Das ist schon heftig“, betonte Kürbis.

Hier finden Sie Fotos vom Unwetter in Norddeutschland.

Knapp 1200 Einsätze verzeichnete die Hamburger Feuerwehr. Im Stadtteil Lohbrügge hinterließ die Kraft der Wassermassen an Himmelfahrt furchtbare Spuren: Der Parkplatz eines Mehrfamilienhauses mit neun Wohnungen wurde weggerissen, zurück blieb ein riesiges Erdloch. Darin lag ein umgekipptes Auto. Die Anwohner mussten das Haus sofort verlassen, denn die Hauswand ist aufgerissen. Es bestand Einsturzgefahr. Sie kamen bei Verwandten und Bekannten unter.

Menschen in Autos eingeschlossen

„Man steht so unter Schock“, sagte Bewohnerin Julia Knobloch, die Augen der 25-Jährigen füllten sich mit Tränen. „Man hat Angst um die Erinnerungsstücke, die man wiederhaben möchte.“ Die Mieter durften zwar am Freitag noch nicht zurück in ihre Wohnungen, Helfer holten aber mehrere Tiere aus dem Haus. Ob es noch einmal bewohnbar sein werde, müsse noch geprüft werden, sagte Markus Tanne vom Vorstand der Baugenossenschaft Bergedorf-Bille.

Straßen standen bis zu einem Meter unter Wasser, wie die Feuerwehr berichtete. Im Bereich Lohbrügge/Bergedorf waren mehrere Menschen auf überschwemmten Straßen in Autos eingeschlossen. Einen Rollstuhlfahrer brachten die Rettungskräfte aus seiner Wohnung, in der das Wasser mehr als einen halben Meter hoch stand, in Sicherheit. Die Regenmassen sorgten für zahlreiche überflutete Keller. Auch im Unfallkrankenhaus Boberg musste der Keller leer gepumpt werden. Der Betrieb war nach Angaben der Behörden aber nicht gefährdet.

B5 teilweise komplett gesperrt

Die Bundesstraße 5 war zeitweise komplett gesperrt. Im Stadtteil Berne musste die Strecke der U1 über 300 Meter dichtgemacht und der Bahndamm gesichert werden. Die Hochbahn richtete einen Ersatzverkehr zwischen den Stationen Berne und Farmsen ein.

Die Veranstalter des 829. Hafengeburtstages hatten derweil Glück: „Es war, als ob ein Schutzschild über dem Hafengeburtstag gelegen hätte“, sagte DWD-Meteorologe Robert Scholz. Die Landungsbrücken blieben bis auf einige Regentropfen verschont.

Oststeinbek im Ausnahmezustand

Ein starker Gewitterschauer löste auch im Kreis Pinneberg in Quickborn und der Gemeinde Hasloh Dutzende Feuerwehreinsätze aus. Ab dem Nachmittag seien rund 130 Einsatzkräfte mehrerer Freiwilliger Feuerwehren und des Technischen Hilfswerks Barmstedt ausgerückt, teilte der Kreisfeuerwehrverband Pinneberg mit.

Oststeinbek im Ausnahmezustand“, hieß es bei der dortigen Freiwilligen Feuerwehr. Flüsse und Bäche schwollen wegen der Regenfälle enorm an, aus Gullys sprudelte es. Eine historische Wassermühle sei unbewohnbar, es bestehe Einsturzgefahr, sagte Feuerwehrsprecher Höft. „Ein solches Unwetter haben wir in den letzten Jahrzehnten nicht erlebt.“

Für Krankenhäuser und Altenpflege-Anbieter leiden immer mehr unter dem Fachkräftemangel: Ein Heim im Kreis Segeberg muss aus Personalmangel schließen. Andere reduzieren den Betrieb. Ein Branchencheck im Auftrag der Landesregierung belegt, wie brisant die Personalnot in der Altenpflege im Land ist.

Heike Stüben 11.05.2018

Der Fachkräftemangel in Pflegeberufen verschärft sich. Nach zwei ähnlichen Fällen im Kreis Segeberg 2016 und 2017 muss das Pflegeheim Haus Diana in Seekamp (Seedorf/Kreis Segeberg) zum 30. Juni schließen. 30 Heimbewohner benötigen eine neue Bleibe.

Gerrit Sponholz 11.05.2018

Schwere Gewitter haben im Norden an Himmelfahrt für zahlreiche Polizei und Feuerwehreinsätze gesorgt. Im Hamburger Stadtteil Lohbrügge herrschte zeitweise der Ausnahmezustand. Außerdem musste ein Abschnitt der Bundesstraße 5 komplett gesperrt werden. Auch in Kiel standen Keller unter Wasser.

10.05.2018