Menü
Kieler Nachrichten | Ihre Zeitung aus Kiel
Anmelden
Schleswig-Holstein Andere Wege zu sich selbst
Nachrichten Schleswig-Holstein Andere Wege zu sich selbst
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
13:11 26.11.2014
Foto: Wie dieses schwule Paar demonstrieren Homosexuelle jährlich am Christopher Street Day gegen Ausgrenzung.
Wie dieses schwule Paar demonstrieren Homosexuelle jährlich am Christopher Street Day gegen Ausgrenzung. Quelle: dpa
Anzeige
Kiel

Diese Frage würden die meisten Eltern nach kurzem Überlegen verdrängen: „Was würden wir tun, wenn unser Kind sich als schwul, lesbisch oder transsexuell outen würde?“ Warum sollten gerade sie ein Kind haben, dass aus der Reihe tanzt, wenn es um die sexuelle Orientierung geht? Eine Frage, die man ohne Probleme mit einer Gegenfrage beantworten kann.

 Denn: Warum sollten gerade sie ein Kind haben, das mit dem Strom schwimmt? Gibt es den Strom eigentlich noch? Verschiedene Umfragen ergeben, dass mehr als 20 Prozent der Jugendlichen in Deutschland sich schon häufiger Gedanken über eine mögliche Bi- oder Homosexualität gemacht haben, wobei die Dunkelziffer erheblich höher ist.

 Für die Jugendlichen, die sich auf den Weg der Selbstfindung begeben, sind Gespräche mit Gleichgesinnten wichtig. Ohne sie werden viele psychisch krank, kapseln sich ab und entwickeln extremen Selbsthass. Auch in der heutigen Zeit fällt es Jugendlichen nicht leicht „anders zu sein“. Um das zu verhindern, bietet der Verein Haki in Kiel jungen Menschen seit 1991 zwei Gruppen für 14- bis 27-Jährige an.

 Zwischen den Jugendlichen und jungen Erwachsenen herrscht dort eine angenehme Atmosphäre. Das Gespräch begann der 32-jährige Gruppenleiter, der sich selbst als schwulen Mann bezeichnet: „Homosexualität wurde in meinem Elternhaus nie thematisiert, auch nicht negativ belastet, aber eine Option war es nie.“ Nadja (17) erzählte, dass einige ihrer Bekannten lesbische Frauen „total geil“, schwule Jungs und Männer aber total „eklig“ finden. Außerdem muss sie sich oft Sätze wie „du bist viel zu heiß, um lesbisch zu sein“ anhören, wenn junge Männer sie ansprechen. Ein anderes Mädchen erzählte, dass ihre Eltern sie sehr offen erzogen haben, was Homosexualität anbelangt. Trotzdem hätte sie Angst vor ihrem Outing als bisexuell gehabt, da diese Sexualität schnell als „entscheidungsunfähig“ gelte.

 Der Gruppenleiter, der interessiert zugehört hatte, berichtete weiter, dass Schwulenfeindlichkeit in den Neunzigern zur Tagesordnung gehörte. Schwule galten oft als krank und es war „das Thema“, wenn er darüber geredet hat. Lea (24), die als Junge geboren ist, erzählte, dass sie weitgehend positive Rückmeldungen bekommen hat. Ein Arzt habe ihr aber gesagt, dass sie zu schlau sei, um nicht zu kapieren, dass Transsexualität Schwachsinn sei. Als Junge, der sich vor Freunden zuerst als schwul geoutet hatte, merkte sie schnell, dass Homosexualität im Sport vor allem unter pubertierenden Jungen ein Tabuthema ist.

 Am Telefon sagte die 21-jährige Michelle, die Pastorin werden möchte, dass sie sich für ihre Sexualität gegenüber Kommilitonen oft rechtfertigen müsse. Für sie sei das aber kein Grund, in irgendeiner Weise zu verheimlichen, dass sie seit mehreren Jahren in einer glücklichen, lesbischen Beziehung lebt. Was ihre Beziehung zu Gott angeht, äußerte sie: „Ich glaube uneingeschränkt an Gott, was mir in vielen Lebenslagen eine große Hilfe war. Ich fühle mich nie alleine auf meinem Weg, der zum größten Teil noch in den Sternen steht. Gott liebt alle Menschen, sieht das Gute in ihnen. Warum sollte er mich für Gefühle verurteilen?“ „Was würden Sie tun, wenn Ihr Kind sich als schwul, lesbisch oder transsexuell outen würde?“ Eine Frage, die sich Eltern mit Gedanken an die Vielfalt des Lebens stellen sollten.

 Von Kim-Alina Kläve, Klasse 9b, Hebbelschule Kiel