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Schleswig-Holstein Transporter-Coup gibt weiter Rätsel auf
Nachrichten Schleswig-Holstein Transporter-Coup gibt weiter Rätsel auf
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10:00 19.03.2018
Von Niklas Wieczorek
Als der Transporter auf dem Hof der Sicherheitsfirma Prosegur in Melsdorf ankam, waren 2,3 Millionen Euro verschwunden. Quelle: Ulf Dahl
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Kiel

Wie sollte der Transport erfolgen? Am 24. Januar, einem Mittwoch, sollen zwei Fahrer des Sicherheitsunternehmens Prosegur ihren Transporter von einem Hamburger Gelände der Firma zur Zweigstelle in Melsdorf bei Kiel fahren. Die Fahrt beginnt am Nachmittag. Die Ermittler geben inzwischen an, dass die 2,3 Millionen Euro bei Fahrtantritt im Wagen gelegen haben, offenbar in Scheinen in drei Kassetten. Der Wagen fährt über die Autobahn 1, die A21 und die B404 und dann nach Melsdorf, wo er gegen 18 Uhr entladen werden soll.

Wie lief die Fahrt ab? Unterwegs halten die Fahrer zwischen 15.30 und 16 Uhr auf dem Rastplatz Rehbrook-Ost in Tremsbüttel (A1) und, wie kurz darauf bekannt wird, auch an einer Esso-Tankstelle in Kirchbarkau zwischen 16.30 und 17 Uhr (B404). Die Stationen waren nicht zwangsläufig eingeplant: Einem der beiden Fahrer war unwohl, er klagte über Magenschmerzen und verließ in Tremsbüttel den Wagen. In Kirchbarkau stiegen sogar beide aus dem Fahrzeug aus, so die Ermittler, und gingen möglicherweise zur nahen Tankstelle. Unbestätigten Informationen zufolge soll ein solcher Transporter dort häufiger gehalten haben.

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Welche Informationen gibt es zu Fahrern und zum Fahrzeug? Beide Fahrer sind nicht vorbestraft und bisher polizeilich nicht in Erscheinung getreten, so die Staatsanwaltschaft. Das Fahrzeug verfügt über einen Bordcomputer, ist gesichert, mit der Ortungstechnik GPS überwacht und mit Kameras, Nebelanlage und Alarmtechnik ausgestattet. Alle technischen Geräte wurden ausgewertet, beteuern die Ermittler.

Wie kam das Geld abhanden? Absolut rätselhaft ist, wie und wann das Geld aus dem Transporter verschwand. Erst in Melsdorf fiel auf, dass die Millionen fehlten – die Umstände sind aber nicht bekannt. Die Ermittler sicherten am Fahrttag Spuren am Wagen und am Tag darauf an den Stationen der Fahrt. Eine heiße Spur fanden sie nicht. Unklar ist auch, ob die Geldkassetten selbst mit Sicherheitstechnik ausgestattet waren.

Wer könnte hinter dem Verschwinden stecken? Die Fahrer haben für die Staatsanwaltschaft "den Status von Beschuldigten", so Bieler, "weil sie in dem Fahrzeug saßen, aus dem das Geld verschwunden ist". Es gibt keinen hinreichenden Tatverdacht, weshalb beide auf freiem Fuß sind. Ein Eindringen in den Wagen von außen wird ebenfalls für möglich gehalten. Ob auch eine Erpressung eines Fahrers oder des Unternehmens in Frage kommt, wollen die Ermittler nicht kommentieren.

Wer könnte Neues zu den Ermittlungen beitragen? Die Kriminalpolizei Neumünster und die Staatsanwaltschaft Kiel führen die Ermittlungen und hoffen auf weitere Zeugen, die vor allem das Geschehen an den Haltepunkten beobachtet haben könnten. Bisher, so Axel Bieler, gab es einen nennenswerten Hinweis, Details wollte er nicht nennen. Sollte es Mitwisser geben, könnte eine am 30. Januar von Prosegur ausgelobte Belohnung diese anlocken. 15.000 Euro gibt es bei der Ergreifung des Täters oder der Täter, 50.000 Euro bei Rückerhalt des Geldes. "Ich gehe davon aus, dass sich die Belohnung eher an das Umfeld des Täters oder der Täter richtet", sagte Oberstaatsanwalt Michael Bimler.

Wer haftet für den Schaden? Prosegur will sich mit dem Hinweis auf die laufenden Ermittlungen zu Versicherungsfragen nicht äußern. Branchenkenner verweisen darauf, dass es für einen Geldtransport neben der verpflichtenden Betriebshaftpflicht, die für Vermögens- und Personenschäden aufkommt, auch Geld- und Werttransportversicherungen gibt. Diese seien Nischenprodukte, und es werde nicht gerne über sie gesprochen. Im üblichen Schadensfall zahlten sie direkt an den aus, dessen Geld abhanden kam. Etwaige Regressansprüche, sollten dem Transportunternehmen Sicherheitsmängel nachgewiesen werden, müsste der Versicherer mit diesem klären.