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Schleswig-Holstein Kampf dem Behördensprech
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20:47 07.12.2015
Von Kathrin Mansfeld
Lothar Wiegand gibt Verwaltungsbeamten auf einem Workshop in Kiel Tipps für ein verständlicheres Amtsdeutsch. Quelle: Frank Peter
Kiel

Kiel. Einen Computer nennt der Verwaltungsbeamte elektronisches Datenverarbeitungssystem, die Rente ist für ihn eine wirtschaftliche Dauerleistung mit Versorgungscharakter. Lange Schachtelsätze, viele Fremdwörter und Phrasen machen das Lesen von Behördenbriefen oft zur Qual. Damit sich der Bürger in Zukunft besser in diesem Sprachdschungel zurechtfindet, trafen sich am Montag Vertreter der Sozialverwaltung, der Krankenkassen und von Banken zur Fachtagung der Bürgerbeauftragten für soziale Angelegenheiten in Kooperation mit dem Sozialverband Schleswig-Holstein (SoVD) in Kiel. Das Thema des Tages: Chancen und Grenzen einer verständlichen Behördensprache.

 „Im Moment sind wir regelrechte Dolmetscher für die Bürger. Die Sprache in den Briefen ist nicht verständlich, und es fehlt die passende Beratung“, sagt der Landesvorsitzende des SoVD, Wolfgang Schneider. Auch die Bürgerbeauftragte Samiah El Samadoni erhält immer wieder verzweifelte Anrufe von Menschen, die behördliche Schreiben nicht verstehen. „Ich arbeite daran, mich in diesem Punkt überflüssig zu machen“, sagt Samadoni, die sich schon länger dafür einsetzt, dass Behörden ihre Wortwahl überdenken. Die Fachtagung sei ein erster Schritt, um eine entsprechende Motivation in den Verwaltungen zu schaffen.

 Ein Beispiel aus Nordrhein-Westfalen macht den Organisatoren Mut. Der Kreis Soest arbeitet seit mehreren Jahren erfolgreich mit einer verständlicheren Sprache. In Zusammenarbeit mit ihren Kollegen hat Personalentwicklerin Ulrike Burkert acht Grundsätze erarbeitet, die seither für Briefe der Verwaltung im Kreis Soest gelten. Zuvor wurden die Mitarbeiter in Schreibwerkstätten intensiv geschult. „Von den Bürgern zu hören, dass sie verstehen, was wir schreiben, ist das größte Kompliment für eine Verwaltung“, erklärt Burkert. Solche Komplimente sollen bald auch Schleswig-Holsteins Beamte bekommen. Ein Workshop in Einzelgruppen vermittelte am Montag erste Ideen.

 Sprachcoach Lothar Wiegand kennt als langjähriger Ministeriumssprecher in Brandenburg die Hürden der Behörden. „Sprache ist Macht. Und auf diese Macht möchten manche nicht verzichten“, erklärt er den Teilnehmer der Fachtagung. Man brauche Mut, um sich gegen die traditionellen Textbausteine zu wehren. Bei den Anschreiben hat Wiegand vier Kernfehler ausgemacht: Verben werden oft zu Nomen, formuliert wird im Passiv, die Sätze sind zu lang und Fremdwörter zu häufig. „Es wäre ein wichtiges Signal, wenn wenigstens die Standardbriefe angepasst würden“, sagt Samadoni.

 Am Ende geht es ums Vertrauen. „Wenn ein Bürger regelmäßig das Gefühl hat, ein Anschreiben nicht zu verstehen, wird er Briefe bald gar nicht mehr öffnen“, sagt Burkert. Diesen Frust wollen die Ämter im Land nicht provozieren. „Wir erwarten nicht, dass sich gleich alles ändert. Wir erwarten aber, dass die Behörden sich bemühen“, sagt Schneider.

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