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Schleswig-Holstein Video zeigt: Dreiste Autofahrer wollen nicht warten, wenden in Rettungsgasse
Nachrichten Schleswig-Holstein Video zeigt: Dreiste Autofahrer wollen nicht warten, wenden in Rettungsgasse
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17:12 15.05.2019
Dreiste Autofahrer wendeten auf der Autobahn und fuhren entgegen der Fahrtrichtung. Quelle: RND
Lübeck

Die Empörung ist groß: Autofahrer haben bei einem Stau auf der A1 bei Lübeck in der Rettungsgasse gewendet, um nicht länger im Stau zu stehen. Ein anderer Autofahrer filmte alles. Bei dem schweren Unfall mit zwei Lastwagen war am Dienstag ein Mensch schwer verletzt worden, zwei weitere leicht.

Die Videos sind auf Facebook zu sehen. Eines zeigt einen gelben DHL-Transporter, der umdreht und durch die Gasse zwischen den Autos hindurch fährt. Auf der Straße laufen dabei Menschen, die ihre Autos verlassen haben. Zu sehen ist außerdem, dass auch ein weiterer Wagen dreht und der Transporter abbremsen muss.

„Solche Leute gehören von der Straße geholt“, sagte ADAC-Sprecher Ulf Evert den „Lübecker Nachrichten“. „Jeder, der das macht, gefährdet das Leben andere Menschen.“ Die Rettungsgasse auf der Autobahn sei reserviert für die Wagen der Notärzte, Sanitäter, Feuerwehrleute, Polizisten, die so schnell wie möglich zu den Unfallopfern müssen. Wenn ihnen dabei ein Autofahrer mitten auf der Autobahn entgegenkomme, werde die Rettung der Verletzen verzögert – und zudem werden weitere Menschen gefährdet. Die Autofahrer selbst und die Retter.

„Jetzt drehen die hier auf der Autobahn, die Idioten“

Der Grund für das Drehen auf der Autobahn war offenbar, dass die Fahrer nicht länger im Stau warten wollten. „Ich glaub es nicht – jetzt drehen die hier auf der Autobahn, die Idioten“, ist auf einem der Videos zu hören. Die Stimme gehört Norbert Lehmkuhl. Er hat einige der Videos gedreht, als er selbst im Stau stand. „Sind die bescheuert? Wie im Wilden Westen“, sagt er darauf im Hintergrund.

Der 53-Jährige war am Dienstag unterwegs von Reinfeld nach Lübeck – eine Strecke von 20 Kilometern. Dafür hat er dreieinhalb bis vier Stunden gebraucht. Um 10.25 Uhr stand der Geschäftsmann im Stau. Nach einer bis anderthalb Stunden wendeten die ersten Autofahrer ihren Wagen. Sie fuhren zurück zum Autobahnkreuz Lübeck-Süd. Er hat das Ganze gedreht, „weil ich erschrocken war“, sagt Lehmkuhl. Er habe auch einige angesprochen – und sei dafür angepöbelt worden. Er solle sich um seine eigenen Sachen kümmern. Das ist noch die freundliche Version.

Anschließend hat Lehmkuhl die Videos auf seiner Facebook-Seite veröffentlicht. „Ich wollte mahnen und zeigen, wie die Menschen sich auf Autobahnen verhalten.“ Darunter finden sich mehr als 2300 Kommentare, die Videos wurden mehr als 23 300 Mal geteilt und damit weiter verbreitet. Das Entsetzen bei den meisten ist groß. Aber Lehmkuhl wird auch angefeindet. „Ich wurde bedroht.“ Nach dem Motto: Wir kommen bei dir vorbei. Denn bei den wendenden Autos sind die Kennzeichen zu erkennen. Aber Lehmkuhl steht dazu. Der Polizei hat er seine Videos ebenfalls gegeben. „Die haben gesagt, ich habe alles richtig gemacht.“ Auf den Videoaufnahmen, die den Lübecker Nachrichten vorliegen, sind die Kennzeichen nicht zu erkennen.

Polizei prüft die Videos

Jetzt prüfen die Beamten die Aufnahmen. Denn es sind etliche Filme aufgetaucht – manche auch bei der Polizei in Kiel und Göttingen. „Wir haben aber festgestellt, dass es sich immer wieder um die selben vier Videos handelt, die offenbar geteilt wurden“, sagt Sprecher Stefan Muhtz. „Wir müssen wissen, wann die Videos genau entstanden sind.“ Denn die Polizei hat am Dienstag auch selbst Autofahrer umgeleitet, als der Stau mehrere Stunden dauerte. Dafür mussten die Wagen drehen und zum Autobahnkreuz zurückfahren – gegen die Fahrtrichtung.

Die Polizei will sicher gehen, dass es nicht diese Aktion war, die gefilmt wurde. Das ist jedoch unwahrscheinlich. „Bei uns sind zahlreiche Hinweise zu Verkehrsteilnehmern eingegangen, die offenbar ohne Weisung von Polizeibeamten im Stau auf der Autobahn 1 wendeten“, bestätigt Muhtz.

Für Lehmkuhl steht das außer Frage. „Ich war einer der ersten, die von der Polizei umgeleitet wurden“, so Lehmkuhl. Gefilmt habe er vorher. Zudem ist auf den Videos kein Polizist zu sehen, der den Verkehr lenkt.

Von Josephine von Zastrow/RND

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