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Schleswig-Holstein Viele Städte verzichten auf Glyphosat
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20:38 20.07.2019
Stefanie Voß (hinten links) und Holger Kluß haben mit ihren Kindern Hannes (4) und Fida (6) protestieren mit einem Plakat in Strohbrück gegen den großflächigen Einsatz des Pflanzenvernichters Glyphosat. Quelle: Sven Janssen
Kiel/Flensburg/Lübeck/Hamburg

Hamburg und Städte in Schleswig-Holstein verzichten auf Stadtflächen größtenteils auf den Einsatz von Glyphosat zur Unkrautvernichtung. Das ergab eine stichprobenartige Umfrage der Deutschen Presse-Agentur. Nach Angaben des Deutschen Städtetags geht seit Jahren eindeutig der Trend dahin, dass immer weniger Städte Glyphosat einsetzen. Wie aber sieht es konkret in Schleswig-Holstein und Hamburg aus? 

Ganz verbannt ist das umstrittene Pflanzenschutzmittel nicht - in beiden Bundesländern wird es noch versprüht. Ein Verbot von Glyphosat für verpachtete Flächen gibt es nicht überall.

Kiel

In der schleswig-holsteinschen Landeshauptstadt verzichtet man nach eigenen Angaben bereits seit den 1980ern grundsätzlich darauf Herbizide, Fungizide und Pestizide auf Grünflächen einzusetzen, wie etwa auf Parks oder Friedhöfen. In Kiel wird Unkraut, das etwa den Verkehr beeinträchtigen könnte, abgebrannt oder manuell entfernt. Andere Flächen werden demnach ein- bis zweimal im Jahr mit Maschinen gemäht.

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Lübeck

In Lübeck sprüht man nach städtischen Angaben seit den 1980ern keine Pestizide und damit auch kein Glyphosat auf öffentlichen Grünanlagen und Außenanlagen an öffentlichen Gebäuden. Man wolle in Zukunft auf allen kommunalen Flächen auf den Einsatz von Pestiziden verzichten. Eingesetzte Unternehmen, die öffentliche Flächen pflegen, sei es vertraglich verboten, Pestizide einzusetzen. Die Hansestadt wolle zudem in Pachtverträgen mit Kleingärtnern ein Verbot für Pestizide festschreiben. Pestizidfrei ist die Hansestadt damit noch nicht: Im Hafenbereich sowie an Böschungen, die mit Riesenbärenklau bewachsen sind, setze man weiter Pestizide ein.

Neumünster

Das Technische Betriebszentrum (TBZ) Neumünster gibt an, Glyphosat seit einem Ratsbeschluss von vor ca. 20 Jahren nicht mehr auf Stadtflächen einzusetzen. Stattdessen bekämpfe man Unkraut unter anderem mit maschinellen Geräten oder mit thermischen und biologischen Verfahren.

Mehr lesen: Landwirtschaftsministerin Klöckner rechnet mit Glyphosat-Aus in der EU ab spätestens 2022

Flensburg

In Flensburg gibt das Technische Betriebszentrum (TBZ) der Stadt an, seit vielen Jahren kein Glyphosat auf den städtischen Grünflächen einzusetzen - Ausnahme sei der Riesenbärenklau: «Zur Bekämpfung setzen wir hier sparsam und gezielt Glyphosat ein», sagte ein Sprecher des TBZ. Für alle Freiflächen, die nicht landwirtschaftlich, forstwirtschaftlich oder gärtnerisch genutzt werden, gebe es ein generelles Verbot für Pflanzenschutzmittel und damit auch für Glyphosat. Die Flächen würden stattdessen geschnitten und gebürstet. Auf allen kommunalen Flächen, die von der Stadt verpachtet seien, sei der Einsatz von Glyphosat verboten.

Hamburg

Die Hansestadt gibt an, Glyphosat seit 2016 nicht mehr zu versprühen. Für Nichtkulturflächen hat man ein sogenanntes Moratorium angeordnet - Glyphosat werde hier solange nicht versprüht, bis der Wirkstoff neu bewertet werde. Das sogenannte Totalherbizid darf seitdem nicht etwa auf öffentlichen Wegen oder Spielplätzen verwendet werden. 2018 habe man das Moratorium verlängert und auf weitere Flächen ausgeweitet. Verbannt ist Glyphosat damit aber nicht: Es darf weiter genutzt werden, wenn dies die «Betriebs-, Verkehrs- oder Anlagensicherheit erfordert». Also etwa auf Gleisanlagen. Bei gärtnerisch genutzten Flächen dürften zugelassen Pflanzenschutzmittel ebenfalls genutzt werden, also auch Glyphosat: Die Stadt gibt an, kein Glyphosatverbot in die Pachtverträge mit aufzunehmen.

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Beim Umgang der Kommunen mit Glyphosat ist zwischen städtischen Grünflächen, sogenanntem Nichtkulturland und verpachteten Flächen zu unterscheiden. Auf Grünflächen wenden es die meisten Kommunen längst nicht mehr an. Beim Nichtkulturland - Straßen, Wegen, Gleisanlagen, Betriebsflächen oder Hafengeländen - braucht es für einen Glyphosat-Einsatz laut Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft eine ausdrückliche Genehmigung. Diese würden von den Pflanzenschutzdiensten auf Landesebene aber durchaus noch regelmäßig erteilt, sagt Corinna Hölzel. Sie ist beim Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) Deutschland für Pestizidpolitik zuständig.

Eine Unterbehörde der Weltgesundheitsorganisation (WHO) stufte Glyphosat als «wahrscheinlich krebserregend» ein, andere Behörden und Studien betrachten es bei sachgemäßer Handhabung als sicher. Naturschützer beklagen allerdings vor allem die negativen Folgen des Totalherbizids für die Artenvielfalt. Bundesumwelt- und Landwirtschaftsministerium streiten seit weit mehr als einem Jahr über Einschränkungen für die Anwendung. 2017 hatten die EU-Staaten die Glyphosat-Zulassung für fünf Jahre bis Ende 2022 verlängert. Agrarministerin Julia Klöckner (CDU) erwartet, dass es keine Verlängerung geben wird.

Von RND/dpa

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