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Schleswig-Holstein Was hilft gegen die ungebetenen Wespen am Tisch?
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Viele Wespen in Schleswig-Holstein: Was hilft dagegen?

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09:46 17.08.2020
Süße Speisen, etwa ein Marmeladenbrot, sind für Wespen besonders anziehend. Aber es gibt Tricks, wie man die Wespen vom Essen am Tisch abhält.
Süße Speisen, etwa ein Marmeladenbrot, sind für Wespen besonders anziehend. Aber es gibt Tricks, wie man die Wespen vom Essen am Tisch abhält. Quelle: Karl-Josef Hildenbrand/dpa
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Kiel

Aufgrund eines konstant trockenen Frühlings habe häufig fast die gesamte Wespen-Brut in den Eiern überlebt, sagte der Wespenexperte bei der Hamburger Umweltbehörde, Michael Neumann. Im August soll das besonders bemerkbar werden.

Besonders die Population der sächsischen Wespe habe deutlich zugenommen. Extrem nervig für Menschen und damit verantwortlich für den schlechten Ruf der Tiere seien jedoch die gemeine und die deutsche Wespe - ihre Brut wachse derzeit noch heran.

Doch nicht jeder freut sich über die hohe Wespen-Population in Schleswig-Holstein. Ein paar süße Früchte, ein Marmeladenbrot und duftendes Grillfleisch: Das Picknick in der Natur, im eigenen Garten oder auf dem Balkon könnte so schön sein - wären da nicht die nervigen Wespen. "Die wollen einfach nur das haben, was ich auf dem Teller habe", sagt Biologin Melanie von Orlow vom Naturschutzbund (Nabu). Aber was kann man tun, wenn man sein Essen nicht mit den kleinen Quälgeistern teilen möchte?

Essen abdecken, Hände waschen, vorsichtig wegschieben

"Um keine Wespen anzulocken, kann man Speisen abdecken, süße Getränke verschließen und auf stark parfümierte Körperpflegeprodukte verzichten", rät Magnus Wessel vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). Auch die Hände und den Mund sollte man sich gut abwischen, nachdem man gegessen hat, damit die Insekten nicht auch noch an den Mund kommen, empfiehlt Laura Breitkreuz vom Naturschutzbund (Nabu).

Leisten die Wespen einem trotzdem am Tisch Gesellschaft, kann man versuchen, sie vorsichtig wegzuschieben - wenn nicht mit der Hand, dann etwa mit der Speisekarte, rät von Orlow. "Einfach konsequent Grenzen aufzeigen und sie nicht gewähren lassen."

Nicht hektisch schlagen oder pusten: Sprühflasche mit Wasser ist effektiver

Hektisch werden und mit den Händen wedeln sollte man aber in keinem Fall. "Um sich schlagen ist äußerst kontraproduktiv", erklärt Wessel. Denn die Tiere nehmen diese Angst wahr - und Angstschweiß versetze die Insekten in Alarmbereitschaft.

Auch das Wegpusten ist nicht empfehlenswert. Das Kohlendioxid in der Atemluft ist ein Alarmsignal für die Tiere und versetzt sie in Angriffshaltung. "Ganz dreiste Ruhestörer lassen sich mit Wasser aus kleinen Sprühfläschchen zur Raison bringen", sagt Wessel. Man könne es auch mit einer Ablenkungsfutterquelle versuchen, etwa eine überreife Frucht, die einige Meter entfernt abgelegt wird, rät Breitkreuz.

Im Internet gibt es ohne Ende Tipps, wie man Wespen vertreiben kann: von Kupfergeld bis hin zu ätherischen Ölen - doch helfen wird das wohl nicht. "Ich habe das tatsächlich mal mit einem Fernsehsender durchexerziert, wir haben alle möglichen Methoden versucht, von Kaffeepulver anbrennen bis hin zum Spicken von Zitronen und dergleichen", sagt von Orlow. Das habe alles nichts gebracht. Die Tiere seien von Natur aus so angelegt, dass sie aus großer Entfernung Futterstellen finden könnten, so die Biologin.

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Nicht alle Wespen kommen ans Buffet

Dabei sind längst nicht alle Wespen auch die nervigen Tierchen, die beim Picknick im Sommer gefährlich werden können. "Wir haben mehr als nur die Kuchenwespe", sagt von Orlow.

"In der Regel trauen sich nur zwei der elf mitteleuropäischen Wespenarten an unsere gedeckten Tafeln, nämlich die Gewöhnliche Wespe und die Deutsche Wespe", erklärt auch Naturschutzexperte Wessel. "Alle anderen Wespenarten interessieren sich nicht für unser Essen. Viele dieser Arten vertilgen vor allem Fliegen, Mücken, Raupen, Motten oder Spinnen."

Wespennester nicht alleine entfernen

Vom eigenmächtigen Entfernen eines Nestes in Häusern rät Neumann aus Naturschutzgründen ab: "Es darf nur vernichtet werden, wenn es nicht umsiedelbar ist, aber eine Gefahr für den Menschen darstellt." Beispielsweise, wenn es direkt am Kinderzimmerfenster liegt. In solchen Fällen seien die Umweltorganisationen BUND und Nabu sowie die Umweltbehörde Ansprechpartner. Befinde sich ein Nest jedoch etwa im Dachbereich, müsse es nicht zwangsläufig entfernt werden.

Bis auf die besonders geschützten Hornissen unterliegen alle Wespenarten dem allgemeinen Naturschutz, erklärt von Orlow. "Aber ich brauche, wie es so schön heißt, einen vernünftigen Grund." Das können etwa gefährliche Allergien gegen das Wespengift oder von den Wespen verursachte Bauschäden sein.

Wespen verlassen ihre Nester übrigens nach einer Saison wieder. Von einem Wespenstaat überlebt nur die Königin den Winter. Im Frühjahr beginnt sie mit dem Bau eines neuen Nests. Mit etwas Geduld verschwinden die Tierchen zum Ende der Saison also von ganz allein.

Und das ist die gute Seite an Wespen

Neumann warnt vor einer Verteufelung der gelb-schwarzen Insekten: Ein starkes Volk vertilge unter anderem bis zu 750 Gramm Fliegen und Mücken pro Tag. So trügen die Tiere ihren Teil zur Bekämpfung von Stechmücken bei.

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Von KN-online/dpa

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