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Schleswig-Holstein Pferdehaltern ist das Heu zu teuer
Nachrichten Schleswig-Holstein Pferdehaltern ist das Heu zu teuer
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10:33 11.12.2018
Von Alev Doğan
Zu Besuch in der Pferdeklappe: Petra Teegen versorgt auf ihrem Hof mit ihrem Team um die 30 Vierbeiner. Quelle: Juliane Häckermann
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Norderbrarup

Bevor die Menschen sich an Petra Teegen wenden, haben sie einen zermürbenden Weg voller Krankheiten, Verkaufsversuchen, Schulden und Verzweiflung hinter sich. Petra Teegen ist für sie Endstation und Erlösung. „Wenn Sie das Pferd nicht nehmen, muss es zum Schlachter“, sagen ihr die Menschen dann. Und Teegen nimmt das Pferd.

Pferdeklappe in Schleswig-Flensburg

In Norderbrarup im Kreis Schleswig-Flensburg leitet Petra Teegen die nach eigenen Angaben einzige Pferdeklappe Deutschlands. Ihr 1111. Pferd hat die 65-Jährige gerade erst vermittelt. Zu jedem einzelnen könnte sie Geschichten erzählen, die ganze Bücher füllen.

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1000 Euro Stallgeld

Ihr neuester Zugang ist Falko. Auf ihn hatten seine Besitzer große Hoffnungen gesetzt, denn als sein Bruder – ein berühmtes Sportpferd – sich verletzte, sollte Falkos Verkauf die Operationen des Bruders refinanzieren. Doch dann entdeckte man eine Zyste in seinem rechten Knie – Falko war nichts mehr wert. „Seine Besitzer sind an den Pferden regelrecht verarmt“, erzählt Teegen. „Irgendwann konnte die Familie nicht einmal mehr sein Stallgeld bezahlen. Da, wo er herkommt, kostet das 1000 Euro im Monat.“

Hohe Futterpreise

Doch nicht nur Stallgeld, auch Futter wird immer mehr zum Problem. Das, so Teegen, hat mit den Auswirkungen der Dürre in diesem Jahr zu tun. „Wir bekommen zurzeit deutlich mehr Pferde, und das liegt im Moment auch an den Futterpreisen, die in die Höhe geschossen sind“, erzählt Teegen. „Wir haben allein im Monat Oktober 22 Pferde mehr bekommen, als sonst in diesem Monat.“

Wegen Dürre sind Heu und Stroh knapp

Aufgrund des außergewöhnlich trockenen Sommers seien Stroh und Heu knapp. „Ich zahle mittlerweile 40 Euro pro Rundballen Heu, sonst waren es 30 Euro. Und das sind ermäßigte Preise für mich“, so Teegen. „Andere müssen bis zu 100 Euro für den Ballen zahlen.“ 500 Kilo Heu verfüttert Teegen an einem Tag. Dem normalen Pferdehalter reiche so ein Ballen im Durchschnitt zehn Tage. „Die Leute sind verzweifelt. Sie müssen ihr Pferd abgeben, damit es nicht verhungert.“

Die sogenannte Pferdeklappe ist in Wirklichkeit eine Koppel in der Nähe von Teegens Hof. „Nah, aber weit genug entfernt, dass die Menschen in Ruhe ihre Tier abladen können, ohne dass sie einer stört.“ Gleich bei der Koppel liegen in einem Briefkasten vorgefertigte Verträge, die die Besitzer unterschreiben, um so ihre Tiere auch juristisch an den Verein abzugeben.

200-250 Pferde im Jahr

Die Zahl der Tiere, die bei ihr abgegeben werden, nehme seit der Gründung 2013 stetig zu - mittlerweile seien es zwischen 200 und 250. Und das sind nur die Pferde, die auf ihrem Hof landen. Viele weitere vermittelt sie bereits im Vorwege weiter.

Hier geht's zur Pferdeklappe.

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