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Schleswig-Holstein Vier Kreise jetzt Wolfspräventionsgebiet
Nachrichten Schleswig-Holstein Vier Kreise jetzt Wolfspräventionsgebiet
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17:17 13.02.2019
Von Heike Stüben
Foto: Die Schafe in den Kreisen Pinneberg, Steinburg, Dithmarschen und Segeberg sollen besser vor Wölfen geschützt werden. Das Land stellt für das Wolfsmanagement 1,1 Millionen Euro und eine weitere Stelle bereit.
Die Schafe in den Kreisen Pinneberg, Steinburg, Dithmarschen und Segeberg sollen besser vor Wölfen geschützt werden. Das Land stellt für das Wolfsmanagement 1,1 Millionen Euro und eine weitere Stelle bereit. Die Karte zeigt, wo Wölfe Schafe gerissen haben. Quelle: google.com/mymaps Kieler Nachrichten
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Kiel

In den Präventionsgebieten leben aktuell drei Wölfe: Der Wolf GW924m, der zurzeit mit einer Ausnahmegenehmigung im Kreis Pinneberg gejagt wird; einer seiner Brüder, der in Dithmarschen mehrfach Schafe gerissen hat, und eine Wolfshündin aus Sachsen-Anhalt, die sich im Kreis Segeberg von Wild ernährt.

Zudem wird noch ein weiterer Wolf in Schleswig-Holstein vermutet. Dieser soll sich in Nordfriesland aufhalten. Wann es zu einer Rudelbildung kommen könne, sei nicht vorherzusagen, sagte Umweltminister Jan Philipp Albrecht (Grüne) Albrecht. „Wir haben unterschiedliche Geschlechter im Land; da ist es nicht ausgeschlossen, dass die sich auch mal paaren.“

Durch dauerhafte Schutzzäune soll verhindert werden, dass sich nach GW924m weitere Wölfe auf Schafe spezialisieren. "Weil das nicht auf einen Schlag zu schaffen ist, soll der Herdenschutz schrittweise umgesetzt werden", erklärt Umweltminister Jan Philipp Albrecht (Grüne) am Mittwoch in Kiel.

Ab 500 Schafe: Schafhalter in Schleswig-Holstein sollen Antrag stellen

Im ersten Schritt müssen alle Schafhalter mit mehr als 500 Tieren beim Land Schleswig-Holstein Herdenschutzzäune beantragen und nach und nach installieren. Wichtig: Nur wer solch einen Antrag stellt, bekommt künftig den Schaden ersetzt, wenn der Wolf bei ihm Schafe reißt.

Wer weniger als 500 Schafe hält, muss schriftlich gegenüber dem Wolfsmanagement erklären, dass er bereit zu Präventionsmaßnahmen ist. Das reicht, damit die Halter auch künftig Schafsrisse ersetzt bekommen. Außerdem kann er vom Land Schleswig-Holstein mobile Zäune erhalten, wenn ein Wolf in der Nähe auftaucht.    

Wer Schafe auf den Deichen und im Deichvorland weiden lässt, muss gar nichts tun und erhält trotzdem weiter Ausgleichszahlungen bei Rissen durch Wölfe.

Schafhalter in Schleswig-Holstein zu Maßnahmen: Nicht leistbar!

Janine Bruser, Geschäftsführerin vom Landesverband Schleswig-Holsteinischer Schaf- und Ziegenzüchter kritisierte die neue Regelung. „Die Ausweisung als Wolfsgebiet schwebt seit zehn Jahren wie ein Damoklesschwert über uns. Wir haben immer gesagt: Das ist nicht leistbar. Das Problem sind nicht nur die Sachkosten, sondern vor allem die Arbeitskosten." Der Verband lehnt daher die Präventionsgebiete ab und fordert "innovative Lösungen".

Hier sehen Sie Bilder von der Demonstration der Schafhalter.

Es gibt in den vier Kreisen rund 470 Schafhalter im Haupt- und Nebenerwerb mit insgesamt  85000 Schafen. 41 Halter haben mehr als 500 Schafe. "Wenn wir diese Herden mit wolfsabwehrende Zäunen dauerhaft versehen, dann erreichen wir damit 61 Prozent der Schafe in den Präventionsgebieten", erklärte Umweltminister Albrecht.

Interaktive Karte: Der Wolf in Schleswig-Holstein

Seit dem ersten Wiederauftreten der Wölfe in Schleswig-Holstein im Jahr 2007 konnten bis heute 177 C1-Nachweise erbracht werden. Im aktuellen sogenannten „Wolfsmonitoringjahr“ (1.5.18 bis 30.04.19) sind es bisher 130 C1-Nachweise. Insgesamt sind seit Auftreten des Wolfes 124 Nutztierrissereignisse festgestellt worden, davon allein 101 in diesem Wolfsmonitoringsjahr.