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Schleswig-Holstein 40 Kilometer Geisterfahrt auf der A21
Nachrichten Schleswig-Holstein 40 Kilometer Geisterfahrt auf der A21
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16:59 12.11.2019
Von Nadine Materne
Ein Geisterfahrer fuhr am Sonntag, 10. November, auf der A21 zwischen Bargteheide und Trappenkamp entgegen der Fahrtrichtung. Quelle: Juliane Häckermann (Symbolbild)
Trappenkamp

Es grenzt an ein Wunder, dass die 40 Kilometer lange Geisterfahrt eines 40-Jährigen auf der A21 am Sonntag ohne Verletzte endete. Es war Sonntagmorgen um 5 Uhr, als der Mann im Kreuz Bargteheide (Kreis Stormarn) beim Übergang von der Bundesstraße 404 auf die A21 in die verkehrte Richtung auf die Südspur der A21 fuhr.

„Das ist in diesem Abschnitt leider relativ problemlos möglich“, sagt Polizeisprecher Michael Franke auf Nachfrage. „Der Mann hat sich nach seinen Angaben dabei zu sehr auf das Navi verlassen, das ihn anwies, sich links zu halten.“ Der Fahrer aus Polen sei „völlig fehlgeleitet“ worden.

Mann wurde von Polizisten gestoppt

Zu diesem Zeitpunkt war es stockdunkel, es gab wenig Verkehr. „Zum Glück hat niemand überholt“, so Franke. Während sich die wenigen Autofahrer zu dieser frühen Stunde also in ihrer Fahrtrichtung nach Süden auf dem für sie rechten Fahrbahnstreifen hielten, wähnte sich der Falschfahrer auf einer ländlichen Straße und fuhr in falscher Richtung auf der Überholspur, schildert Franke die Aussagen des Mannes.

Der Fahrer konnte tatsächlich erst nach 40 Kilometern und eine halbe Stunde später bei Trappenkamp von Polizeibeamten gestoppt werden. Erst da habe der Mann begriffen, dass er als Falschfahrer auf einer Autobahn unterwegs gewesen war, so Franke.

Mehrere Anrufe zum Geisterfahrer in der Leitstelle

In der Leitstelle seien während der Geisterfahrt mehrere Anrufe eingegangen. Der Mann soll auch per Lichthupe aufmerksam gemacht worden sein. Stutzig wurde der polnische Fahrer dadurch offenbar nicht, bestärkt auch dadurch, dass zu seiner rechten Seite einige 120 Km/h-Geschwindigkeitsschilder gestanden hätten. Die allerdings galten für die Nordspur hinter der Mittelleitplanke.

Die Fahrspuren zu seiner Rechten habe der Mann nach eigener Aussage aber nicht gesehen, so schildert Franke den Fall. „Das kann ich mir als Ortsfremder im Dunkeln auch vorstellen“, sagt der Polizeibeamte.

Weiterfahren durfte der Falschfahrer danach nicht. Der Führerschein wurde ihm entzogen, sagt Franke. Außerdem ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen einer Straßenverkehrsgefährdung. Die Ermittlungsergebnisse entscheiden auch darüber, ob der Mann seine Fahrerlaubnis wiederbekommt. Zudem wurde dem Mann der Schlüssel für seinen roten Passat abgenommen, bis er von einem Bekannten auf der Wache abgeholt wurde.

Geisterfahrer auf der A21: Polizei sucht Betroffene

Im Rahmen der Ermittlungen gegen den Falschfahrer sucht die Polizeidirektion Bad Segeberg nun Betroffene, die am Sonntag auf der A21 unterwegs gewesen waren und dem roten Passat ausweichen mussten, um einen Zusammenstoß zu verhindern. Sie können sich bei der Polizei melden unter der Telefonnummer 04551/8843444.

14 Falschfahrer auf der A21

In diesem Jahr hat die Polizeidirektion Bad Segeberg in ihrem Zuständigkeitsbereich auf der A21 zwischen Leezen und Wankendorf sowie auf der A20 zwischen Mönkhagen und Bad Segeberg bereits 14 Falschfahrer gezählt. „Das ist ein leichtes Plus“, so Franke.

Im ganzen Jahr 2018 hat es dagegen elf sogenannte Geisterfahrten gegeben. Damals war es auch zu einen Unfall bei Mönkhagen gekommen. In diesem Jahr sei im Bereich der PD Segeberg noch niemand durch Falschfahrer zu Schaden gekommen.

Zweiter Geisterfahrer am Montag

Nicht immer können Geisterfahrer ermittelt werden. So gab es Meldungen zu einem weiteren Falschfahrer am Montag gegen 9 Uhr zwischen Trappenkamp und Daldorf auf der A21. Über das Radio wurden Autofahrer gewarnt. Das sei üblich, wenn über die Leitstelle eine Meldung eingeht, erklärt Polizist Franke. Polizeilich festgestellt werden konnte dieser Fahrer am Montag jedoch nicht.

Wie oft es im Kreuz Bargteheide zu falschen Auffahrten auf die Autobahn kommt, die am Sonntag zu einer 40 Kilometer langen Geisterfahrt führte, konnte die zuständige Polizeidirektion in Ratzeburg auf Nachfrage nicht mitteilen: „Es werden keine Zahlen für Falschfahrer erhoben.“

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