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Schleswig-Holstein Der Norden streitet über Organspende
Nachrichten Schleswig-Holstein Der Norden streitet über Organspende
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10:00 02.04.2019
Von Christian Hiersemenzel
Foto: Deutschlandweit warten 9400 Menschen auf ein lebensrettendes Organ.
Deutschlandweit warten 9400 Menschen auf ein lebensrettendes Organ. Quelle: Jens Ressing
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Kiel

Für die 9400 Menschen, die in Deutschland derzeit auf ein lebensrettendes Organ warten, sei das ein wichtiges Signal. Allerdings geht Spahn Gesetzesvorschlag deutlich über Gargs Idee hinaus: Jeder Bürger ab 16 Jahren soll automatisch potenzieller Spender sein, solange er nicht aktiv widerspricht. Das geht nicht nur der FDP zu weit.

Garg wirbt um einen Kompromiss

„Es bedarf endlich einer Antwort auf die Frage, wie es gelingen kann, die Spendebereitschaft weiter zu steigern“, sagte Garg. Um Befürworter und Gegner der besagten Widerspruchslösung zu einen, brauche man einen Kompromiss. Der Kieler Minister hatte Mitte 2018 auf der Gesundheitsministerkonferenz sein Modell vorgestellt: Jeder Bürger müsse sich für oder gegen eine persönliche Organspendebereitschaft entscheiden.

Den Grünen reicht das nicht. „Es dauert zu lang mit der Umsetzung“, sagte die Abgeordnete Marret Bohn. „In der Zwischenzeit sterben weiterhin Kranke auf der Warteliste.“ In der CDU dagegen tut man sich mit dem Vorschlag des Parteifreundes Spahn schwerer. Zwar hatte der gesundheitspolitische Sprecher Hans Ninrich Neve kürzlich innerhalb seiner Fraktion für den Vorstoß aus Berlin geworben. Als dann aber abgestimmt wurde, fand sich keine Mehrheit.

Stegner spricht von einer "echten Gewissensfrage"

In der SPD spricht Fraktionschef Ralf Stegner denn auch von einer „echten Gewissensfrage“, auch wenn er persönlich für Spahns Vorschlag Sympathie hege. Entsprechend unterschiedlich fällt die Haltung der Abgeordneten aus. Während die sozialpolitische Sprecherin Birte Pauls von potenziellen Spendern mit den Kranken „Solidarität“ einfordert, spricht ihr Kieler Kollege Bernd Heinemann von einem Eingriff in die Körperintegrität. „Das kann auch dann nicht aufgehoben werden, wenn die Verantwortung über diese Entscheidung den trauernden Angehörigen zugeschoben wird.“

Jörg Nobis (AfD) geht zu Spahn auf Distanz: „Dadurch würde der Staat allen Bürgern, die sich nicht entscheiden wollen, genau diese Freiheit nehmen. Das erscheint uns ebenso falsch wie etwa ein Gesetz, das eine Wahlpflicht einführt und alle Stimmen, die trotzdem nicht abgegeben werden, automatisch der Regierung zuschlägt.“ SSW-Landtagschef Lars Harms unterstützt Spahns Vorstoß – „allerdings sollte die Regelung erst ab 18 Jahren gelten.“ Und der Staat sei von seiner Informationspflicht nicht entbunden.