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Schleswig-Holstein Einmal WOA: Für diese Senioren ein Muss
Nachrichten Schleswig-Holstein Einmal WOA: Für diese Senioren ein Muss
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16:20 31.07.2019
Marianne Hansen (l-r), Helga Schreckling, Irmgard Mestermann und Gustav Jacobs, zeigen bei ihrem Ausflug zum Wacken Open Air den Metal-Gruß, die "Pommesgabel". Quelle: Axel Heimken
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Wacken

Ilse Schaefer ruft „Wackeeen“ und die zwölf Insassen des Busses machen die "Pommesgabel" - den Metal-Gruß mit ausgestrecktem Zeigefinger und kleinem Finger. Grundsätzlich nichts Ungewöhnliches auf dem Wacken-Festival - wäre Frau Schaefer nicht 92 Jahre alt und säße in dem Bus eines Seniorenheims.

Hier sehen Sie Bilder vom Wacken Open Air 2019, Tag: 31. Juli 2019

Das „Haus am Park“ in Heide macht bereits zum sechsten Mal mit einigen Bewohnern einen Ausflug zu dem Heavy-Metal-Festival Wacken Open Air, das in diesem Jahr zum 30. Mal stattfindet. In diesem Jahr sind 13 Senioren dabei, drei von ihnen sind „Wiederholungstäter“ und waren schon in den vergangenen Jahren mit von der Partie. Die älteste Rentner-Rockerin im Bus ist 95 Jahre alt.

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Generation Heavy-Metal kommt jetzt ins Heim

Die Stimmung im Bus ist gut, die Vorfreude auf das Wacken Open Air lässt sich förmlich greifen. Einmal sei ihnen sogar Bier in den Bus gereicht worden, erzählen die Senioren. Auch wenn das dieses Mal wohl nicht passiert - das Heim hat Kroos zufolge keine Durchfahrtsgenehmigung bekommen - freuen sich alle auf den Ausflug.

Hier sehen Sie Bilder vom Wacken Open Air 2019, Tag: 30. Juli 2019

Angefangen hat alles mit Rüdiger Pahl, erklärt die Hauswirtschaftsleiterin des Hauses, Susann Kroos. Der heute 59-Jährige ist an Multipler Sklerose erkrankt, hört gerne ACDC und wollte schon immer mal nach Wacken. Den Wunsch erfüllte Kroos nur zu gerne und machte ihm mit dem Ausflug vor sechs Jahren eine Geburtstagsüberraschung. Seitdem hat der Rentner vier Wacken-Shirts im Schrank und die anderen mit seiner Begeisterung angesteckt. „Wir bekommen jetzt die Generation Heavy-Metal ins Heim“, erklärt Kroos, selbst im Wacken-Shirt.

"Jetzt sei doch nicht so stur!"

Ilse Schaefer ist im dritten Jahr dabei. Bei ihrem ersten Besuch sei sie wegen der Musik zunächst skeptisch gewesen. Doch kurz nachdem sie in Wacken angekommen war, habe sie die Pommesgabel - so nennt sich der Metal-Gruß - jedem gezeigt, der entgegenkam. Als ein junger Metalhead nicht sofort zurückgrüßen wollte, habe sie gerufen: „Jetzt sei doch nicht so stur!“. Da habe er ganz schnell und eingeschüchtert zurückgegrüßt, erzählt die frühere Reisebüroleiterin und der ganze Bus kichert.

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Es gehe dabei auch darum, Vorurteile abzubauen, sagt Betreuerin Kroos, die sich für die nächsten Tage freigenommen hat, um selbst auf das Festival zu gehen. So können die Bewohner sehen, dass die Metalheads eigentlich ganz friedlich sind. Gleichzeitig ist es für die Rentner eines der Highlights des Jahres. „In den zwei Bussen sind zusammengerechnet 800 Jahre versammelt und sie werden noch das ganze Jahr begeistert über den Ausflug reden.“

„Es muss in der Welt für jeden etwas geben.“

Die Vorfreude im Bus lässt sich förmlich greifen. Einmal sei ihnen sogar Bier in das Auto gereicht worden, erzählen die Senioren. Auch wenn das dieses Mal wohl nicht passiert - das Heim hat Kroos zufolge keine Durchfahrtsgenehmigung bekommen - freuen sich alle auf den Ausflug.

Vielen der Rentner ist das Wacken-Festival ein Begriff, sie kommen aus der Gegend, haben Kinder und Enkel, die dort arbeiten oder feiern. Da sei es auch nicht so wichtig, ob man auf Heavy Metal steht. Er könne mit der Musik nur wenig anfangen, sagt Gustav Jacobs, 89-jährig und zum ersten Mal in Wacken. Aber das macht nichts: „Es muss in der Welt für jeden etwas geben.“

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