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Schleswig-Holstein Kita-Gesetz macht Eltern Bauchschmerzen
Nachrichten Schleswig-Holstein Kita-Gesetz macht Eltern Bauchschmerzen
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20:06 18.09.2019
Von Heike Stüben
Sie fühlen sich in der Natur zuhause und haben keine Langeweile (von links): Juli, Johann-Bosse, Tilmann, Lykka und der ausgebildete Hund Luise von den "Wald- und Wiesenhüpfern" in Kiel vermissen keine vorgefertigten Spielsachen. Quelle: Frank Peter
Kiel

Ein ganz anderes Problem haben Eltern, die ihre Kinder im Hort oder in der Natur betreuen lassen wollen. Denn das Gesetz sieht vor, dass Waldkrippen bis spätestens 2025 auslaufen und künftig ebenso wie  Waldhorte nicht mehr gefördert werden. Außerdem werden altersübergreifende Angebote eingeschränkt.

Kieler Eltern, die ihren Nachwuchs in den Waldkrippen von Pädiko betreuen lassen, können das nicht nachvollziehen. „Die FDP redet von Freiheit, warum lässt man uns Eltern nicht die Freiheit, zwischen Angeboten zu wählen“, sagt ein betroffener Vater. Warum Waldkrippen, in denen speziell ausgebildete Erzieher die Kinder fit machen, gefährlicher sein sollen als gelegentliche Ausflüge von Kindern mit weniger Naturkontakten, erschließe sich ihm nicht.  

Das Aus für den Wald-Hort

„Das ist das Aus für zwei wichtige Betreuungsformen“, kritisiert auch Irmela Will von der Elterninitiative „Die Wühlmäuse“ in Preetz. Dort war bereits alles für den Wald-Hort geplant. Zum 1. Januar 2020 sollte es losgehen. „Die Stadt Preetz und das Jugendamt des Kreises haben das auch unterstützt. Doch angesichts des Gesetzes, das am 1.August 2020 in Kraft treten soll, mussten wir jetzt die Planung stoppen“, sagt Will.

Das Argument, ein Wald-Hort könne die Hausaufgabenbetreuung nicht gewährleisten kann sie ebenso wenig nachvollziehen, wie das Argument, dass Waldkrippen eine Gefahr für die Kleinen sei. „Mit unseren Waldgruppen der Tagesmütter beweisen wir, dass die Betreuung in Wald und Feld kindgerecht ist. Außerdem gibt es immer einen umbauten Rückzugsort.“ So sollte für die Hortgruppe ein besonders großer Bauwagen zum Schutz dienen und für jedes Kind einen Platz zum Hausaufgaben-Machen bieten.

Schleswig-Holstein fällt zurück

Kritik kommt auch von Ute Schulte-Ostermann, Vorsitzende vom Bundesverband der Natur- und Waldkindergärten. „Schleswig-Holstein war Vorreiter in der Waldpädagogik. Jetzt fallen wir bundesweit, aber auch europaweit zurück. Dabei ist das Konzept bewährt und es lassen sich schnell dringend benötigte Plätze schaffen."

Für Karin Gimm, die 20 Jahre in einer Waldkita in Flensburg gearbeitet hat, bietet die Betreuung in der Natur nicht nur die so dringend benötigte Bewegung und Stärkung der Abwehrkräfte, sondern fördert vor allem die Fähigkeit zu kreativen Lösungen und Teamfähigkeit.

„Im Wald müssen sich Kinder selbsttätig Spiele und Tätigkeiten entwickeln. Da gibt es keine vorgefertigten Spielsachen. Kinder lernen Zusammenhänge zu erkennen, Verantwortung zu übernehmen, aber auch Grenzen zu akzeptieren“, sagt Monika von Zobeltitz, Gruppenleiterin der „Wald- und Wiesenhüpfer“ in Kiel.  

Ein großes Problem: die Schließzeiten

Doch auch Eltern, die ihre Kinder in einer Krippe oder Kita in einem Gebäude  betreuen lassen, äußern sich enttäuscht darüber, dass ihre Vorschläge nicht bei der Kita-Reform berücksichtigt wurden. Zwar wurden für große Kitas die Schließzeiten pro Jahr auf 20 Tage und bei kleineren Einrichtungen auf 30 Tage im Jahr begrenzt.

„Doch erstens wurden mit den dem 24. Und 31 Dezember zwei zusätzliche halbe Arbeitstage hineingemogelt, an denen geschlossen werden darf. Zweitens sind es immer noch so viele Schließtage, dass etliche Familien weiter Probleme haben, ihre Kinder zu betreuen. Denn es müssen auch die Brückentage abgedeckt werden und die Notbetreuung in fremder Umgebung wollen die meisten Eltern ihren Kindern nicht zumuten“, sagt Yvonne Leidner aus Kiel, die einen 4jährigen Sohn in der Kita hat.  So lange Schließzeiten seien oft nicht mit der Arbeitswelt kompatibel.

Gemeinsame Ferien? Nicht möglich

Im schlimmsten Fall bedeuten die Schließzeiten: keine gemeinsame Ferienzeit für die Familie. Karina Staude hat das bereits dieses Jahr erlebt, weil Kita und Schule ihrer Kinder nacheinander geschlossen haben.

„Mein Mann und ich haben und mit unseren Urlauben abgewechselt. Bei 30 Schließtagen wird das sich auch nicht ändern. Doch noch vier Jahre halte ich das nicht durch“, sagt die Lübeckerin und fordert verbindliche Vorgaben: Schulen und Kitas müssten sich auf Schließzeiten einigen. "Eigentlich müsste ganz auf Schließzeiten verzichtet werden, damit auch das Kita-Personal seine Urlaubszeiten freier wählen kann."

Erste Beiträge wurden schon erhöht

Sauer sind die Eltern auch darüber, dass Schulkinder nicht mehr bei der Geschwister-Ermäßigung mitgezählt werden. In Kiel fürchten Eltern zudem, dass die Stadt die Beiträge auf den Deckel (226 Euro im Elementarbereich/ 288 Euro in der Krippe) anheben wird. Die zuständige Dezernentin Renate Treutel hatte auf einer SPD-Veranstaltung kürzlich angekündigt, dass es durch den Wegfall des Krippengeldes für die Eltern um 68 Euro teurer werden könnte. „Oberbürgermeister Ulf Kämpfer ist dann zwar zurück gerudert, aber unsere Sorge bleibt“, sagt Leidner von der Kieler Elternvertretung. Währenddessen berichten Eltern aus anderen Gemeinden, dass schon mal vorsorglich die Beiträge auf den Deckel angehoben worden sind...

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