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Schleswig-Holstein UKSH-Patienten müssen länger warten
Nachrichten Schleswig-Holstein UKSH-Patienten müssen länger warten
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14:16 03.02.2020
Von Heike Stüben
Ein zweitägiger Warnstreik hat am Montag am UKSH Kiel begonnen. Verdi will damit den Druck in einem Konflikt um Entlastungen der Pflegekräfte erhöhen. Quelle: Frank Peter
Kiel

Wie viele Patienten von dem zweitägigen Warnstreik betroffen sind, konnte man im UKSH nicht sagen. "Wir haben alle Patienten, bei denen das medizinisch vertretbar ist, um Verschiebung der Termine gebeten", erklärte UKSH-Sprecher Oliver Grieve, "bisher ist es nicht zu Not-Situationen durch die Warnstreiks gekommen." Es müsse aber mit längeren Wartezeiten gerechnet werden.

Ohnehin seien in Kiel nur 100 Pflegekräfte im Ausstand. Verdi spricht dagegen von 550 Personen, die in der Frühschicht in Kiel und Lübeck am Warnstreik teilnehmen. Auch sonst geht die Darstellung weit auseinander. Die Fronten sind verhärtet, der Ton wird rauer.

Das zeigt auch der Streit um die Notdienstvereinbarung. "Wir haben vor Gericht eine Notdienstvereinbarung ausgehandelt. An die halten wir uns selbstverständlich", sagt Verdi-Sprecher Frank Schischefksy. Die Kinderklinik und der geschlossene Bereich im ZIP seien ohnehin von den Warnstreiks ausgenommen.

Für Schwangere zurück auf die Station

Tatsächlich gehen an diesem Morgen mehrfach Pflegekräfte zurück an ihren Arbeitsplatz, weil sie dort benötigt werden. Als auf der Geburtsstation eine Risikoschwangere, die Mehrlinge erwartet, nicht adäquat versorgt werden kann, beendet eine Pflegekraft sofort ihren Warnstreik. Auch die Auszubildenden gehen gegen neun Uhr auf die Stationen. Zuvor musste das UKSH allerdings schriftlich bestätigen, dass die Azubis nur als Hilfekräfte und nicht als Ersatz für Fachkräfte eingesetzt werden.

Schischefsky stellt aber auch klar: "Es kann nicht sein, dass während unseres Warnstreiks die Personalbesetzung auf den Stationen dank der Notdienstverordnung besser ist als im regulären Betrieb." 

Streit um Personalsituation am UKSH Kiel

Wie der reguläre Stationsbetrieb aussieht, das ist vor dem Zentralklinikum in Kiel immer wieder Gesprächsthema. "Die Personalsituation hat sich seit der DRG-Einfühung verschlechtert. Das schlägt seit fünf Jahren richtig durch", erklärt Stefan Gerdes, Fachpfleger für Intensvmedizin. UKSH-Sprecher Oliver Grieve hält dagegen: "Von 2016 bis heute hat die Zahl der Vollzeitstellen im Pflegebereich von 1944 auf 2317 deutlich zugenommen."

Doch die Pflegekräfte verweisen auf stark steigenden Patientenzahlen, auf komplexere Erkrankungsbilder, mehr demente Patienten, viel mehr zeitaufwändige Dokumentationen. "Die Personalbesetzung ist im tiefroten Bereich. Das ist der Alltag. Das spüren auch die Patienten", sagt Gerdes.

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Mehr Kinder, weniger Hebammen

Auch Gundula Mahler, seit 30 Jahren Hebamme, bestätigt das: "1989 hatten wir 300 Geburten weniger. Aber damals waren wir nachts drei Hebammen und drei Schülerinnen. Heute sind nachts im Kreißsaal zwei Hebammen und manchmal noch eine werdende Hebamme. Wenn ich drei Frauen unter der Geburt begleite, muss ich mich aber um sechs Menschen kümmern. Das geht nicht. Da ist die Gefahr da, dass das zu einer traumatischen Erfahrung für die Frauen wird."

Für seinen Kollegen Marco Schmidt ist "der ständige Überlastungsdruck Hauptursache dafür, dass so viele Kollegen in Teilzeit, Frühverrentung gehen, aussteigen oder dauerhaft erkranken. Den ständigen Gewissenskonflikt hält man auf Dauer kaum aus."

Mehr Personal, Punktekonto für Freizeit

Deshalb fordert die Verdi einen Tarifvertrag Entlastung mit einer Personalbemessung, die den Anforderungen der Patienten entspricht, und den Pflegekräften, die einspringen oder auf unterbesetzten Stationen Dienst tun, Punkte für zusätzliche Freizeit gutschreibt.

UKSH-Sprecher Oliver Grieve weist dagegen immer wieder daraufhin, dass die von Verdi geforderten 420 zusätzlichen Stellen illusorisch seien. "Wir haben erstens nachgerechnet, dass das 500 Stellen wären, wenn man die Verdi-Forderung umsetzen würde. Zweitens: Wo sollen die Fachkräfte herkommen? Die können wir nur aus anderen Krankenhäusern holen. Das verschiebt das Problem nur."

Doch Intensivpfleger Wulfhard Gericke ist sicher. Gäbe es eine adäquate Stellenzahl auf den Stationen, dann würden viele Fachkräfte aus der Teilzeit oder aus anderen Berufen wieder zurückkehren. "Es gibt genügend Pflegekräfte in Deutschland."

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