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Schleswig-Holstein Weniger Hering und Dorsch – Fischer suchen neue Strategien
Nachrichten Schleswig-Holstein Weniger Hering und Dorsch – Fischer suchen neue Strategien
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10:06 24.12.2019
Ein Herings-Fischer fährt mit vollen Stellnetzen über den Greifswalder-Bodden zurück zum Hafen in Greifswald-Wiek. Die Heringsfischer in der Ostsee lassen sich für 2020 eine neue Strategie einfallen. Die geringen Fangquoten lassen nur noch eine regionale Vermarktung zu. Quelle: Christian Charisius/dpa
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Cuxhaven/Freest

In der Ostsee dürfen 2020 erneut weniger Hering und Dorsch gefangen werden. Die Einschränkung bei ihren wichtigsten Fischarten zwingt die Fischer zu veränderten Strategien. „Bisher haben wir beim Hering auf eine kurze, konzentrierte Saison gesetzt“, sagte der Vize-Vorsitzende des Verbandes der Kutter- und Küstenfischer Mecklenburg-Vorpommerns, Michael Schütt. „Jetzt werden wir die Saison so weit strecken wie möglich, von Januar bis Mai.“ Wegen der geringen Mengen würden Großabnehmer wegbrechen. Es müsse mehr Fisch regional, am besten gleich von Bord, verkauft werden.

Ostsee stärker als Nordsee betroffen

Zum Schutz der Bestände haben die EU-Fischereiminister die Quoten beim Hering in der westlichen Ostsee im Vergleich zu 2019 um 65 und beim Dorsch um 60 Prozent reduziert. In der Nordsee sieht es aus Sicht der Branche besser aus: Die Heringsquote bleibt auf dem Niveau von 2019, bei Kabeljau wird sie halbiert, bei Makrele und Schellfisch dagegen um 41 beziehungsweise 23 Prozent erhöht.

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Schlechtes Jahr für Ostseefischer

Den Ostseefischern ging es schon 2019 nicht gut. Sie seien nur dank der Stilllegungsprämien über die Runden gekommen, sagte Schütt. In Mecklenburg-Vorpommern gibt es rund 220 Haupterwerbsbetriebe, davon 160 Dorsch- und Heringsfischer. Sie erhielten Geld dafür, dass sie an einer bestimmten Anzahl von Tagen keinen Hering oder Dorsch fangen und ihre Kutter im Hafen lassen.

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Aber auch die deutschen Krabbenfischer haben 2019 keine guten Geschäfte gemacht. Die Umsätze brachen von mehr als 60 Millionen Euro im Vorjahr auf geschätzt 25 Millionen Euro ein. Sie liegen damit voraussichtlich unter den Umsätzen aus dem Krisenjahr 2011, wie die Erzeugergemeinschaft der Nord- und Ostseefischer GmbH in Cuxhaven mitteilte, die 100 Krabbenfischer vertritt. Die Erzeugerpreise gingen demnach von etwa 4 Euro (2018) auf 2,70 Euro pro Kilo zurück.

Massive Preis- und Mengeschwankungen

„Weder Menge noch Preis waren 2019 zufriedenstellend“, sagte Geschäftsführer Kai-Arne Schmidt. Die Fischer sowie die Erzeugergemeinschaft hätten dadurch große Probleme, sich den massiven Schwankungen anzupassen. Auch beim Frischfisch gingen die Fangmengen zurück und lagen bis Oktober bei 28 000 Tonnen (2018: 44 000 Tonnen).

2020 dürfen Fischer in Mecklenburg-Vorpommern nur noch 260 Tonnen Dorsch und 1000 Tonnen Hering fangen, 2019 waren es noch knapp 3000 Tonnen Hering. Damit hatte das Bundesland den größten Anteil an der deutschen Heringsquote von insgesamt 4900 Tonnen. Vor 20 Jahren war die deutsche Fangquote mit 97 500 Tonnen fast 20 Mal so hoch.

Lage in Schleswig-Holstein entspannter

In Schleswig-Holstein spielt die Heringsfischerei nur eine kleine Rolle, wie der stellvertretende Vorsitzende des Landesfischereiverbandes, Benjamin Schmöde, sagte. „Im Gegensatz zu den Kollegen aus Mecklenburg-Vorpommern erhalten die "Kleinfischer" meist nur eine geringe Zuteilung an Hering - oftmals sind es nur ein paar Hundert Kilogramm Quote für eine Saison.“ Der Fisch werde direkt vermarktet oder in Mukran auf Rügen sowie im Ausland verarbeitet.

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Von RND/dpa