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Schleswig-Holstein Wie Träumen mit den Füßen
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11:40 20.11.2013
Leah Marleen Harding (links) und Lisa Geiger zeigen, wie es geht: Konzentration und Körperbeherrschung sind beim Ballett wichtig.
Leah Marleen Harding (links) und Lisa Geiger zeigen, wie es geht: Konzentration und Körperbeherrschung sind beim Ballett wichtig. Quelle: privat
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Kiel

So fängt eine Ballettstunde in der Kieler Ballettschule Grabbe an. „Tendu“, sagt die Lehrerin, die vorn vor den Tänzerinnen steht. Eine neue Musik beginnt, alle Tänzerinnen sind bereits in der richtigen Startposition und warten auf ihren Einsatz. Konzentration, Ehrgeiz und Körperbeherrschung – das sind die wichtigsten Voraussetzungen beim klassischen Ballett. Die Mädchen in dieser Gruppe sind zwischen 15 und 18 Jahre alt und nehmen dies als selbstverständlich.

 Einige tanzen wie Lisa schon seit ihrem vierten Lebensjahr, andere haben ein wenig später angefangen, sind aber schon seit einigen Jahren an dieser Ballettschule, die ihren Elevinnen (Ballettschülerinnen) viel abverlangt. Sie gehört zu den anspruchsvollsten in Kiel und Umgebung und teilt die Gruppen nicht nur nach Alter, sondern auch nach Leistung ein.

 Die Ballettschule unterrichtet nach dem Lehrplan der Royal Academy of Dance (RAD) in London. Die RAD ist eine Organisation, die pädagogische Leitlinien für den Unterricht in klassischem Ballett herausgibt, Ballettkurse anbietet und Prüfungen, in denen sich die Schülerinnen und Schüler beweisen müssen, abnimmt. Sie hat 13000 Mitglieder und ist somit die weltweit größte Organisation dieser Art. Die Prüfer kommen zum Teil aus England oder sogar aus Südafrika nach Kiel. Je höher der Ausbildungsgrad, desto anspruchsvoller ist auch der Unterricht.

 Die Mädchen kommen in der Mitte des Raumes zusammen, stellen sich in Reihen auf und warten auf die Ansage der Lehrerin. Die nächste Übung, welche von der Choreographie her schon deutlich anspruchsvoller ist, gehen alle erst einmal für sich ohne Musik durch. Sieht die Lehrerin etwas, was ihr nicht gefällt oder was noch nicht perfekt ist, so sagt sie dies deutlich und wartet, bis es von der Tänzerin verbessert wurde.

 Ballett – das sind nicht nur hohe Beine, große Sprünge und Spitzentanz, wird immer wieder betont. Lisa und die anderen Mädchen sind auch fasziniert von der Leidenschaft, die dahinter steckt. Mit Tanz kann man Geschichten erzählen, Gefühle zeigen und auf den Zuschauer übertragen. Und dies könne man beim klassischen Ballett am meisten bewundern, sind sich die Mädchen einig. „Dancing is like dreaming with your feet“, heißt es bei den Tänzerinnen – Tanzen ist wie Träumen mit den Füßen.

 Nach einigen anstrengenden Übungen machen Lisa und die anderen Mädchen eine Trinkpause. Drei, vier Minuten, dann geht es weiter. Seit den Sommerferien fiebern sie auf die Schulaufführung im März hin. „Ein paar andere Mädchen und ich kommen eigentlich dreimal die Woche zum Training. Jetzt ist das ein bisschen anders. Wir studieren mehrere Tänze ein, die natürlich alle regelmäßig geprobt werden. Deshalb komme ich jetzt vier bis fünf Mal“, sagt Lisa, die zu den Erfahrenen gehört und entsprechend viel Tanzzeit haben wird. Das ist ganz schön viel Ballett. Kommt die Schule dabei nicht zu kurz? „Ja, das Tanzen nimmt wirklich viel Zeit in Anspruch, aber ich bekomme Schule und Ballett ganz gut unter einen Hut. Man muss sich die Zeit nur gut einteilen. Das wichtigste ist aber, dass man den Spaß an der ganzen Sache nicht verliert. Denn nur darum geht es hier ja.“

 Die 17-Jährige nickt freundlich und geht konzentriert zurück in die Mitte des Raumes. Wenn man die Tänzerinnen beobachtet, merkt man, dass sie ganz genau wissen, was sie tun und wie sie es tun müssen, damit es verzaubernd wirkt. Man sieht ihnen an, dass sie Spaß haben, obwohl sie völlig kontrolliert sind.

 Kurz nachdem sich die Tür schließt, ertönt wieder klassische Klaviermusik. Der Unterricht geht weiter.

 Von Leah Marleen Harding, Klasse 9b, Gymnasium Kronshagen