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Schleswig-Holstein Wie der Schulwechsel am besten klappt
Nachrichten Schleswig-Holstein Wie der Schulwechsel am besten klappt
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11:00 26.01.2019
Von Jürgen Küppers
"Wahl einer Schulart bedeutet keine Vorentscheidung für ein Abitur": Maike Abshagen, Vize-Chefin des IQSH, empfiehlt Eltern Gelassenheit, wenn sie in den kommenden Wochen nach weiterführenden Schule für ihre Kinder suchen.  Quelle: Frank Peter
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Kiel

Nach der Wiedereinführung von G9 an Gymnasien könnte bei Eltern der Eindruck entstehen: Jetzt ist der Leistungsdruck dort geringer. Also kann ich mein Kind ohne Bedenken zum Gymnasium schicken, selbst wenn es keine Gymnasialempfehlung der Grundschule hat. Stimmt das so?

Maike Abshagen: So einfach ist es nicht. Eine gewisse Entlastung bringt G9 den Schülern zwar vor allem in der Mittelstufe, weil sie dann an Nachmittagen wieder mehr Zeit für ihre Hobbys oder für Ehrenämter haben. Trotzdem bleibt der Unterschied zwischen beiden Schularten bestehen: An Gymnasien ist das Lerntempo straffer, Schüler tauchen tiefer in Themen ein. An Gemeinschaftsschulen kann und soll bei der Vermittlung des Unterrichtsstoffs stärker nach Stärken und Schwächen der Schüler differenziert werden.

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Was sollte denn bei der Wahl einer Schulart den entscheidenden Ausschlag geben?

Wichtig ist die Schulartempfehlung der Grundschule. Die Lehrkräfte dort haben ihre Schüler über einen langen Zeitraum hinweg begleitet und kennen deren Leistungsfähigkeit. Eltern sollten deren Einschätzungen als aussagekräftigen Hinweis von Profis auf ihrem Gebiet betrachten. Hinzu kommen natürlich die Einschätzungen der Eltern, die wissen, ob ihre Kinder Unterrichtsstoff wirklich zügig aufnehmen und verarbeiten können.

Weiterführende Schulen in der Region

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Und was ist mit solchen Schülern, bei denen es nicht eindeutig ist, welcher Schultyp für sie der bessere ist?

Im Unterricht der Gemeinschaftsschulen kann stärker nach Lerntempo und Begabung differenziert werden als an Gymnasien. Das kann eine Lösung sein, wenn absehbar ist, dass es das Kind auf dem Gymnasium trotz aller Anstrengungen nicht schafft. Eine Querversetzung vom Gymnasium zur Gemeinschaftsschule macht es Kindern – wenn es so kommt – später eher schwerer und kann zu Frust führen.

Da Eltern in aller Regel das Beste für ihre Kinder wollen, streben sie damit auch den vermeintlich besten Schulabschluss für sie an – also einen mit Hochschulzugang. Können Sie das nachvollziehen?

Selbstverständlich kann ich das. Dabei muss man aber berücksichtigen: Die Wahl einer weiterführenden Schule bedeutet überhaupt keine Vorentscheidung. Unser Bildungssystem ist so durchlässig, dass es viele Wege zu Abschlüssen mit Studienberechtigung gibt: eben nicht nur an Gymnasien, sondern auch an Gemeinschaftsschulen mit Oberstufe oder an Beruflichen Schulen.

Abgesehen von der Schulart, welche Kriterien spielen grundsätzlich bei der Wahl einer weiterführenden Schule die größte Rolle?

Eltern sollten sich in jedem Fall vor Ort einen persönlichen Eindruck von Angeboten und Gegebenheiten einer Schule verschaffen – zum Beispiel bei den demnächst anstehenden Info-Abenden. Bei der Entscheidung könnten auch die verpflichtenden oder freiwilligen Ganztagsangebote helfen, die sich möglichst mit Interessen und Stärken von Kindern decken sollten. Ebenfalls wichtige Kriterien sind die Nähe und Erreichbarkeit der Schule. Es muss schon gute Gründe dafür geben, seinen Kindern lange, umständliche Schulwege zuzumuten. Diese zusätzliche Belastung sollte man möglichst vermeiden.

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